Neues Geschäftsmodell für Medienunternehmen? Spiegel nennt Zahlen zum PUR-Abo

12.11.2020
 

"Wie unser PUR-Angebot für werbefreies Lesen ankommt": Das Nachrichtenmagazin Spiegel um Produktentwicklungschef Stefan Ottlitz verrät, wieviele Nutzer sich seit Februar für das neuartige Abo entschieden haben - und warum sich dort eine neue Erlösquelle für Medienunternehmen auftut.

Wie stark stört Werbung im Internet wirklich? Wird sie von Lesern als eine Art Gegenwert akzeptiert, damit sich journalistische Nachrichtenangebote finanzieren können? Dieser Frage geht der Spiegel um Produktentwicklungschef Stefan Ottlitz seit Februar in einer Art Live-Test nach. Leser müssen sich seitdem entscheiden, ob sie spiegel.de lieber wie gewohnt mit Werbung und Anzeigentracking nutzen wollen oder ob sie stattdessen 4,99 Euro im Monat bezahlen, respektive 1,99 Euro für Abonnenten (kress.de berichtete).

Nun verrät der Spiegel nach einem Dreivierteljahr Zahlen. "Diese legen nahe, dass hier nicht nur eine neue Lösung entstanden ist, um wirtschaftlich und datenschützerisch transparent Leser*innen eine Wahl zu geben, sondern auch ein neues Geschäftsmodell für Medienunternehmen", heißt es auf der Produktentwicklerseite des Nachrichtenmagazins.

Von den mehr als 20 Millionen Unique Usern, die monatlich spiegel.de ansteuerten, hätten sich rund 17.200 für ein PUR-Abo entschieden und lesen derzeit werbefrei. 17.200 versus 20 Millionen, das sei auf den ersten Blick ein geringer Bruchteil - in der Medienbranche dürfte dies als Bestätigung aufgefasst werden, dass Werbung und Werbe-Tracking bei unserem Publikum weithin gebilligte Finanzierungsmodelle sind, betont man beim Spiegel.

Weitere Erkenntnisse: Im Tagesschnitt steuern in der Regel mehr als 4 Millionen Leser spiegel.de an. "Je nach Perspektive haben in einer Überschlagsrechnung also weniger als ein Promille unserer monatlichen respektive etwas mehr als vier Promille unserer täglichen Leser*innen PUR gebucht. Hochgerechnet zahlen diese aber für das PUR-Abo auf Jahressicht gut eine halbe Million Euro - was aktuell in etwa einem Prozent unserer Online-Werbeumsätze entspricht", heißt es.

3032 haben PUR auf der Webseite für 4,99 Euro gekauft, 3508 in den Apps (dort Revshare für Apple und Google).10.704 haben PUR in Kombination mit einem Spiegel+-Abo für 1,99 Euro gekauft.

Das Fazit der Spiegel-Produktentwickler: "Aus wirtschaftlicher Sicht sehen wir damit, dass sich neben dem anhaltenden starken Wachstum unseres Abos Spiegel + und dem klassischen, unter Druck geratenen digitalen Werbemarkt hier eine neue Erlösquelle auftut, die mögliche Anzeigenverluste auszugleichen hilft. Angesichts der Folgen der Corona-Krise und der Risiken der Post-Cookie-Werbewelt ist es hilfreich zu wissen, dass sich neben gewöhnlichen Abo-Modellen für Inhalte auch erweiterte Angebote für Features wie Werbefreiheit etablieren können."

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