Klare Ansage von Bertelsmann-Chef Thomas Rabe: Ein Verkauf von G+J kommt nicht in Frage

22.01.2021
 

Der Bertelsmann-Aufsichtsrat hat den Vertrag von Thomas Rabe als CEO des Unternehmens um weitere fünf Jahre verlängert. Seine dritte Amtszeit beginnt am 1. Januar 2022. Was Rabe mit Deutschlands größtem Medienkonzern vorhat, warum er hofft, dass bis Ostern das Gröbste überstanden ist und warum er gute Nachrichten für Julia Jäkel hat.

Als Ziele für die nächsten fünf Jahre hat Thomas Rabe (55) weiteres Wachstum und Technologisierung vorgegeben. Während Bertelsmann international mit Büchern, Musik und Medienproduktionen wachsen soll, will Rabe bei den nationalen Mediengeschäften in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden "nationale Champions" schaffen, wie er der Deutschen Presse-Agentur zu seiner Vertragsverlängerung sagt.

Zwei Dinge schließt Rabe für die nahe Zukunft aus: "In gedruckte Zeitungen investiert Bertelsmann auf keinen Fall. Das widerspricht unseren Investitionskriterien." Und eine Trennung vom Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr (unter anderen stern, Brigitte, Capital) kommt für den 55-Jährigen nicht in Frage. Rabe verweist gegenüber dpa darauf, dass G+J sich vom Geschäft in Frankreich trennt. "Das Deutschland-Geschäft aber steht nicht zur Diskussion." Die Inhalte seien ein wichtiger Teil von Allianzen innerhalb des Bertelsmann-Konzerns wie bei der Zusammenarbeit mit RTL.

Eine Prognose für das laufende Jahr wagt Rabe nicht: "Nach einem für Bertelsmann guten Jahr 2020 ist eine Einschätzung 2021 wirklich schwierig. Kein Mensch weiß, wie sich die zweite Corona-Welle auf das zweite Quartal auswirken wird", sagt Rabe. Zum Jahresbeginn seien die Werbemärkte rückläufig gewesen. "Sobald gelockert wird, zieht der TV-Werbemarkt an." Deshalb hofft Rabe auf Ostern und weniger strenge Kontaktbeschränkungen. "Das würde den Konsum ankurbeln und damit auch die Werbung – das hat uns das Jahr 2020 gezeigt."

Weltweit hat die Corona-Pandemie dem Konzernchef aber nicht nur Sorgen bereitet. "Die Menschen wollen unterhalten werden. Dabei spielen dann unsere Medienprodukte eine Rolle." Und auch der Bereich E-Commerce sei in den vergangenen Monaten massiv gewachsen. "Da ist Bertelsmann pandemieresistent", sagt Rabe.

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Er dankt dem Aufsichtsrat und den Gesellschaftern für das Vertrauen: "Ich freue mich auf die dritte Amtszeit als CEO eines Unternehmens, das mich heute noch genauso begeistert wie bei meinem Antritt."

Christoph Mohn, Vorsitzender des Aufsichtsrats von Bertelsmann, sagt über die erneute Verlängerung des Vertrages mit Rabe: Das sei in einer Zeit immer schnellerer Veränderungen ein klares Zeichen von Kontinuität. Rabe sei ein Stratege mit herausragenden analytischen Fähigkeiten und ein exzellenter Manager, der sich mit seinem Team in der Corona-Krise einmal mehr bewährt habe, betont Mohn.

Zur Person: Thomas Rabe ist seit 2012 Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann. Seit April 2019 hat er dieses Amt in Personalunion auch bei der RTL Group inne. Zu den Meilensteinen seiner bisherigen Tätigkeit an der Spitze von Bertelsmann zählen die Bildung von Penguin Random House als weltweit führende Buchverlagsgruppe, der Wiedereinstieg in das Musikgeschäft BMG, die Neuaufstellung des Dienstleistungsbereichs Arvato, der Einstieg in das Bildungsgeschäft und der Aufbau der Fondsaktivitäten Bertelsmann Investments sowie zahlreicher Allianzen und Partnerschaften.

Der begeisterte Sportler ist seit 2000 bei Bertelsmann. Bei der RTL Group fing Rabe als Finanzvorstand an, übernahm das gleiche Amt 2006 im Konzern und leitete bis 2008 die Musiktochter. Als Bertelsmann-Chef hat Rabe die Digitalisierung der Geschäfte in den vergangenen Jahren vorangetrieben. Seit August 2020 ist Rabe zudem Aufsichtsratschef beim Sportartikelhersteller Adidas.

Hintergrund: Bertelsmann hat weltweit mit mehr als 126 000 Mitarbeitern im Jahr 2019 rund 18 Milliarden Euro umgesetzt. Zum Konzernverbund gehören neben Penguin Random House (Bücher) unter anderem die Fernsehgruppe RTL Group, der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, das Musikunternehmen BMG und der Dienstleister Arvato. Den größten Anteil der Umsätze steuert im Konzern RTL bei, gefolgt von Arvato.

Eigentümer von Bertelsmann sind zum Großteil Stiftungen, darunter die Bertelsmann-Stiftung. Die Familie Mohn hält die restlichen Anteile von knapp 20 Prozent.

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