So gut geht es den Zeitungen trotz Corona

 

Während des ersten Corona-Lockdowns sahen die Prognosen für die Zeitungsbranche düster aus. Heute zeigt sich, vieles davon war übertrieben. Laut sagen möchte das in den Zeitungshäusern aber niemand, denn bei den Mitarbeitern wäre das Verständnis für die harten Sparmaßnahmen dann wohl schnell aufgebraucht. Zur neuen kress pro-Kolumne von Markus Wiegand.

Wie schlecht geht es den Zeitungen wegen Corona?

Deutlich besser, als viele glauben. In der ersten Phase der Pandemie im März und April fürchteten Pessimisten schon, dass schon bald Insolvenzen oder Notverkäufe die Branche erschüttern würden. Dass das eine viel zu düstere Einschätzung war, zeigt eine einfache Rechnung: Regionaltitel finanzieren sich im Schnitt nur noch zu etwa einem Drittel aus Vermarktungserlösen. Wenn diese Umsätze Pandemie-bedingt im laufenden Jahr um 15 bis 20 Prozent schrumpfen, fehlt in der Gesamtrechnung nur ein tiefer einstelliger Prozentsatz. Das ist verkraftbar.

Anders sieht es im Geschäft mit Anzeigenblättern und Events aus. Da waren die Umsatzeinbrüche viel drastischer. Aber auch damit konnten viele Verlage umgehen und haben kräftig gespart. In zwei großen Zeitungshäusern berichten Insider gar, man rechne am Jahresende mit einem Ergebnis, das sich trotz des zweiten Shutdowns "etwa auf Vorjahr" bewege. Laut sagen möchte das allerdings niemand, denn in der Belegschaft wäre das Verständnis für die zum Teil harten Sparmaßnahmen dann wohl schnell aufgebraucht.

Die Verlage haben im Coronajahr aber nicht nur beim Personal gespart. Beispiel Anzeigenblätter: In vielen Regionen erschienen die Gratistitel vor Corona zweimal die Woche, obwohl sich das Anzeigenvolumen dafür nicht selten am unteren Rand bewegte.

Den Titel zur Wochenmitte hielten viele vor allem im Markt, um die Anzeigenkundschaft aus dem Handel nicht zu vergraulen. Jetzt in Coronazeiten wurden viele davon eingestellt. Viele Verlage werden diese Anzeigenblätter, die zur Wochenmitte erschienen, wohl auch nicht wieder aufleben lassen. Künftig reicht ein Wochentitel, das spart bei großen Häusern Millionen ein. Wenn die Vermarktungserlöse bleiben, sorgt das langfristig für ein deutlich besseres Ergebnis, berichten Quellen in Regionalhäusern.

Insgesamt scheint die Zeitungsbranche mit einem blauen Auge durch die Krise zu kommen. "Wir haben Jahrzehnte gut verdient", sagte ein Verleger. "Da wirft uns ein schlechtes Jahr nicht um." Das allerdings gilt nur da, wo die Eigentümer das Geld in der Firma gelassen haben. Überall dort, wo Mitglieder zersplitterter Verlegerfamilien ihre Ausschüttungen erwarten, sehe es anders aus, mahnt ein Familienunternehmer.

Der Beitrag ist in der aktuellen Kolumne von Markus Wiegand in kress pro erschienen. In "Aus unseren Kreisen" widmet sich der kress pro-Chefredakteur auch diesen Fragen: Wer hat das neue Testmagazin von Funke erfunden? Wieso verschuldet sich Dieter von Holtzbrinck in Schweden? Wer hat bei Burda die Hosen an? Was zahlt Google an die Verlage?

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