Medienmanagerin Julia Jäkel: Die Situation an den Schulen trifft uns schwer

18.01.2021
 

Überraschend deutlich kritisiert Gruner+Jahr-Chefin Julia Jäkel die Versäumnisse der Politik an den Schulen im Lockdown. Man hätte die vergangenen Monate besser nutzen müssen, um auf digitalen Unterricht vorbereitet zu sein, so Jäkel im Interview mit dem Hamburger Abendblatt. Welches Angebot Jäkel ihren Mitarbeitern jetzt macht.

Gruner hat seine rund 2.200 Mitarbeiter fast komplett ins Homeoffice geschickt: "Wir geben denjenigen die Möglichkeit, im Büro zu arbeiten, denen das zu Hause schwerfällt, aus privaten Gründen oder weil sich das Umfeld dazu nicht eignet", sagt Julia Jäkel im Interview mit dem Hamburger Abendblatt.

Die Vorstandsvorsitzende des Medienhauses Gruner + Jahr (stern, Brigitte, Geo) findet es "grundsätzlich sehr richtig und wichtig, dass die große Mehrheit jetzt zu Hause bleibt. Wir befinden uns in einer Pandemie, und deshalb höre ich genau zu, was Wissenschaft und Politik raten. Wir wollen als Unternehmen unseren Beitrag dazu leisten, dass wir diese Phase möglichst schnell hinter uns lassen können."

Jäkel glaubt, dass die Pandemie eine Zeit ist, in der die Mitarbeiter genau spüren, wie sich ihr Unternehmen verhält. Das führe entweder zu einer noch tieferen Bindung – oder eben zum Gegenteil.

Erneut führt die Medienmanagerin an, wie wichtig Vertrauen ist, das ein Chefredakteur oder eine Chefredakteurin oder auch jede andere Führungskraft in die eigene Mannschaft hat. Es habe etwas damit zu tun, ob man Leistung über das Ergebnis einer Arbeit oder über ihr Zustandekommen definiere. "Je mehr man den Kolleginnen und Kollegen vertraut, desto mehr stärkt man sie", betont Jäkel. Dass Journalismus auf Dauer auch das gemeinsame Wirbeln wieder brauche, sei doch vollkommen klar. Sie glaube aber, "dass die Veränderungen, die wir gerade notgedrungen erleben, unsere Arbeitswelt menschlicher machen können. Und wenn das Arbeiten menschlicher wird, werden wir alle auch produktiver und zufriedener werden", so Jäkel im Gespräch mit Chefredakteur Lars Haider vom Hamburger Abendblatt (Funke Mediengruppe). Sie persönlich empfinde es als großen Gewinn in ihrem Leben, mit ihren Kindern manchmal Mittagessen zu können und trotzdem effizient zu arbeiten.

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Umso trauriger ist Julia Jäkel darüber, was im Moment an den Schulen passiere: "Wir sind bei Gruner + Jahr davon abhängig, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stabil arbeiten können, und dazu gehört die Betreuung ihrer Kinder durch die Schulen. Umso schwerer trifft es uns, dass zum Beispiel die digitale Infrastruktur dort so häufig nicht funktioniert, obwohl sich viele einzelne Direktoren und Lehrer schier Arme und Beine ausreißen." Es sei bedauerlich zu sehen, wie schlecht Schulen immer noch ausgestattet sind. "Man hätte die vergangenen Monate besser nutzen müssen, um auf digitalen Unterricht vorbereitet zu sein. Ich habe wirklich großen Respekt vor der Komplexität von politischem Handeln, aber das hat man leider versäumt", konstatiert die G+J-Chefin.

Jäkel wiederholt im Hamburger Abendblatt die Lösung, die sie schon via LinkedIn verbreitet hatte: "Wir haben als Unternehmen beschlossen, umfassender als gesetzlich vorgesehen zu helfen. Bei den Kolleginnen und Kollegen, die aufgrund besonderer Umstände in diesem Lockdown ausnahmsweise nicht arbeiten können, etwa weil sie allein kleine Kinder betreuen, verzichten wir auf formale Nachweise. Es gibt trotzdem volles Gehalt. Wir tun dies, weil wir unseren Leuten vertrauen. Wir haben mit diesem Vertrauen gute Erfahrungen gemacht."

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