Exklusiv: Im Printgeschäft von Axel Springer drohen rote Zahlen

 

Axel Springer drückt die letzten unabhängigen Aktionäre aus dem Unternehmen. Dabei wird deutlich: Die Aussichten für das nationale Printgeschäft schätzt der Konzern überraschend pessimistisch ein. kress pro berichtet exklusiv über die brisanten Zahlen.

Wenn sich Vertreter von Axel Springer zu den Aussichten des traditionellen Mediengeschäfts äußern, dann betonen alle stets sehr, dass Springer ein journalistisches Haus ist und es auch bleiben wird.

Der Kern des Geschäfts liegt allerdings inzwischen bei den renditestarken digitalen Rubrikenmärkten, die im Jahr 2019 rund 74 Prozent des Ebitda-Ergebnisses (vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) lieferten. Vor allem deshalb ist Finanzinvestor KKR im vergangenen Jahr bei Springer eingestiegen. In diesem Jahr hat man die Aktie von der Börse genommen und drängt jetzt die letzten freien Anteilseigner hinaus.

Um diese Aktionäre auszuzahlen, haben Wirtschaftsprüfer von EY eine "Gutachterliche Stellungnahme zum Unternehmenswert der Axel Springer SE, Berlin, und zur angemessenen Barabfindung" angefertigt. Darin finden sich Zahlen, die sonst nur selten den Weg in die Öffentlichkeit finden. EY griff für das Gutachten nämlich auf die internen Prognosen für Umsatz und Ergebnis des Konzerns für die verschiedenen Geschäftsbereiche bis 2024 zurück.

Im Zahlenwerk wird deutlich: Axel Springer rechnet insgesamt in den kommenden vier Jahren mit stabilen Erlösen für den Bereich News Media National. Darin sind im Wesentlichen die Aktivitäten der Bild-Gruppe, der Welt-Gruppe und das Zeitschriftengeschäft (mit den Flaggschiffem "Autobild", "Computerbild", "Sportbild") gebündelt. Seit 2020 zählt auch das margenstarke Geschäft des Preisvergleichsportals Idealo dazu sowie die Radiobeteiligungen.

Brisant an den Zahlen, die EY verwendete, ist allerdings, dass das nationale Printgeschäft schon 2023 in die roten Zahlen rutschen könnte. Demnach rechnet Springer mit einem Umsatzrückgang der heimischen Printsparte von 798 Millionen Euro (2019) auf 520 Millionen Euro (2024). Allein in diesem Coronajahr ist ein Minus um 114 Millionen Euro auf 684 Millionen Euro eingeplant.

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Noch brisanter sind die prognostizierten Vorsteuerergebnisse für das nationale Printgeschäft. 2022 plant man noch mit einer schwarzen Null, dann aber drohen rote Zahlen. 2024 erwartet der Konzern demnach sogar ein sattes Minus von 29 Millionen Euro. „Der Rückgang der Vertriebserlöse ist vor allem auf die dem Markttrend folgende, sinkende Nachfrage nach Printprodukten zurückzuführen. Der geplante Anstieg der Vertriebserlöse aus dem digitalen Verlagsangebot kann diesen Rückgang, verglichen mit den historisch generierten Vertriebserlösen, nicht vollständig kompensieren“, heißt es in dem Gutachen. Ab 2022 rechnet Springer mit einer leichten Erholung der Vertriebserlöse.

Im nationalen Digitalgeschäft (in das neu allerdings auch das Preisvergleichsportal Idealo reingerechnet wird) geht Springer dagegen von deutlichen Erlös-Zuwächsen aus: von 413 Millionen Euro (2020) auf 658 Millionen Euro (2024).

Alle Planzahlen des Konzerns sind natürlich mit Vorsicht zu genießen. Entscheidend bei solchen Betrachtungen ist immer, wie die Gemeinkosten verteilt werden. Beispiel Bild: Die Redaktion arbeitet für Print und Digital. Es ist gar nicht so einfach, die Kosten dafür aufzuteilen. Im Haus finden ohnehin manche, dass dem alten Printgeschäft zu hohe Kosten aufgebürdet werden und der Bereich so schlechtgeredet wird.

Dennoch sind die Planzahlen ein deutlicher Fingerzeig für die Erwartungen und die künftige Strategie des Konzerns. Immerhin wurden die Zahlen so (am 23. September 2020) durch den Aufsichtsrat abgesegnet, wie der EY-Bericht festhält.

Wie fair lief der Rauswurf der unabhängigen Aktionäre? Wie geht es jetzt bei Axel Springer insgesamt weiter? Zahlt Springer die Millionen-Boni für den Vorstand aus? Dazu: alle Zahlen aus dem EY-Gutachten über die mittelfristigen Umsatz- und Gewinn-Erwartungen von Axel Springer.

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