Gabor Steingart: So läuft es bei Media Pioneer wirtschaftlich

11.01.2021
 

"Ist es Mut oder Übermut, bei 50 Mitarbeitern und tiefroten Zahlen jetzt auf 70 Köpfe zu erhöhen?", fragt Peter Turi Gabor Steingart im Interview. Wie der Media-Pioneer-Gründer die Investition begründet, welche Zahlen er nennt und nicht nennt, was für ihn Freiheit ist - und was Steingart an sich selbst kritisiert.

"Ob Sie es glauben oder nicht: Trotz Covid-19 haben wir unsere Auflagen-, Erlös- und Ergebnisziele in 2020 erreicht und teilweise überschritten. Unser Bezahlmodell, das wir im Frühsommer gestartet haben, funktioniert. Das ist die Grundlage für unsere verstärkten Investitionen in 2021", erklärt Gabor Steingart im Interview mit Peter Turi, das zunächst in der gedruckten turi2 edition #13 erschienen ist.

Die von Turi in seiner Frage formulierten "tiefroten Zahlen", seien das, was man in der Betriebswirtschaftslehre "Investition" nenne, weiß Steingart. "Wir investieren in einen neuen, unabhängigen, werbefreien Journalismus und haben für das Erreichen der Gewinnzone einen realistischen Businessplan", betont der Media-Pioneer Gründer. 

Zahlen nennt Steingart zunächst nicht, erst als um seinen Newsletter und den Podcast geht, wird der ehemalige VHB-Geschäftsführer und Handelsblatt-Herausgeber konkreter: "Meinen Newsletter habe ich im Jahr 2010 gestartet, nachdem ich als Washington-Korrespondent des Spiegel erlebt hatte, wie Barack Obama mit diesem einfachen, sehr direkten und maximal persönlichen Instrument eine Massenkommunikation gestartet hatte. [...] Zuweilen erreichen wir mit einem einzigen Briefing eine Million Menschen pro Tag." Das Steingart Morning Briefing sei ein "pre-breakfast-medium", der heimliche Claim laute: "Mehr Tageszeitung braucht kein Mensch". Das sei übertrieben, aber die Rückmeldung, die man von den Leserinnen und Lesern bekommen würde, trommelt Steingart. 

Seinen Morning Briefing Podcast bewirbt er dann als das "perfekte Drive-Time-Medium für mobile Menschen": "Hier erzielen wir derzeit fast 800.000 Streams pro Woche." Beide Produkte legten weiter zu.

Steingart übt sich gegenüber Peter Turi auch in Selbstkritik und geht auf seine Kritiker ein: "Klar überziehe ich auch, immer wieder und immer wieder gern. Ich mag mich nun mal ungern bremsen lassen, auch wenn der Konformitätsdruck zum Teil enorm ist." Und weiter: "Es gibt eine ganze Spezies von Medienmenschen, die wissen ganz genau, was man nicht denken und nicht sagen darf. Die Folgekosten meiner Unbotmäßigkeit trage ich mit Fassung."

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Dann spricht Turi mit Steingart über Freiheit: "Springer hat den größten Gesellschafteranteil bei Ihren jungen Pionieren und bei Springer hat die Heuschrecke KKR das Sagen. Die werden schwarze Zahlen von Ihnen verlangen. Sie haben Ihre Freiheit gegen die Kapitänsmütze auf einem Spreeschipper eingetauscht." Steingart antwortet: "Vorsicht Irrtum: die absolute und relative Mehrheit der Kapitalanteile und damit auch der Sitze im Aufsichtsrat halten der Gründer und sein Management-Team. Und: Ich habe die Freiheit des Privatmannes gegen die Freiheit eines Gründers getauscht; eines Gründers mit professionellen Partnern, mit leidenschaftlicher Mannschaft, mit ehrgeizigen Zielen. Insofern handelt es sich um eine Freiheit mit Verantwortung."

Chefredakteurinnen und Chefredakteuren empfiehlt Steingart, nicht zu Influencern zu werden. Die Werbeindustrie werde immer dreister in ihrem Anspruch, Redaktion und Werbung zu vermischen. "Dem sollten wir Einhalt gebieten. Es dient unserer Glaubwürdigkeit, wenn das Gehalt eines Chefredakteurs nicht zur Hälfte von Daimler, Deutsche Bank, Aldi und Unilever stammt."

Indes hat Gabor Steingart in seinem aktuellen Morning Briefing-Newsletter angekündigt, dass die Wall-Street-Reporterin von ThePioneer, Sophie Schimansky, ab sofort börsentäglich um 17:30 Uhr aus New York über das Treiben an den Finanzmärkten informiert. In Wall Street Daily gehe es ihr darum, das Undurchschaubare transparent und das Komplexe verständlich zu machen. Bislang gab es das Format nur wöchentlich.

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