Der beste Mediendeal der letzten Jahre

 

Medienunternehmen stehen immer wieder im Verdacht, Geschäftsideen zu verpassen. Chefredakteur Markus Wiegand nennt in seiner kress pro-Kolumne zwei bekannte Häuser, die früh eine gute Nase hatten - und dafür zuletzt ein dreistelliges Millionen-Sümmchen kassierten.

Wer hat in den letzten Jahren den besten Deal gemacht?

Wenn man sich mit kritischen Geistern unterhält, dann zählen die gerne mal auf, welche Geschäftsideen die Medienbranche so alle verpennt hat. Ganz oben auf der Liste stehen die digitalen Rubrikenmärkte. Anzeigen für Stellen, Autos und Immobilien waren vor dem Internet eine Lizenz zum Gelddrucken. Dann aber wurde das Geschäft digital und viele Medienunternehmen verpassten es, früh auf den Zug aufzuspringen. Die erfolgreichsten europäischen Digitalverlage (Springer, Tamedia aus der Schweiz, Schibsted aus Norwegen) sind heute alle in diesem Geschäft, mussten sich aber teuer einkaufen.

Nur wenige hatten früh eine gute Nase. Zwei davon waren die Rheinische Post Mediengruppe und der Münchner Zeitungsverlag von Verleger Dirk Ippen. Beide waren bis zum Herbst 2019 mit 17,5 Prozent an der Immowelt Group beteiligt.

Dann kaufte Mehrheitseigner Axel Springer (55 Prozent) beide raus. Der Preis für die restlichen 45 Prozent betrug laut der virtuellen Springer-Hauptversammlung in diesem November 357,9 Millionen Euro. Heißt: Die Anteile der Rheinischen Post Mediengruppe und Ippen (je 17,5 Prozent) waren jeweils rund 139,2 Millionen Euro wert.

Abzüglich Steuern und Schnickschnack bleibt da ein hübsches Sümmchen. "Der Verkauf führte zu dem höchsten Veräußerungsgewinn in der Geschichte der Rheinische Post Mediengruppe", notierte man zur Bilanz 2019 im Bundesanzeiger. Die Rheinisch-Bergische Verlagsgesellschaft, wie das Unternehmen dort firmiert, verbuchte 2019 rund 129,5 Millionen Euro als sonstige betriebliche Erträge. Im Bundesanzeiger findet sich auch ein mahnender Hinweis, wie mit dem Geld umgegangen werden soll: "Es wird Aufgabe der Geschäftsführung in den nächsten Jahren sein, den hohen Mittelzufluss aus der Veräußerung der Anteile an der Immowelt Gruppe für den Aufbau neuer ertragreicher Aktivitäten in bestehenden Geschäftsfeldern und in den Erwerb neuer Geschäftsfelder zu verwenden."

Das ist der Job von Johannes Werle, der seit April 2018 Vorsitzender der Geschäftsführung ist und dessen Vertrag gerade um fünf Jahre verlängert wurde.

Auch wenn die Kriegskasse jetzt erst mal gefüllt wurde, ist Werles Job nicht einfach. Ohne Sondereffekte wie die Verkaufserlöse hatte das Unternehmen im Vor-Corona-Jahr eigentlich ein "leicht negatives Konzernergebnis nach Steuern" geplant.

Der Beitrag ist Teil der kress pro-Kolumne Aus unseren Kreisen von Markus Wiegand. Dort befasst sich der kress pro-Chefredakteur auch mit diesen Fragen: Warum schreibt Julia Becker an Angela Merkel? Muss man mit Google doch verhandeln? Kaufen sich Russen in Deutschland ein? Wie hart wird das kommende Jahr? Ist die Bundesliga sauer auf Julian Reichelt?

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