Schweizer Medien schlagen Alarm: Google wird unser aller Chefredakteur!

27.11.2020
 

Der Verlegerverband der Medienunternehmer aus der Schweiz heizt mit deutlichen Worten eine Debatte um die Dominanz von Google an. Der Tech-Gigant setze mit dem Projekt Google News Showcase die Medienbranche weiter unter Druck. Doch das Bewusstsein der Verleger wachse.

"Google spielt sich jetzt auch noch als Chefredaktor des WWW auf", schreibt Andreas Häuptli, Geschäftsführer des Verlegerverbands Schweizer Medien. Häuptli spielt damit auf das neue Projekt Google News Showcase an. Mithilfe dieser Funktion können die teilnehmenden Verlage und Webpublisher ihr Fachwissen und ihre redaktionelle Sichtweise durch ein verbessertes Storytelling teilen, heißt es bei Google.

Für Häuptli ist das nur die halbe Wahrheit: "Der Tech-Gigant entscheidet mit welchen Medienhäusern zusammengearbeitet wird und damit auch, wer für seine Inhalte Geld erhält. Google gibt damit seine Neutralität auf." Mit der "Charme-Offensive" setze Google jetzt ein "hartes Powerplay" auf, das darauf ausgerichtet sei, sei die Medienwelt zu spalten und den Widerstand gegen das in der EU beschlossene, aber bisher - aufgrund des Widerstands von Google - noch kaum umgesetzte Leistungsschutzrecht, zu brechen, betont der Chef des Verlegerverbands Schweizer Medien. 

Es gebe aber auch positive Zeichen: "Das Bewusstsein bei den Verlegern wächst. Früher hat man sich geehrt gefühlt, wenn man von Google für ein eingereichtes Projekt über die DNI eine Unterstützung erhalten hat. Letzthin hat sich ein Verleger auf meine Frage nach einem von Google mitfinanzierten Projekt schon fast dafür entschuldigt, Geld angenommen zu haben."

Kritisch sieht Häuptli auch die Ankündigung von Google Third-Party-Cookies - die für die Medienunternehmen äußerst wichtig seien für die Werbesteuerung - im Chrome-Browser ab spätestens 2022 zu unterdrücken.

Hintergrund: Die Branchenorganisation der privaten schweizerischen Medienunternehmen vereinigt über 100 Medienunternehmen, die zusammen rund 300 Publikationen herausgeben und zahlreiche digitale Newsplattformen sowie über 20 Radio- und TV-Sender betreiben.

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