Mathias Döpfner kritisiert Jens Spahn - und freut sich über eine Aussage von Elon Musk

07.12.2020
 

Mathias Döpfner bescheinigt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Corona-Zeiten hervorragende Arbeit. Doch bei der Zusammenarbeit des Bundes mit Google kriegt Döpfner Kopfschmerzen. Der BDZV-Präsident spricht in der FAZ sogar von einem "Tabubruch". Auch mit Elon Musk hat sich Döpfner ausgetauscht - über die Sprache und das Schreiben. 

Die Bundesregierung verlasse sich auf Google. Gesundheitsminister Jens Spahn habe Google ersucht, Informationen der Regierung zur Corona-Pandemie zu priorisieren. "Siehe da: Die Ergebnisseite von Google zu Begriffen wie "Corona" oder "Covid 19" sieht aus wie eine Broschüre aus Berlin, inklusive eines redaktionell gestalteten Angebots namens gesund.bund.de", erklärt Mathias Döpfner in seiner Funktion als Präsidend des Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger im Interview mit Michael Hanfeld in der FAZ.

Für Döpfner zeigt die Zusammenarbeit des Bundes mit Google einen "eklatanten Mangel an Verständnis für die Bedeutung und die Fragilität des privaten Mediensektors".

Und dann kommt Döpfner in der FAZ auf Jens Spahn zu sprechen: "Der Bundesgesundheitsminister hat in diesen Tagen andere Prioritäten und macht hervorragende Arbeit. Deshalb mag man ihm diesen Irrtum nachsehen. Aber der Irrtum ist systemisch, weil er ganz klar zeigt, wie mit einem Federstrich jeder kritische Umgang mit Informationen der Regierung ausgeschaltet wird."

Hier sehe man, so Döpfner weiter, wie aus der Suchmaschine Google mit ihrem Marktanteil im mobilen Bereich von 91 Prozent weltweit, in Deutschland seien es sogar 98 Prozent, eine Antwortmaschine geworden sei1. Befördert vom Staat selbst. Das sei ein ordnungspolitischer Tabubruch.

Hintergrund: Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte die Vereinbarungen mit dem US-Internetkonzern im vergangenen Monat präsentiert. Spahn sagte damals: "Wenn wir ein Interesse daran haben, objektive, fundierte, evidenzbasierte Informationen rüberzubringen, dann bringt es mir nichts, wenn wir bei Google an Stelle 783 000 auftauchen." Es sei nun einmal Tatsache, dass die große Mehrheit der Deutschen jeden Tag Google nutze.

Viele Medienhäuser haben eigene Print- und Onlinepublikationen zu Gesundheitsthemen. Durch die Zusammenarbeit von Bund und Google fürchten sie Nachteile. VDZ-Vizepräsident Philipp Welte spricht von einem schweren Schlag.

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Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner war am Wochenende auch an einem anderen populären Medien-Interview beteiligt: Er sprach für die Welt am Sonntag mit Elon Musk, dem Gründer von SpaceX und Tesla, der jüngst mit dem Axel Springer Award ausgezeichnet wurde.

Döpfner fragt Musk in dem XXL-Gespräch, was die wichtigste Erfindung der Menschheit sei. Der Visonär antwortet: "Sprache. Wir müssen kommunizieren können".

Die Aussage "überrascht" Döpfner. Und freut ihn "als Journalist" enorm.

Für Musk hat Schreiben einen großartigen Effekt, es sei ein bisschen wie bei einer Festplatte: Wissen und Information könnten unabhängig von der Person weiter bestehen. Durch mündliche Überlieferung sei das nur sehr schwer zu erreichen.

Döpfner bekräftigt: "Nur Schreiben macht Wissen und Information übertrag- und überlieferbar. Der dritte Schritt ist der Druck, Gutenberg, die Veröffentlichung. Wissen wird öffentlich zugänglich gemacht, was gleichbedeutend mit einer enormen Demokratisierung von Wissen ist. Der vierte große Schritt, so könnte man sagen, ist die Digitalisierung, die den Wissens- und Informationsfluss beschleunigt und global zugänglich macht."

In dem Welt-am-Sonntag-Interview beschreibt Elon Musk weltweite digitale Kommunikation so, als ob die Menschheit ein globales Nervensystem ausbilden würde: "Früher wurde nur von einer Person zur anderen kommuniziert, noch heute finden Telefongespräche meist zwischen nur zwei Personen statt; die Post agierte wie eine Person, die einen Brief direkt zu einer anderen adressierten Person transportierte und ihr aushändigte. Heute haben wir mit dem Internet sofortigen Zugang zum gesamten Wissen weltweit."

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