True Story Award 2020/21: Reportagen aus der Zeit und der SZ unter den Nominierten

25.01.2021
 

Die Nominierten des True Story Awards 2020/21 sind bekannt. Insgesamt 39 Reportagen aus 23 verschiedenen Ländern in 12 Sprachen wurden von der Jury auserkoren. Der True Story Award ist der erste globale Journalismuspreis. Zwei der nominierten Stücke sind in deutschen Medien erschienen.

Die 39 Nominierten des True Story Awards 2020/21 wurden aus 1.179 Einreichungen aus 101 Ländern ausgewählt. Die nominierten Texte in deutscher Sprache sind: "I don't want to die!" von Amrai Coen, erschienen in der Zeit. "Die Finkelstein Formel" von Hannes Grassegger, erschienen in Das Magazin des Tagesanzeigers und "Unterm Kreuz" von Nina Schick, erschienen in der Süddeutschen Zeitung.

Coens Text über den Versuche eines evangelikalen Missionars aus den USA, der die von der Außenwelt isolierten Urbewohner einer Andamanen-Insel im indischen Ozean zu missionieren versucht, ist gemäß Jury ein Text, "der es in jeder Passage erlaubt, Empathie für die Handelnden zu entwickeln; ein Text, der ohne zu werten über Wochen nachhallt, weil er verstört, weil man nicht mehr aufhören kann nachzudenken, zu grübeln". Nina Schick versucht herauszufinden, ob ihr Vater als Jugendlicher effektiv von einem Priester missbraucht worden ist. Die Stärke der Reportage ist, dass Nina Schick "nie Anklage erhebt, sondern bloß beschreibt, Einblick in ihre Recherchen und Gespräche gibt. Und das äusserst schreib-, wort- und bildstark. Subtil und gleichzeitig konkret." Und Hannes Grassegger liefert mit "Die Finkelstein Formel" eine Augen-öffnende Erkenntnisse darüber, wer der Mann ist, der hinter dem Erfolg rechtspopulistischer Wahlkämpfe der letzten Jahrzehnte steckt, wie er die Instrumente dafür entwickelte, in wie vielen Wahl-Auseinandersetzungen sie schon erfolgreich angewendet wurden, und wie leicht sie sich heute kopieren und wiederverwerten lassen.

Coen, Grassegger und Schick werden zusammen mit den anderen Nominierten und Jury-Vertretern an das Internationale Reportagen Festival Bern vom 19. bis 22. August 2021 nach Bern eingeladen. Dort wählt die aus vier Kontinenten stammende achtköpfige Hauptjury die drei Siegertexte, welche an der Preisverleihung vom 20. August 2021 bekannt gegeben werden.

Die Preisverleihung ist Teil des Festivals, welches aufgrund der globalen Situation rund um Corona von anfangs Juni auf Mitte August verlegt worden ist. "Mit der Verlegung des Festivals in den Spätsommer möchten wir sicherstellen, dass möglichst alle nominierten Reporter nach Bern reisen können", sagt Daniel Puntas Bernet, Chefredakteur des Magazins Reportagen und Initiator des True Story Awards.

Hintergrund: Der True Story Award ist der erste globale Journalismuspreis. Sein Ziel ist es, die Stimmen von Reportern über die Grenzen ihrer Heimatländer hinaus bekannt zu machen und damit die Vielfalt der Perspektiven in den Medien zu erhöhen. Der True Story Award wird von einer unabhängigen Stiftung vergeben und zeichnet Reporter aus, die in 12 Sprachen schreiben und sich durch die Tiefe ihrer Recherche, die handwerkliche Qualität und gesellschaftliche Relevanz auszeichnen. Die Gesamtpreissumme beträgt 177.000 Schweizer Franken. Bei der ersten Ausrichtung 2019 gewann der Russe Shura Burtin vor dem Amerikaner Mark Arax und dem Chinesen Du Qiang.

Sie möchten exklusive Medienstorys, Jobkolumnen und aktuelle Top-Personalien lesen? Dann bestellen Sie bitte unseren kostenlosen kressexpress. Jetzt für den täglichen Newsletter anmelden.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.