Virologe Hendrik Streeck: Die Zusammenarbeit mit Diekmanns Storymachine war ein Fehler

02.11.2020
 

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck wird als Gegenpol zum Corona-Experten Christian Drosten gehandelt. Streeck sprach sich vergangene Woche gegen einen Shutdown aus. Im SZ-Interview wird er in Bezug auf die Kooperation mit der PR-Agentur Storymachine deutlich und sagt, warum er sich von den Medien falsch verstanden fühlt und was er dagegen tut.

Die Studie in Heinsberg ist für Hendrik Streeck zum Desaster geworden. Ihm wurde wegen der Kooperation mit der von Kai Diekmann mitgegründeten PR-Agentur Storymachine und einer Nähe zur NRW-Landesregierung vorgeworfen, nicht unabhängig zu arbeiten. 

"Rückblickend war die Zusammenarbeit mit Storymachine für mich ein Fehler. Ich habe es einfach nicht besser gewusst", sagt Streeck im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. "Ich habe lange in den USA gelebt, dort ist der Umgang mit Social Media und Presse anders. Ich habe auch die Aufgeregtheit um den Namen Kai Diekmann, einem der Gründer der Agentur, nicht gekannt."

Den Gründer von Storymachine, Michael Mronz, kennt Streeck "schon ein paar Jahre": "Ich hatte ihm gesagt, wie schwer es ist, die vielen Presseanfragen zu bewältigen, und dass ich damit keine Erfahrung habe. Er bot mir seine Hilfe an, das fand ich gut. So konnten uns viele Menschen bei unserer Studie quasi über die Schulter schauen", sagt Streeck im Gespräch mit Christina Berndt und Felix Hütten von der SZ.

Ihm sei aber nicht klar gewesen, was die Zusammenarbeit für Reaktionen auslösen würde. Und das habe von der Studie abgelenkt. "Ich wollte, dass die Forschung spricht, dass die Ergebnisse sprechen."

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Streeck hat jüngst eine ganze Reihe von solchen Erlebnissen gehabt, wo er sich falsch verstanden fühlte oder Shitstorms erlebt hat. Trotzdem geht er weiterhin an die Öffentlichkeit. Dies begründet er in der SZ so: "Ich habe häufig darüber nachgedacht, mich zurückzuziehen. Ich finde meinen Beitrag in der Debatte aber wichtig, dafür gehe ich das Risiko eines Shitstorms wieder ein." Momentan gebe es auf der einen Seite "dieses Bagatellisieren" und auf der anderen Seite "einen sehr alarmistischen Ton". Er stehe dazwischen.

Seine Öffentlichkeits-Erfahrung ist seit der Pandamie gewachsen, betont Streeck in der SZ: "Ich bin mit den Medien durch drei Phasen gegangen. Am Anfang war ich naiv. Ich habe einfach gesagt, was ich meinte. Dann bin ich extrem vorsichtig geworden und dachte, ich darf mich nur noch zu Wissenschaft äußern, obwohl ich das eigentlich falsch finde, denn wir Virologen sind jetzt zu mehr gefragt. Ein Medienberater hat mir dann sehr geholfen. Er hat mir den Mut und die Souveränität gegeben, der Öffentlichkeit das zu sagen, was ich eigentlich sagen will."

Streeck kommt in dem Gespräch auch auf den Virologen Christian Drosten zu sprechen. Es sei schon so, dass bei Drosten von Seiten der Medien ein anderes Maß angelegt werde: "Christian Drosten ist mit Politikern in der Bundespressekonferenz aufgetreten, das hat keine Kritik auf sich gezogen. Und in vielen Medien hieß es lange 'die umstrittene Heinsberg-Studie'. Warum umstritten? An der Studie selbst ist nichts umstritten. Das ist vielleicht die Verpackung, die da nicht gestimmt hat", meint Hendrik Streeck.

In Richtung Drosten sagt Streeck weiter: "Ich finde es wichtig, dass sich alle Virologen und auch Vertreter anderer Fachbereiche zusammenfinden und miteinander sprechen. Keiner hat ja die Wahrheit gepachtet, daher fände ich es richtig, wenn wir gemeinsam diskutieren würden."

Für die Zukunft wünscht sich Hendrik Streeck, dass in die Corona-Diskussion etwas Ruhe reinkommt: "Es ist an der Zeit, dass wir eine gewisse Souveränität als Gesellschaft im Umgang mit Covid-19 erlangen, dass es nicht mehr so im Vordergrund steht als das Thema. Das, glaube ich, würde allen guttun."

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