Trumps Grande Finale - zwischen Sexshop und Krematorium

09.11.2020
 
 

Endet die Ära Trump auf einem Parkplatz? Gastautor Jochen Kalka über eine Pressekonferenz im Four Seasons, das kein Hotel, sondern ein Baumarkt war.

Vorwarnung: Dieser Text ist keine Parodie, sondern zeigt einen Abgang der Trump-Truppe, wie man ihn sich in keiner US-Serie wie Veep besser vorstellen könnte. Es geht hier auch nicht um eine der unzähligen Lügen-Shows, die Trump all die Jahre inszeniert hatte, sondern um einen geplanten PR-Coup, der, sagen wir, aus seiner Sicht nicht optimal lief.

Auch wenn Trump mit PR-Coups, die nicht optimal liefen, Erfahrungen hatte, so brutal war es selten. Und das zum Finale.

An den Stil, zu einer Pressekonferenz per Twitter von Präsidenten Donald Trump eingeladen zu werden, mögen sich die amerikanischen Journalisten längst gewöhnt haben. Verstehen muss man das nicht. Am Samstagmorgen um 11.30 Uhr wollten sich Trumps Anwälte im "Four Seasons Hotel" in Philadelphia, Pennsylvania, zu den eingereichten Klagen melden. Verlieren ist für Trump keine Option.

Kurz danach folgte eine Korrektur von Trump, das heißt, der alte Tweet war plötzlich weg, ein neuer erschien - und das ist kein Witz: "Big press conference today in Philadelphia at Four Seasons Total Landscaping - 11.30am!" Nicht im Nobelhotel also sollte die PR-Veranstaltung stattfinden, sondern, aufgepasst, in einem Baumarkt neben der lauten Autobahn?

Und hier lohnt sich eine Fahrt mit Google Street View, um ein Gefühl für diese Gegend zu erhalten, in der jener legendär werdende PR-Coup stattfand: Das Four Seasons Total Landscaping, ein heruntergekommener Gartenbaumarkt. Direkt daneben das Fantasy Island Adult Book, von Kunden gut bewertet, da es hier auf engstem Raum brauchbares Sexspielzeug geben würde. Gegenüber Philadelphia Crematories, drum herum lauter Schrott- und drittklassige Autohändler, um die Ecke das Entsorgungsunternehmen Revolution Recovery.

Also eine Location, die für jeden PR-Profi ein Traum sein muss, klar, ein Albtraum. Und hier lässt Trump seinen Anwalt Rudy Giuliani vor der Presse sprechen? Ja, das ist Realität, so wie Trump vier lange Jahre Realität war. Vor einer traurigen Garage wurde eine Trump-Plakatwand aufgestellt, einiges Gartenmaterial musste noch beseitigt werden, Schläuche und Kabel lagen während dieses wichtigen PR-Termins noch sichtbar herum. Und hier, in dieser glaubwürdigen Umgebung, bemühte sich Giuliani, wichtige Zeugen des Wahlbetrugs zu Wort kommen zu lassen.

Hier wurden dann Menschen geradezu vorgeführt, bemitleidenswerte Gestalten, die an der Wahlaufsicht bemängelten, dass sie keine Fotos machen durften und dass sie nichts beim Auszählen der Stimmen erkennen konnten, weil sie so weit weg stehen mussten. Keine handfesten Beweise, kein Nichts. Auch nicht von Trump-Anwalt Giuliani. Auch das ein PR-Trauma.

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Die Häme blieb im Netz nicht aus: Eine Einladung des Präsidenten zwischen einem Krematorium und einem Dildoshop, hieß es da, von Verwechslungskomödie war die Rede, es sei dort viel günstiger gewesen als man es vom Four Seasons gewohnt sei, Ära Trump endet auf dem Parkplatz eines traurigen Gartenmarkts? Es sei die beste Location für jegliche Pressekonferenz, kein anderer Präsident hatte je die Idee für diese Location.

Das Four Seasons stellte klar, dass es mit jenem Four Seasons Total Landscaping nichts zu tun habe.

Während dieser Veranstaltung brachen etliche Journalisten schlagartig auf. Denn zeitgleich wurde der neue Präsident der Vereinigten Staaten verkündet.

Ein Gast-Kommentar von Jochen Kalka, Mitglied der Geschäftsleitung bei schoesslers und langjähriger w&v-Chefredakteur.

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