Das merkwürdige Holger-Friedrich-Porträt von Spiegel-Reporter Alexander Osang

 

Alexander Osang hat im Spiegel ein viel beachtetes Porträt über Berliner Zeitung-Verleger Holger Friedrich geschrieben. Dabei ging nicht alles sauber zu, berichtet Chefredakteur Markus Wiegand in seiner neuen kress pro-Kolumne.

Ging beim Porträt des "Spiegel" über Holger Friedrich alles sauber zu?

Nee, echt nicht. Das hatte allerdings rein gar nichts mit dem Verleger des Berliner Verlags zu tun, sondern einzig und allein mit dem "Spiegel"-Autor Alexander Osang. Dessen Frau Anja Reich-Osang arbeitet nämlich als Redakteurin in führender Funktion bei der "Berliner Zeitung", die bekanntlich zum Berliner Verlag zählt. Alexander Osang porträtiert also den Chef seiner Frau. Das geht irgendwie gar nicht.

Die Pressestelle des "Spiegel" sieht das anders und schreibt: "Die Geschichte über Holger Friedrich ist vor allem das Porträt eines ungewöhnlichen Geschäftsmannes aus dem Osten und nicht eine Geschichte über die ,Berliner Zeitung'. Deshalb halten wir es für richtig, dass Alexander Osang diesen Text schrieb, der seit Jahrzehnten Menschen in Ostdeutschland beschreibt." Zudem habe man in der Geschichte transparent gemacht, dass Osangs Frau bei der "Berliner Zeitung" arbeite.

Richtiger ist eher, dass Osang gegen Ende der episch langen Geschichte einen verkniffenen Hinweis darauf gibt. Als er Friedrich im vergangenen Jahr interviewte, fehlte der Disclaimer völlig. Was der Spiegel-Verlag inzwischen aber nachgeholt hat.

Immerhin: In der Redaktionskonferenz des "Spiegel" war das Friedrich-Stück Thema und wurde teils scharf kritisiert. Allerdings, das ist dann auch typisch "Spiegel", wurde zugleich der Vorwurf erhoben, dass Osang als Berater für Friedrich arbeite. Das haltlose Gerücht wabert auch durch die Redaktion des Berliner Verlags und hat wohl damit zu tun, dass Osang Friedrich für sein Porträt über Monate begleitete und immer wieder traf.

Man kann die Kritik an Osang wegen seines Interessenkonflikts natürlich kleinlich finden. Ganz so einfach ist es aber nicht: Auffällig an dem Osang-Porträt ist nämlich, dass überhaupt keine Kritiker zu Wort kommen, die in Redaktionskreisen nicht schwer zu finden sind. Entweder hat Osang schlampig recherchiert oder er wollte wegen Befangenheit nicht mit solchen Leuten sprechen. Beides ist so mäßig cool.

Der Beitrag ist in der aktuellen Kolumne von Markus Wiegand in kress pro erschienen. In "aus unseren Kreisen" widmet sich der kress pro-Chefredakteur auch diesen Fragen: Wie erfolgreich war die Ära von Sebastian Turner beim Tagesspiegel? Wie gut ist das Ergebnis von BDZV-Präsident Mathias Döpfner? Was verdient Oliver Kahn beim ZDF? Wer führt die Handelsblatt Media Group? Gibt es jetzt Krieg zwischen dem Spiegel und Steingart?

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