Muss Condé-Nast-Deutschland-Chefin Jessica Peppel-Schulz um ihren Job fürchten?

 

Condé Nast ("Vogue", "GQ") baut weiter radikal um. Und das könnte auch das Reich von Deutschland-Chefin Jessica Peppel-Schulz umpflügen. Laut Plänen des weltweiten CEO Roger Lynch, die kress.de bekannt wurden, soll es für die fünf Verlagsmärkte in Westeuropa künftig nur einen Managing Director geben.

In einem Schreiben, das aktuell in der weltweiten Verlagsorganisation kursiert und das kress.de kennt, kündigt Roger Lynch eine weitreichende Zusammenlegung der Kräfte auf den Märkten in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Spanien und Italien an.

"Im Laufe des nächsten Jahres haben wir die Absicht, unsere fünf separate, unabhängig geführte Märkte in einen vereinten europäischen Markt zu überführen", so der weltweite CEO. Ziel des Konzentrationsprozesses: "Der vereinte Markt wird dann von einem Managing Director (MD) geführt."

Wer das sein wird und was mit den bisherigen europäischen Länder-Chefs von Condé Nast, darunter auch Deutschland-CEO Jessica Peppel-Schulz, passieren wird, ist noch völlig unklar.

Auf Nachfrage von kress.de heißt es aus der New Yorker Verlagszentrale: "Die Suche und der Auswahlprozess für den Europa-MD wird nun beginnen."

Welche konkreten Personalmaßnahmen mit dem Konzentrationsprozess einhergehen, ist ebenfalls offen. Zuletzt fand am Deutschland-Sitz in München ein Stellenabbau bei Condé Nast statt. Auch über Pläne, ob möglicherweise Titel ganz geschlossen werden, hält man sich auf Nachfrage bedeckt. Allerdings ist zu hören, dass Deutschland bei der Transformation, die weltweit bei Condé Nast gefordert ist, weit fortgeschritten und gut aufgestellt sei.

"Uniting Europe" lautet die Überschrift, die Roger Lynch dem Prozess gibt, der auch zu einer radikal ausgedünnten Führungsmannschaft führen könnte. Unter dem Schlagwort "Global Centers of Experience" kündigt er an, dass es künftig im Condé-Nast-Universum stärker zentralisierte Einheiten für Verlagsfunktionen wie Finanzen, Recht, HR/People, Kommunikation, Marketing sowie Produkt und Technologie geben soll.

Spannend wird es nach kress.de-Informationen in dem Schreiben, wenn es laut Roger Lynch um den Punkt "Uniting Editorial Operations", also das Zusammenführen von redaktionellen Arbeiten, geht. In diesem Zuge arbeiten bereits jetzt Anna Wintour und Christiane Mack, beide Content Operations Officer bei Condé Nast weltweit, mit den Content-Teams in den jeweiligen Ländern der Niederlassungen zusammen, um strategisch neue Breschen zu schlagen und stärker zusammenzuarbeiten.

Auch in Deutschland hatte sich - gerade unter dem Eindruck der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Beschränkungen - Jessica Peppel-Schulz für mehr weltweite Syndizierungen unter dem Dach von Condé Nast stark gemacht. Die ausgewiesene Digitalexpertin, vormals Deutschland-Chefin von UDG, gilt Konzern-intern eine als Fürsprecherin der Vision eines integrierten, schlagkräftigen Westeuropa-Organisation. Sie wird sicher am Transfomationskurs festhalten.

Auf Nachfrage von kress.de, ob der "Uniting Editorial Operations"-Prozess radikal weitergedacht auch dazu führen könnte, dass es in den fünf europäischen Ländern überhaupt noch eigenständige Redaktionsteams geben wird, verlautet es aus der Condé-Nast-Zentrale: "Wir erwarten, dass wir auch auf dem dann letztlich vereinten europäischen Markt weiterhin Teams in den einzelnen Ländern haben werden", heißt es in New York.

"Der neue Europa-MD wird dabei mithelfen, die Optionen zu prüfen und die Pläne finalisieren, wie der gemeinsame Markt dann letztlich organisiert sein wird." Entspannung dürfte sich angesichts Aussagen wie dieser in den deutschen Redaktionen von "Vogue", "AD", "GQ" oder "Glamour" vermutlich nicht gerade breit machen.

Hintergrund: Condé Nast International bringt weltweit 143 Magazine heraus, darunter "Vogue", "GQ", "Wired", "AD" sowie "Vanity Fair" und betreibt über 100 Webseiten.

Update: Jessica Peppel-Schulz, CEO von Condé Nast Germany, äußerte sich auf kress.de-Anfrage wie folgt zu den Umbauprojekten: "Ich teile diese Vision eines integrierten und mächtigen Condé Nast Westeuropas voll und ganz, da ich in den letzten 18 Monaten in Deutschland selbst Treiber dieser Transformation war. Es ist der richtige Weg", so die deutsche Topmanagerin. "Ich werde die deutsche Transformation weiter vorantreiben und die Teams während dieser Veränderungen als CEO begleiten. "

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