Welchen Aufgaben sich die neue BR-Intendantin Katja Wildermuth stellen muss

 

Weißer Rauch aufgestiegen: Der Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks hat Katja Wildermuth zur Nachfolgerin von Ulrich Wilhelm bestimmt. Die neue Intendantin tritt ihr Amt zum 1. Februar nächsten Jahres an - auch auf einer Großbaustelle.

Der viel beschworene "trimediale Umbau" des BR war eines der erklärten Herzensprojekten von Noch-Amtsinhaber Ulrich Wilhelm, der bekanntlich für eine dritte Wirkungszeit als BR-Intendant nicht mehr kandidierte. Das Zusammenführen der Mediensparten und diverser Redaktionen ist auf dem Papier weitgehend abgeschlossen, auch die Direktoren-Struktur beim BR wurde angepasst. Allerdings harren noch gewaltige bauliche Maßnahmen ihrer Veränderung: Das zentrale Redaktionszentrum auf dem BR-Studiogelände in München-Freimann wird frühestens Ende nächsten Jahres fertig. Weitere Bauabschnitte werden sich nach bisherigem Plan noch mindestens zwei Jahre hinziehen.

Gut möglich, dass also auch ein Baustellenhelm zur neuen Büroausstattung von Katja Wildermuth gehören wird. Die 55-Jährige wurde vom BR-Rundfunkrat in der Sitzung vom Donnerstag, 22. Oktober, mit 38 von 48 Stimmen gewählt. Sie wird ihr Amt zum 1. Februar nächsten Jahres antreten - für eine Amtszeit von fünf Jahren, wie das beim BR üblich ist.

In der Wahl hatte sich Wildermuth gegen einen internen und einen - wie sie - weiteren BR-externen Kandidaten durchgesetzt: gegen den BR-Verwaltungsdirektor Albrecht Frenzel und Christian Vogg, SRF-Chief Data Officer und Bereichsleiter Dokumentation und Archive. Auch sie wollten BR-Intendant werden (kress.de berichtete).

Katja Wildermuth kommt vom Mitteldeutschen Rundfunk, wo sie in Halle Programmdirektorin ist. Die bayerische Landeshauptstadt kennt sie allerdings gut. Sie wuchs in Anzing bei München auf und studierte an der LMU München Deutsch, Geschichte und Sozialkunde für das Lehramt Gymnasium. In ihrem Hauptfach Alte Geschichte legte sie eine Doktorarbeit ab.

Sie volontierte im Lektorat des R. Oldenbourg Verlags in München. Seit 1994 arbeitete Katja Wildermuth als Autorin und Redakteurin, unter anderem für das ARD-Politmagazin "Fakt". Sie stand dabei in MDR-Diensten, wo sie 2004 die Leitung der Redaktion Geschichte und Gesellschaft übernahm. 2016 wechselte sie zum NDR, um dort bis 2019 den Programmbereich Kultur und Dokumentationen zu leiten. Seit April 2019 verantwortet Katja Wildermuth die crossmediale Programmdirektion Kultur des Mitteldeutschen Rundfunks.

In einem ersten Statement nach ihrer Wahl bedankte sich Katja Wildermuth beim BR-Rundfunkrat für den "eindrücklichen Vertrauensbeweis". Gleichzeitig deutete sie an, dass sie sich auf der neuen Top-Führungsposition, die auch ARD-weite Einflussnahme mit sich bringt, den gesellschaftlichen Debatten stellen möchte. Die Legitatimation des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems ist in einem aufgeheizten Diskurs längst keine Selbstverständlichkeit mehr, auch am Rundunkbeitrag und dessen Höhe erhitzen sich bundesweite Streitigkeiten. BR-Intendant Ulrich Wilhelm hatte sich zuletzt gelegentlich auch gegen die ARD-Hauptlinie gestellt - etwa beim Beschluss, die ARD-Kultur beim MDR anzusiedeln (kress.de berichtete).

Auch der BR ist nicht frei von Spannungen. Zuletzt drängte ein Frauennetzwerk nachdrücklich auf mehr weibliche Führungspositionen - angefangen mit der Senderspitze, was nun erfolgt ist (kress.de berichtete). Die massiven Umbaumaßnahmen und Umorganisationen im Zuge der "Trimedialität" haben auch in den Redaktionen oft für Unruhe gesorgt. Zudem muss Wildermuth - wie alle ihre ARD-Kolleginnen und -Kollegen - die Finanzen strikt im Blick behalten und sparen.

"Wir werden eine herausfordernde Zeit vor uns haben, es geht um Finanzdebatten, um Akzeptanzdebatten", sagt Wildermuth. "Aber wenn ich mir anschaue, was die Mitarbeitenden des BR in den letzten schwierigen Monaten auf die Beine gestellt haben, was für tolles, vielfältiges, professionelles Programm, dann glaube ich, dass das eine wunderbare Stärke ist, auf die wir aufbauen können."

Hintergrund: "Wir hatten in doppelter Hinsicht eine besondere Situation: Zum einen eine Rundfunkratssitzung unter Corona-Bedingungen im Fernsehstudio mit Abstandsregeln und Maske", sagt Lorzen Wolf, Vorsitzender des Rundfunkrats des Bayerischen Rundfunks, zu Wahl der neuen Intendantin. "Gleichzeitig hatten wir das 'Luxusproblem', unter drei sehr guten Kandidaten und allesamt überzeugenden Persönlichkeiten eine Auswahl treffen zu können. Ich gratuliere Dr. Katja Wildermuth, dass sie diese Wahl bravourös für sich hat entscheiden können."

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