Tanit Koch und RTL: Warum kam es zur Trennung?

24.11.2020
 

Der Abgang von Tanit Koch, Geschäftsführerin und Chefredakteurin in der Mediengruppe RTL, überrascht viele - auch bei RTL. In Medienberichten wird Kochs Führungsstil als ein Grund für die Trennung genannt. Für Kai-Hinrich Renner ergibt das keinen Sinn. Schließlich sei Tanit Koch von RTL eine neue Aufgabe angeboten worden.

Tanit Koch habe sich aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die künftige Struktur und den weiteren Weg - aber in bestem Einvernehmen - dazu entschieden, das Unternehmen zu verlassen, hieß es am Montagmittag in einer Stellungnahme von RTL.

Für Medienjournalist Kai-Hinrich Renner klingt das nicht vorgeschoben. Renner schreibt in der Berliner Zeitung: Die Ex-Bild-Chefredakteurin Tanit Koch habe RTL verlassen, weil sie offenbar ihre Pläne für eine Zentralredaktion der Senderfamilie nur sehr bedingt umsetzen durfte.

Kochs Auftrag bei der Mediengruppe RTL ist es gewesen, die unterschiedlichen journalistischen Redaktionen der Gruppe in einer crossmedialen Zentralredaktion zusammenzufassen. Das Ergebnis ist die neue RTL News GmbH, die das Unternehmen am Montag vorstellte. "Doch wahr ist auch, dass unterhalb der GmbH vier Abteilungen arbeiten werden, die es, obwohl derzeit noch unterschiedlichen RTL-Töchtern zugeordnet, mehr oder weniger bisher schon gab", hebt Renner hervor. Eine der Töchter beschäftigt sich mit TV-Nachrichten, eine andere mit TV-Magazinen. Dann gibt es noch eine für den Nachrichtenkanal n-tv sowie eine namens "Verticals", die für digitale Angebote wie RTL.de, sport.de oder VIP.de verantwortlich ist. "Dass dieses Vier-Säulen-Modell nicht nach dem Geschmack Kochs sein kann, liegt auf der Hand", so Renner. Denn jede dieser Abteilungen hat eine eigene Chefredakteurin oder einen eigenen Chefredakteur. "Der wichtigste Posten, der der Chefredakteurin der Zentralredaktion, für den Koch vorgesehen war, wird dagegen unbesetzt bleiben."

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Das Hamburger Abendblatt hatte berichtet, Koch müsse wohl auch wegen ihres vermeintlich umstrittenen Führungsstils gehen. Sie habe es abgeblich "an Teamfähigkeit und Sensibilität im Umgang mit langjährigen Mitarbeitern und Führungskräften sowie intern an Kommunikationskultur missen lassen".

Im Handelsblatt ordnen an diesem Dienstag Catrin Bialek und Hans-Peter Siebenhaar unter Verweis auf einen RTL-Insider ein: Tanit Koch sei in der Fernsehwelt nie richtig angekommen. Sie sei mit der Steuerung des 700 Journalisten großen Informations- und Dokumentationsbereichs überfordert gewesen. An ihrer journalistischen Kompetenz habe niemand gezweifelt, wohl aber an ihren Managementfähigkeiten.

Koch habe sich in der Belegschaft nicht verankert, will das Handelsblatt erfahren haben. Springer und Bertelsmann seien doch zwei Welten, die nicht unbedingt zusammenpassten.

Kai-Hinrich Renner findet diese Einordnungen erstaunlich. Das mit dem unstrittenen Führungsstill von Koch sei sogar gezielt lanciert worden, so Renner, der als Quelle das RTL-Umfeld nennt. "Interessierte Kreise im Topmanagement der Gruppe hätten so ein Narrativ vorgeben wollen, das man so - schon aus juristischen Gründen - nie und nimmer in eine Pressemitteilung hätte schreiben können."

Was für Renner gegen die Gerüchte um Kochs Führungsqualitäten spricht, sei die Tatsache, dass die RTL-Gruppe Koch eine neue Aufgabe angeboten habe. Dies habe eine Sendersprecherin bestätigt.

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