Als Medienprofi vorausplanen: Wie soll Ihr 2021 werden?

 

2020 war für die meisten Medienprofis lehrreich, anstrengend und schwierig, für einige aber auch gar nicht so schlecht, wie sie befürchtet hatten. Wie soll es weitergehen? Mediencoach Attila Albert mit fünf Überlegungen, damit das nächste Jahr angenehmer und leichter wird.

Wie war eigentlich Ihr 2020? Bei der Diskussion um die Corona-Maßnahmen sind wir inzwischen schon bei den nächsten Winterferien. Da liegt die Frage nahe: Wie ist Ihre persönliche Jahresbilanz und was haben Sie 2021 vor? "Erst einmal durchatmen und an etwas anderes denken", werden Sie vielleicht denken. "Ein richtiger Urlaub wäre auch ganz schön." Tatsächlich war es für die meisten Medienprofis ein Auf und Ab: Online-Rekorde, aber teilweise hohe Print-Verluste, mehr Arbeit bei Kurzarbeit im Team. Ein ewiges Hoffen, dass es bald wieder normal würde, aber der Ausnahmezustand ging immer weiter.

Wenn ich Coaching-Klienten in diesen Wochen nach ihrer Jahresbilanz frage, fallen die Antworten erstaunlich unterschiedlich aus. Besonders häufig: Lehrreich, anstrengend, schwierig, gar nicht so schlecht. Für manche war die Coronakrise ein schwerer Schlag, etwa wegen des Verlustes ihres Arbeitsplatzes, Einkommensverlusten oder mehr Stress mit Partner und Familie. Für andere sogar günstig, weil sie durch das Homeoffice schwierigen Vorgesetzten oder unangenehmen Newsrooms weitgehend entkommen konnten. Manche haben den beruflichen Wechsel gewagt haben, den sie ewig aufgeschoben hatten.

Die Versuchung ist groß, sich müde und erschöpft in die - nun verlängerten - Feiertage im nächsten Monat retten zu wollen. Endlich einmal ein anderes Thema! Doch es lohnt sich, auch ein wenig an die Zukunft zu denken, um sie im eigenen Sinne gestalten zu können und die Entscheidungen nicht vollständig anderen (z. B. Politik, Arbeitgeber, Sachzwänge) zu überlassen. Dazu fünf Überlegungen, damit 2021 angenehmer und leichter wird.

Was haben Sie 2020 über sich gelernt?

Für die meisten war das Jahr belastend, wenn auch auf auf ganz unterschiedliche Weise. Bei einigen wurde das Geld knapp, andere fühlten sich nervlich überlastet (z. B. wegen Streit mit Partner, fehlendem Urlaub). Bei all dem haben Sie mehr über Ihre Schwächen und Stärken gelernt, über Ihre Wünsche und Werte. Überlegen Sie daher in einem ruhigen Moment einmal, was Ihnen 2020 über sich selbst klar geworden ist. Häufiges Beispiel: Sie haben in der Krise erfahren, wie gut und belastbar Ihre Beziehung wirklich ist.

Was wollen Sie zukünftig anders haben?

Denken Sie danach darüber nach, was im neuen Jahr anders als früher laufen soll. Die besonderen Umstände haben vieles ermöglicht, was vorher als unmöglich galt (z. B. dezentrale Produktion statt Newsroom, Videokonferenz statt Meeting, Unterricht zu Hause). Welche Veränderungen wollen Sie beibehalten oder noch erreichen? Das wird nicht von selbst geschehen, aber mit dieser Klarheit entscheiden und verhandeln Sie besser. Häufiges Beispiel: Dauerhaftes Homeoffice, dann eventuell sogar Umzug an einen neuen Wohnort.

Tipp: Sie suchen einen neuen Job? Besuchen Sie unser Angebot kress Jobs mit allen Anzeigen aus der Branche. Sie können auch Jobanzeigen aufgeben.

Was hat sich bewährt und soll zurückkehren?

Gleichzeitig werden Sie sich an Dinge aus normalen Zeiten erinnern, die sich für Sie bewährt hatten und zurückkehren sollen, so bald es wieder möglich ist. Auch hier wird es mancher aktiver Entscheidung bedürfen, um das zu erreichen. Denn gerade die Arbeitgeber nutzen die Krise oft, um grundsätzliche Änderungen durchzusetzen. Häufiges Beispiel: Sie bevorzugen den persönlichen Austausch mit Kollegen und wollen nicht nur über Video sprechen, sich damit nicht für immer sämtliche Dienstreisen streichen lassen.

Was können Sie beeinflussen, was nicht?

Manches lässt sich, da muss man ehrlich sein, nicht beeinflussen. Konzentrieren Sie sich deshalb vor allem darauf, veränderbare Punkte in Ihrem beruflichen und privaten Leben zu identifizieren und anzugehen (anstatt sich über diejenigen zu ärgern, die Sie nicht ändern können). Das gibt Ihnen auch in diesen anstrengenden Zeiten die notwendige innere Kraft und verschafft Ihnen Selbstbestimmung. Häufiges Beispiel: Sie müssen aktuell mit Ihrem Arbeitgeber und dessen Entscheidungen leben, könnten sich aber aktiver bewerben.

Welche kleinen Schritte können Sie angehen?

Das bald abgelaufene Jahr hat gut illustriert, dass man sich immer auf "später" vertagen kann, dann aber nie ein wirklich perfekter Moment kommt. Entscheiden Sie sich deshalb für einige Schritte, die Sie jetzt - unter den aktuellen Umständen praktisch angehen wollen und können (1-3 genügen vollkommen). Häufiges Beispiel: Lebenslauf, LinkedIn-Profil und Standard-Bewerbungsschreiben aktualisieren bzw. überhaupt erst erstellen - oder eine Geschäftsidee aufschreiben, grob durchrechnen und einen Partner dafür anfragen.

Die Krise als Chance zu sehen - das klingt immer ein bisschen wie eine Verhöhnung, als würde man all die Probleme nicht sehen oder ernst nehmen. Wer sich gerade mitten im organisatorischen, finanziellen oder nervlichen Ausnahmezustand befindet, hat oft kaum einen Gedanken dafür, sich praktisch mit der Zukunft zu beschäftigen. Die gute Nachricht ist: Schon Kleinigkeiten helfen Ihnen hier, weil sie Ihren Blick auf positive, gestaltbare Punkte lenken. Die Coronakrise wird sich, soweit es derzeit erkennbar ist, weit ins nächste Jahr ziehen. Sie können dann aber schon ein weitgehend anderes Leben als bisher haben.

Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis aus Journalismus, PR und Unternehmenskommunikation als Coach. Schwerpunkt: Berufliche und persönliche Neuorientierung. Im April 2020 erschien sein Buch: "Ich mach da nicht mehr mit" (Gräfe und Unzer). Mehr als 20 Jahre hat er selbst als Journalist gearbeitet, u.a. bei der "Freien Presse" in Chemnitz, "Bild" und "Blick". Für einen Schweizer Industriekonzern baute er die globale Marketingkommunikation mit auf. Er hat Betriebswirtschaft und Webentwicklung studiert.

Sind Sie zufrieden mit ihrem Arbeitgeber?

Wir recherchieren Woche für Woche alle Jobangebote aus der Branche und machen daraus einen Newsletter. Ein Blick auf Ihren Marktwert lohnt sich immer. Vielleicht stimmt ja der Job, nicht aber das Geld.

Sie stellen ein? Hier können Sie Ihre Stellenanzeige aufgeben.

Sie möchten Konstruktives über die Medien und Corona, exklusive Storys und aktuelle Personalien lesen? Dann bestellen Sie bitte unseren kostenlosen kressexpress. Jetzt für den täglichen Newsletter anmelden.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.