SWR-Intendant Gniffke: AfD-Politiker nicht aus Talkshows der ARD verbannen

14.10.2020
 

Der Intendant des Südwestdeutschen Rundfunks Kai Gniffke hält nichts von einem Auftrittsverbot für AfD-Politiker in Talkshows. Zugleich sagt Gniffke in einem Interview mit der "Zeit", die ARD müsse ein stärker divergierendes Meinungsspektrum in ihrem Programm abbilden.

Kai Gniffke rät von einem Auftrittsverbot für AfD-Politiker in Talkshows ab: "Wenn wir anfangen zu unterscheiden, wer bei uns auftreten darf und wer nicht, kommen wir argumentativ ganz schnell in den Wald", sagt der SWR-Intendant in einem Gespräch mit der Wochenzeitung Die Zeit. "Die AfD ist die größte Oppositionspartei im Bundestag. Deswegen haben wir diese Leute nicht nur abzubilden, sondern auch mit denen zu reden."

2018 hatte die Redaktion der ARD-Talkshow "Hart aber fair" erklärt, den AfD-Bundestagsfraktionschef Alexander Gauland nicht mehr in ihre Sendung einladen zu wollen, da dieser den Nationalsozialismus verharmlose. Und Ende 2019 gab ZDF-Chefredakteur Peter Frey bekannt, dass der Thüringer AfD-Politiker Björn Höcke nicht mehr als Gast in Talkshows seines Senders erwünscht sei.

"Ich halte nichts von einem Bann über einzelne Personen", kommentiert Gniffke dies im Zeit-Gespräch. "Was macht man denn, sollte Höcke thüringischer Ministerpräsident werden? Ihn nicht zu Wort kommen lassen? Das wird schwer ..."

Die ARD habe den Auftrag, die Gesellschaft zusammenzuhalten, so Gniffke weiter: "Das bedeutet für mich, den Dialog nicht abreißen zu lassen - auch mit denen nicht, die uns ganz schrecklich finden oder die uns gar abschaffen wollen. Solange es uns gelingt, mit denen eine halbwegs respektvolle Debatte zu führen, werde ich die führen."

Zugleich sollte die ARD nach Ansicht von Kai Gniffke ein breiteres Meinungsspektrum in ihrem Programm abbilden: "Wir sehen durchaus, dass wir noch stärker ein divergierendes Meinungsbild abgeben müssen", so der Chef des Südwestdeutschen Rundfunks in der Zeit. "Ich weiß auch, dass wir bestimmte Haltungen in unserer Belegschaft vielleicht nicht abbilden" Gefragt, ob sich etwa in "Tagesthemen"-Kommentaren auch jener Teil der Bevölkerung wiederfinde, der zum Beispiel die Energiewende oder die Frauenquote für falsch halte, sagt Gniffke: "Was wir lernen müssen, ist, respektvoll mit diesen Haltungen umzugehen und den Leuten nicht unterschwellig mitzugeben: Ihr müsst euren Lebensstil ganz furchtbar finden. Ich glaube, daran müssen wir arbeiten." 

Die ARD habe aus Fehlern gelernt, sagt der frühere Chef der "Tagesschau", der seit 2019 die zweitgrößte ARD-Anstalt führt: "Was die Flüchtlingskrise betrifft, teile ich durchaus manche Kritik an unserer Berichterstattung. Aber bei Corona haben wir es deutlich besser gemacht, finde ich." Dass die "Tagesthemen" gerade mit einem Pro-und-Contra-Format experimentieren, zeige das Bemühen um mehr Meinungspluralität, sagt Gniffke. "Ich mache mir langfristig auch keine Sorgen, dass die Rolle des konservativen Kommentators bei uns vakant bleibt."

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