Neuer Medien-Job vom Headhunter – wie realistisch ist das?

 

Ein attraktives Job-Angebot von einem Headhunter, das nirgendwo offiziell ausgeschrieben war, unerwartet und ohne eigenes Zutun kommt. Welcher Medienprofi wünscht sich das nicht statt dem ewigen Bewerbungsfrust? Mediencoach Attila Albert erklärt, wie das funktioniert.

"Auf einmal hatte ich einen Anruf von einem Headhunter. Er suchte einen Chefredakteur für ein Magazin und wollte wissen, ob er mich ins Gespräch bringen könne." Oder: "Mich hat ein Headhunter bei LinkedIn angeschrieben und gefragt, ob ich mich beruflich verändern wolle. Er hätte eine Stelle als Kommunikationschef, die er besetzen müsse." So oder ähnlich klingt es regelmäßig, wenn mir Coaching-Klienten berichten, wie sie an ihre neue Position gekommen sind. Ein attraktives Angebot, das nirgendwo ausgeschrieben war, unerwartet und ohne eigenes Zutun. Wer wünscht sich das nicht statt ewigem Bewerbungsfrust?

Doch nur wenige Fach- und Führungskräfte erleben das. Mancher Medienprofi hat sich zwar einst bei LinkedIn oder Xing in der Hoffnung angemeldet, dadurch derartige Angebote zu erhalten. Aber viel mehr als Werbung und ein paar Nachrichten von früheren Kollegen kam dann meist doch nicht. Deshalb umweht Headhunter oft ein geheimnisvoller Hauch. Wie funktioniert das eigentlich, kann ich selbst auf mich aufmerksam machen? Da ich immer wieder zu diesem Thema gefragt werden, heute einige grundlegende Informationen zu Headhuntern - für Medienprofis, die damit bisher noch keine Erfahrung haben.

Aktiv für zahlende Auftraggeber

Headhunter sind selbstständige Personalberater oder -vermittler, die für ein Unternehmen nach passenden Bewerbern für eine offene Stelle suchen. Dafür werden sie bezahlt, fast immer mit einer Provision im fünfstelligen Bereich. Es handelt sich für ein Unternehmen also um ein relativ teures Verfahren und wird daher nur genutzt, wenn sich über eine reguläre Stellenausschreibung wahrscheinlich zu wenige geeignete Bewerber finden würden. In manchen Fällen ist der Grund auch delikater: Die Stelle ist aktuell besetzt, und der aktuelle Stelleninhaber soll verabschiedet werden, wenn ein Nachfolger gefunden ist.

Headhunter werden fast nur genutzt, wenn Fach- und Führungspositionen zu besetzen sind, etwa ein neuer Chefredakteur, Geschäftsführer, Head of Corporate Communications, Digital- oder Marketing-Spezialist gesucht wird. Redakteurs- und Reporterstellen sind über diesen Weg kaum zu finden, Team- und Ressortleiter-Positionen in gewissen Fällen - etwa für sehr spezielle Themengebiete oder im B2B-Bereich. Umgekehrt kann es für Sie, wenn Sie in einem dieser Bereiche suchen, sinnvoll sein, sich aus eigener Initiative an einen Headhunter zu wenden. Über Google finden Sie mögliche Ansprechpartner in Ihrer Region, wenn Ihnen kein Name geläufig ist. Eine Initiativbewerbung ist durchaus möglich: Senden Sie Ihren Lebenslauf und für welche Art Angebote Sie grundsätzlich offen wäre. Vergessen Sie nur nicht, dass der Headhunter nicht selbst, sondern für seinen Auftraggeber sucht.

In Datenbank aufnehmen lassen

Zwar muss der Headhunter vorrangig Bewerber für seine aktuellen, zahlenden Kunden finden, prüfen und deren Bewerbungsunterlagen weiterleiten. Gleichzeitig ist er auch daran interessiert, seine eigene Kontakte-Datei aufzubauen, um bei späteren Aufträgen möglichst schnell interessante Kandidaten vorschlagen zu können. Das erleichtert ihm die Suche über die Anzeigen, LinkedIn und persönliche Kontakte hinaus. Wenn Sie nicht bereits eine prominente Branchengröße sind, sollten Sie selbst aktiv werden - nicht warten, bis Sie eventuell gefunden werden. Abonnieren Sie, wenn vorhanden, den Newsletter des Headhunters bzw. schauen Sie regelmäßig auf die Stellenangebote auf seiner Webseite.

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Prüfen Sie, ob Ihr Lebenslauf aktuell ist und den heutigen Standards entspricht. Wichtig ist vor allem, dass Sie bei Ihren letzten Stationen (ca. zehn Jahre rückwirkend) nicht nur den Arbeitgeber und Job-Titel nennen, sondern Arbeitsinhalte und Ergebnisse möglichst konkret beschreiben. Zahlen sind immer günstig, so weit Ihnen das möglich ist: Wie groß Ihr Team war, wenn Sie eines geführt haben, Auflage, Nutzerzahlen oder Traffic, Umsatz oder Budget - und sich das in Ihrer Zeit entwickelt hat. Das hilft einem Headhunter, Ihr Profil besser zu verstehen. Sehr schnell passiert es dann, dass er Ihnen von selbst beginnt, eventuell passende Angebote zu senden. Wenn Sie zustimmen, leitet er Sie als eine (von immer mehreren) Optionen an seinen Kunden weiter, der dann entscheidet, ob Sie zu einem ersten Gespräch eingeladen werden sollen. Das führt oft noch der Headhunter selbst.

Füllen Sie Ihr LinkedIn-Profil auf die gleiche Weise wie Ihren Lebenslauf aus. Zum einen können Headhunter Sie dann anhand ihrer Suchbegriffe leichter finden, wenn Sie sich bisher noch nicht kennen. Einige Headhunter und Unternehmen ermöglichen es zudem, dass Sie sich direkt via LinkedIn auf eine Stelle bewerben bzw. Ihr LinkedIn-Konto für die Anmeldung auf der Bewerber-Webseite nutzen. Damit können Ihre Angaben direkt übernommen werden, und Sie sparen sich das Ausfüllen der Formularfelder zumindest teilweise.

Sehen Sie die Beziehung zu einem Headhunter nicht als einmaligen Kontakt, der endet, wenn Sie die gewünschte Stelle nicht bekommen. Er braucht fortlaufend geeignete Kandidaten für neue Positionen, die besetzt werden müssen. Sie werden sich in Ihrer beruflichen Laufbahn immer wieder einmal verändern wollen oder müssen. Es ist daher im beiderseitigen Interesse, wenn Sie locker, aber vertrauensvoll und diskret verbunden bleiben. Melden Sie sich ein- bis zweimal im Jahr per E-Mail, um Ihr fortgesetztes Interesse zu bekunden, entweder allgemein oder auf eine gerade ausgeschriebene Stelle bezogen. All das erhöht Ihre Chance, dass auf einmal der erfreuliche Anruf mit einem Angebot kommt.

Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis aus Journalismus, PR und Unternehmenskommunikation als Coach. Schwerpunkt: Berufliche und persönliche Neuorientierung. Im April 2020 erschien sein Buch: "Ich mach da nicht mehr mit" (Gräfe und Unzer). Mehr als 20 Jahre hat er selbst als Journalist gearbeitet, u.a. bei der "Freien Presse" in Chemnitz, "Bild" und "Blick". Für einen Schweizer Industriekonzern baute er die globale Marketingkommunikation mit auf. Er hat Betriebswirtschaft und Webentwicklung studiert.

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