Wie bitter Editorial Director Manuel Lorenz das Ende des Springer-Portals Noizz.de betrauert

 

Kein gutes Jahr für die digitalen Jugendangebote der großen Verlage: Nun zieht auch Springer bei Noizz.de den Stecker - nach knapp vier Jahren. Editorial Director Manuel Lorenz zeigt sich von der Einstellung überrascht.

Auf dem Markt der jungen Digitalportale gab es zuletzt viel Unruhe: Der Zeit-Verlag gab im Frühsommer bekannt, sein zuvor eigenständiges Jugendportal ze.tt zu kassieren und als Ressort bei Zeit Online einzugliedern. Im Herbst stellte der Spiegel-Verlag das Angebot Bento ein und ersetzte es durch Spiegel Start. BuzzFeed Deutschland kam im Frühjahr in Schwierigkeiten und wurde von Ippen Digital aufgekauft.

Nun machte Springer es offiziell: Das hauseigene Angebot Noizz.de, ein Ableger von Bild.de, wird als eigenständige Marke aufgegeben. Die Leser werden für die Zukunft auf Bild.de, aber auch auf andere Springer-Digitalangebote wie Stylbook oder Travelbook verwiesen. Gründe für die Einstellung liegen in der unbefriedigenden Erlössituation auf einem umkämpften digitalen Werbemarkt.

"Die Marke Noizz hat in Deutschland Dank des großartigen Engagements des Noizz-Teams um Editorial Director Manuel Lorenz viele junge Leserinnen und Leser seit fast vier Jahren mit einem einzigartigen Themenangebot begeistert", heißt es im offiziellen Statement zur Einstellung durch Springer. "Trotz dieses publizistischen Erfolgs haben wir uns bei Bild entschieden, junge Zielgruppen noch stärker direkt an die Marke Bild zu binden und uns bei den Content-Verticals auf die Weiterentwicklung der erfolgreichen Books-Familie zu fokussieren", so Springer.

"Leider hat es Noizz.de zuletzt auch an einer guten wirtschaftlichen Perspektive gefehlt. Daher wird das deutschsprachige Angebot von Noizz zum 30. Dezember 2020 eingestellt", heißt es zum Schluss.

In einem Rückblick auf die Arbeit bei Noizz.de bedauert Manuel Lorenz, der für die Redaktion mit zwei festangestellten Redaktionsmitgliedern sowie diversen Springer-Volontären und Praktikanten zuständig war, die Einstellung. Lorenz kam selbst 2014 von Fudder.de und der Badischen Zeitung auf den Springer-Posten in Berlin.

"Jeder Tag ein Fest – eine Party. Nicht, weil wir nur feierten, anstatt redlich zu arbeiten. Das hätte gar nicht funktioniert: Dazu war unser Team viel zu klein. Im Gegenteil: Wie das Millennial-Klischee es so will, arbeiteten wir uns den Hintern ab, hauten ein Ding nach dem andern raus, blieben oft viel zu lang im Laden, um Artikel und Videos, die uns besonders am Herzen lagen, ihren Feinschliff zu verpassen", schreibt er nun zum Abschied von seinen Lesern.

"Jeder Tag auch deshalb eine Party, weil die Arbeit uns immer Spaß machte – und auch unbedingt Spaß machen sollte! Ein Imperativ, dem gemeinhin gar nicht so leicht ist, Folge zu leisten", so der Editorial Director. "Gute Laune kann man nicht ver- bzw. vorschreiben – es sei denn, man bemüht gewisse Substanzen. Die brauchten wir dazu aber nicht."

Sein Fazit zum Aus fällt dabei bitter aus: "Wir dachten: Wir werden überleben. Wir haben uns geirrt", schreibt Manuel Lorenz.

Hintergrund: Wie bei Springer bekannt wurde, sind betriebsbedingte Kündigungen der Noizz-Festangestellten nicht geplant. Die Redaktionsmitglieder sollen im Verlag weiter beschäftigt werden.

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