Wie läuft es bei Hamburger Morgenpost-Verleger Arist von Harpe?

19.01.2021
 

Vor rund einem Jahr stand es schlecht um die Hamburger Morgenpost. Promis starteten einen Aufruf, um das jahrzehntealte Boulevardblatt zu erhalten. Dann kam Arist von Harpe und kaufte DuMont die Mopo ab. Wie der branchenfremde Digitalmanager die Kosten um knapp 50% senkte, wie er zugleich wieder mehr Mitarbeiter als vorher beschäftigt und wie die Geschäftszahlen aussehen.

Fast ein Jahr nach der Übernahme der Hamburger Morgenpost sieht der neue Eigentümer Arist von Harpe wieder Anzeichen für Profitabilität. "Auf monatlicher Ebene sind wir seit dem vierten Quartal wieder profitabel", sagt der 42-Jährige im Interview mit dpa. "In Summe haben wir die ursprünglich mal gesetzten Umsatzziele für 2020 nicht erreicht, auch wegen der Pandemie mit niedrigeren Verkaufszahlen und geringeren Werbeerlösen. Die schwarzen Zahlen sind im Wesentlichen erreicht dadurch, dass wir kostenseitig schlanker aufgestellt sind."

Zu den Kostensenkungen sagt von Harpe: "Die Fixkosten haben wir signifikant reduziert, wenn man Personal herausrechnet, um knapp 50 Prozent." Beim Voreigentümer seien zum Beispiel Einheiten wie technische System darauf ausgelegt gewesen, Synergien aus mehreren Zeitungen zu heben. "Aber für die 'Mopo' war es eher so, dass für viele Dinge so mehr bezahlt wurde, als es nötig gewesen wäre. In diesem Konstrukt war sie wahrscheinlich zu klein und zu anders, als dass das wirklich funktioniert hätte. Auch bei den Räumlichkeiten haben wir uns verkleinert", erklärt von Harpe im Interview mit Anna Ringle und Hans-Jürgen Ehlers von dpa.

Man habe also "überflüssigen Kram", für den die "Mopo" Geld ausgegeben habe, einfach weggestrichen. Das Resultat:  "Wir haben jetzt sogar mehr Mitarbeiter. Wir sind jetzt viel leistungsfähiger als vor einem Jahr und können 2021 mit einer deutlich schlankeren Kostenstruktur an Umsatzthemen arbeiten."

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Laut dem Verleger sind fünf bis zehn Prozent mehr Mitarbeiter bei der Hamburger Morgenpost beschäftigt. "Es liegt im Wesentlichen daran, dass wir einige Zeitungsinhalte wieder zurück ins Haus geholt haben, die zuvor vom Voreigentümer DuMont geliefert wurden – zum Beispiel der Bereich Panorama mit Storys aus der ganzen Welt. Wir haben auch in der Vermarktung aufgestockt." Festangestellte Mitarbeiter seien es um die 80.

Im Februar 2020 war bekanntgeworden, dass sich die Kölner DuMont-Mediengruppe, die mehrere Zeitungen im Portfolio hat, von dem Hamburger Boulevard-Blatt trennt. Dass von Harpe übernimmt, galt für viele in der Medienbranche als überraschend. Die "Mopo" hatte im dritten Quartal 2020 eine verkaufte Auflage von gut 34.000 Stück.

Die Corona-Pandemie mit dem ersten Lockdown fiel in die Zeit der Übernahme. Von Harpe sagt dazu: Der Start sei natürlich ungünstig verlaufen. "Ich habe natürlich am Anfang ohnehin etwas Manschetten vor dem Ganzen gehabt, weil das ein risikoreicher Move war: Eine Zeitung zu übernehmen, die zu normalen Vor-Corona-Zeiten nicht profitabel war." In Summe seien die Verkaufszahlen im ersten Lockdown ein ganz schönes Stück nach unten gesackt. Zugleich seien die Abonnenten in der Zeit gestiegen. "Aber der Netto-Effekt war, dass wir über den Verkauf mehr verloren haben als wir im Abo hinzugewonnen haben." Von Harpe führt das darauf zurück, dass die Hamburger Morgenpost weniger abonniert als in Geschäften und an Kiosken gekauft wird. Der Verleger bezeichnet die "Mopo" als Kaufzeitung. "Im Verhältnis sind es 90 Prozent Verkauf und zehn Prozent Abo."

Auf der anderen Seite habe man im ersten Lockdown bedürftigen Institutionen die Mehrerlöse einer Preiserhöhung gespendet. Das habe die Marke "Mopo" gestärkt.

Arist von Harpe ist nicht der einzige Neu-Verleger. Das Berliner Unternehmer-Ehepaar Friedrich übernahm Monate vor ihm die Berliner Zeitung von der Mediengruppe DuMont. Diese Entwicklung könnte sich fortsetzen, glaubt von Harpe. "Ich fände es schön, wenn das Leute inspiriert zu sagen: Zeitung machen ist was Cooles", sagt er im dpa-Gespräch. 

Seine eigene Rolle sieht er weniger als Verleger denn als operativer Geschäftsführer. "Das Verlegersein kommt dann eher dadurch, dass ich an niemanden berichten muss, was alle Entscheidungen und Projekte natürlich enorm beschleunigt."

Auf die Frage, wie lange er "Mopo"-Verleger bleiben wolle, antwortet von Harpe: "Mir macht das Ganze unglaublich viel Spaß, vielleicht sogar noch mehr als ich es vorher erwartet habe. Von daher mache ich gerne bis zur Rente weiter."

Zur Person: Arist von Harpe lebt seit 1999 in Hamburg. Der 42-Jährige wurde im Februar 2020 als künftiger Eigentümer der "Mopo»"bekannt, im März erfolgte dann die Übernahme. Von Harpe bringt viel Erfahrung als Digitalmanager mit. Er war vor der Übernahme der Zeitung rund zwei Jahre als Geschäftsführer der Werbevermarktung des Karriere-Portals New Work SE (vormals Xing) des Burda-Konzerns tätig. Davor war er auch Start-up-Geschäftsführer (Social-Media-Marketing Facelift) und sieben Jahre Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group. Von Harpe ist in Düsseldorf geboren, er studierte in Hamburg und im schwedischen Göteborg Wirtschaftsingenieurwesen.

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