Verlegerin Isabella Neven DuMont: Diese Entscheidung hat das Überleben gesichert

 

Im Exklusiv-Interview mit kress pro erklärt Isabella Neven DuMont erstmals den umstrittenen Verkauf der Berliner Zeitung, der Hamburger Morgenpost und der Mitteldeutschen Zeitung. Warum die Verlegerin den Kölner Stadt-Anzeiger behalten hat und wofür sie sich im Nachhinein entschuldigt.

kress pro: Frau Neven DuMont, Sie sind seit dem Tod Ihres Vaters vor fünf Jahren die wichtigste Gesellschafterin der DuMont Mediengruppe und vertreten die Interessen ihres Familienzweigs im Aufsichtsrat. Zuvor haben Sie fast fünf Jahre im Vorstand gearbeitet. In dieser langen Zeit sind Sie öffentlich kaum in Erscheinung getreten und haben noch nie allein ein längeres Interview gegeben. Warum ist das so?

Isabella Neven DuMont: Ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt und bin lieber Beobachterin und Zuhörerin. Aber jetzt bin ich ja hier und freue mich auf Ihre Fragen.

kress pro: Warum machen Sie jetzt eine Ausnahme?

Neven DuMont: Ich bin seit zehn Jahren aktiv im Unternehmen und wir haben DuMont in dieser Zeit saniert, neu aufgestellt und zukunftsfähig gemacht. Darauf sind wir stolz.

kress pro: Die nach außen wichtigste Entscheidung war es, sich von Titeln wie der "Berliner Zeitung", der "Hamburger Morgenpost" und der "Mitteldeutschen Zeitung" zu trennen. Wäre es nicht früher an der Zeit gewesen, dass Sie sich dazu äußern?

Neven DuMont: Als Gesellschafter haben wir damals bewusst auf Stellungnahmen verzichtet. Es war unser Ziel, den Prozess so ergebnisoffen wie möglich zu gestalten. Auch wenn es vielleicht schwer nachzuvollziehen war: Wir hatten dem Vorstand den Auftrag erteilt, hier alle Optionen durchzuspielen.

kress pro: Warum haben Sie sich Ende 2018 zu diesem Schritt entschlossen?

Neven DuMont: Als ich vor fast zehn Jahren in die DuMont-Führung eingestiegen bin, war die Ausgangslage alarmierend: Von außen betrachtet war das Image zwar gut, das Unternehmen aber substanziell krank und geschwächt. Die Ursachen waren: eine Fehleinschätzung über die Zukunft der "Frankfurter Rundschau", der "Berliner Zeitung" und der "Hamburger Morgenpost", alte Modelle, die in der digitalen Transformationszeit nicht mehr zeitgemäß waren, sowie unglückliche Personalentscheidungen. Und die Folgen waren fatal: Wir standen kurz vor dem Bankrott und hatten keine Zukunftsperspektive, auch nicht im Journalismus. Die 2013 eingeleitete konsequente Restrukturierung war ein Befreiungsschlag, die Trennung zwischen Gesellschaftern und operativem Management für DuMont eine harte, aber lebensrettende Zäsur. Das zeigte die 2014 eingeleitete Strategie zur Neuausrichtung des Unternehmens mit einem konsequenten Digitalisierungskonzept und einem klar durchdachten Diversifikationsplan. Die Kurskorrektur fordert uns alle, hat aber auch gezeigt, dass sie richtig war. Aus dem Strategiewechsel resultierte die Überprüfung des Bereiches Regionalmedien und der daraus abgeleitete Verkaufsprozess. Das war ein schwieriger Schritt. Diese Entscheidung hat DuMont aber das Überleben gesichert. So können wir den Transformationsprozess zu einem digitalen, diversifizierten und damit zukunftsfähigen Unternehmen schaffen. Davon bin ich überzeugt.

kress pro: DuMont war immer ein Zeitungshaus. Ist Ihnen der Schritt schwergefallen?

NevenDuMont: Natürlich tut mir das als Verlegerin weh, aber wir haben alles in Hände verkauft, bei denen wir zum Zeitpunkt des Verkaufs absolut überzeugt waren, dass es für die Zeitung und die Menschen, die dahinterstehen, der richtige Schritt ist. Nehmen Sie die "Mitteldeutsche Zeitung" in Halle: Zusammen mit der "Volksstimme" in Magdeburg haben beide eine starke Stellung in Sachsen-Anhalt. Das gibt beiden ein Stück Zukunft. Das hätten wir so nicht leisten können.

kress pro: Wie umstritten war der Verkauf unter den Gesellschaftern?

Neven DuMont: Wir haben bei der Entscheidung alle mitgenommen.

kress pro: Hätten Sie sich auch vom Stammhaus im Rheinland mit dem "Stadt-Anzeiger" und dem "Express" getrennt?

Neven DuMont: Wir haben den Vorstand beauftragt, alle Optionen durchzudenken. Aber das heißt im Umkehrschluss nicht, dass wir auch mit allem einverstanden gewesen wären. Wir sind ein Traditionshaus. Ich bin mit dem Stammgeschäft aufgewachsen. Spätestens mit der Entscheidung in Berlin haben wir gespürt, wie stark uns die publizistischen Aktivitäten hier in Köln am Herzen liegen.

kress pro: Für die Stimmung im Haus war das natürlich nicht förderlich. Ihr Vorgehen erinnert an einen untreuen Ehemann, der irgendwann reumütig zur Partnerin zurückkehrt. War es richtig, so vorzugehen?

Neven DuMont: Der Vergleich hinkt auf beiden Füßen. Wir haben niemanden betrogen. Wir waren in einem Brainstorming-Prozess, in dem alle Optionen erwogen wurden. In dieser Situation hat jemand alle Informationen an die Öffentlichkeit durchgestochen. Das hat im Haus verständlicherweise für Unruhe gesorgt und tut mir total leid. Das war nicht unsere Absicht.

kress pro: War es für Sie auch eine Option, Ihre Zeitungen in einen größeren Verbund wie bei Madsack oder der Funke Mediengruppe einzubringen und dafür als Juniorpartner eine Minderheitsbeteiligung zu bekommen?

Neven DuMont: Alle Optionen zu prüfen schließt logischerweise auch die ein, die kaum eine Chance haben, verwirklicht zu werden.

kress pro: Das heißt: Sie wollen unabhängig bleiben?

Neven DuMont: Ja, absolut.

kress pro: Warum?

Neven DuMont: Wir sind einfach so, unser Herz schlägt so. (lacht) Wir waren immer ein sehr stolzes Haus. Ich bin stolz auf die Rolle, die "Stadt-Anzeiger" und "Express" in der Geschichte des Rheinlandes immer gespielt haben. Und bis heute haben beide Blätter nichts von ihrer journalistischen Bedeutung verloren. In einem großen Haus aufgehen, in dem wir eigentlich nicht mehr mitreden können - das wollte ich nicht. Ich glaube an die Zukunft unserer Titel. Mehr denn je.

kress pro: Ihr Vater Alfred Neven DuMont hat immer zugekauft. Denken Sie, dass er sich auch von den Zeitungen in Berlin, Hamburg und Halle getrennt hätte?

Neven DuMont: Ja, natürlich! Mein Vater hatte viel Freude an den Zeitungen, besonders an der "Mitteldeutschen Zeitung". Aber manchmal war unser Haus selbst für ihn zu groß geworden. Er hatte einen kleinen Verlag übernommen und hat ihn zu einem riesigen Unternehmen ausgebaut. Manchmal wünschte er sich, er hätte diese Schritte nicht getan und wir wären kleiner geblieben.

kress pro: War Ihrem Vater bewusst, dass er mit dem Einstieg bei der "Frankfurter Rundschau" und bei der "Berliner Zeitung" Fehlentscheidungen getroffen hat, die vermutlich Hunderte von Millionen Euro gekostet haben?

Neven DuMont: Ja, ihm war das sehr bewusst. Als ich hier vor zehn Jahren begann, haben wir uns die ersten anderthalb Jahre um nichts anderes als die Abwicklung der "Frankfurter Rundschau" gekümmert. Und auch Berlin hat uns sehr viel Geld gekostet. Aber eines vergessen viele heute: Mein Vater hat die Neuausrichtung des Unternehmens gefördert und begleitet. Er hat bewusst die Trennung zwischen den Gesellschaftern und dem Management vollzogen, er hat den CEO Christoph Bauer mit ausgewählt, er hat die Neuausrichtung des Unternehmens begleitet und er ist - bis er zwei Monate vor seinem Tod schwer erkrankte - jeden Tag ins Büro gekommen.

kress pro: Stimmt es, dass DuMont vor der Neuausrichtung vor sechs, sieben Jahren kurz vor einer Insolvenz stand?

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