Gefälschte Quarantäne-Anordnung: Chefredakteur Benjamin Piel erstattet Anzeige

15.01.2021
 

Bislang unbekannte Täter haben mindestens vier Menschen im Kreis Minden-Lübbecke mit gefälschten amtlichen Schreiben in Quarantäne geschickt. Unter den Empfängern ist auch Benjamin Piel, Chefredakteur des Mindener Tageblatts. Laut Piel hat der Unterzeichner des Briefs einen Decknamen von SS-Arzt Josef Mengele benutzt.

"Was einem nicht alles so passiert: Heute wurde ich vom Kreis scheinbar unter Quarantäne gestellt - tatsächlich handelte es sich um eine Fälschung. Die Spurensicherung war schon da. Was für verrückte Zeiten...", schreibt Benjamin Piel auf Twitter. Zugleich veröffentlicht der Chefredakteur des Mindener Tageblatts beim Kurznachrichtendienst den Brief.

Was ist passiert: Bislang unbekannte Täter haben mindestens vier Menschen im Kreis Minden-Lübbecke mit gefälschten amtlichen Schreiben in Quarantäne geschickt. Unter den Empfängern ist Piel. "Zwei Briefe gingen an Personen in Minden, zwei in Porta Westfalica", teilte die Polizei des Kreises Minden-Lübbecke am Donnerstag mit. Der Staatsschutz der Bielefelder Polizei hat die Ermittlungen übernommen. Demnach gingen Briefe auch an mehrere Lokalpolitiker, wie die Bielefelder Polizei mitteilte.

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Nach Angaben der Polizei wirken die Briefe durchaus echt. Nur wer bereits einmal Post vom Kreis in Ostwestfalen in der Corona-Pandemie erhalten habe, würden den Unterschied sofort erkennen, sagte ein Polizeisprecher. Die drei anderen Briefe seien nicht an Journalisten verschickt worden.

Piel sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass der Briefkopf ihm merkwürdig vorgekommen sei. Zudem habe er sich nicht vorstellen können, "dass der Kreis mich auf der Arbeit anschreibt". Auch habe der Unterzeichner einen Decknamen von SS-Arzt Josef Mengele benutzt. Piel betonte, dass solche Fälschungen das Vertrauen in behördliche Schreiben untergraben: "Deshalb habe ich auch Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei wegen Urkundenfälschung, Amtsanmaßung und Unterschriftenfälschung erstattet."

Reporterchef Mika Beuster fragt auf Twitter: "Kam so etwas schon vor? Sieht recht professionell aus. Sollte das etwa ein gezielter Angriff auf die Funktionsfähigkeit der Chefredaktion sein?" Christian Lindner, jetzt bei der Nordsee-Zeitung, schreibt: "Krass. Und auch krank."

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