Exklusiv: Warum Moritz von Laffert die Medien verließ

 

Er kann auf 26 Jahre im operativen Mediengeschäft zurückblicken, war Verlagsgeschäftsführer bei Springer sowie zuletzt zehn Jahre lang Condé-Nast-Deutschland-Chef: Im Interview mit kress pro sagt Moritz von Laffert, warum es ihn zu einer M&A-Beratung zog - und warum er das neue Miteinander in der Verlagsbranche begrüßt.

kress pro: Herr von Laffert, hinter Ihnen liegt fast Ihr erstes vollständiges Jahr als M&A-Spezialist, und noch dazu ein so herausforderndes. Warum hatten Sie sich eigentlich für einen Weg weg vom Verlagsmanagement entschieden und wie oft haben Sie das schon bereut?

Moritz von Laffert: Noch gar nicht. Ich fühle mich in meiner neuen Tätigkeit sehr wohl, zumal mich M&A-Prozesse sowohl bei Axel Springer als auch bei Condé Nast immer schon begleitet haben.

kress pro: Trotzdem war es ja vielleicht nicht unbedingt der naheliegendste Karriere-Anschluss.

Moritz von Laffert: Meine sehr erfüllte Medien-Karriere war an einem Punkt, an dem ich mich frei fühlte, zu entscheiden: Mache ich etwas völlig anderes, oder nehme ich noch mal eine der spannenden Möglichkeiten im Medienbereich wahr, die sich auftaten.

kress pro: Wo wäre das gewesen?

Moritz von Laffert: Insbesondere bei einem Zeitungsverlag, der vor einer großen Transformationsaufgabe stand. Die Tätigkeit dort hätte die gleichen Freiheiten und Handlungsspielräume mit sich gebracht, die ich auch zuvor stets gewohnt war, und einen nach vorne gerichteten Gesellschafterkreis.

kress pro: Und wie kam dann Proventis ins Spiel?

Moritz von Laffert: Ich kannte das Haus schon seit gut zehn Jahren, weil ich für Condé Nast fast einmal einen Zukauf getätigt hätte, den Proventis damals vermittelte. Damals hatte uns dann aber ein anderer Großverlag überboten. Aus diesem Prozess kannte ich Proventis und deren Ansatz. Mit Jan Pörschmann, dem Gründer, hatte ich seitdem engen Kontakt gehalten. Er hatte mir auch zu Condé-Nast-Zeiten immer wieder spannende Deals gezeigt, wir sind aber nie zusammengekommen.

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kress pro: Auch unter dem Druck von Corona scheint sich aktuell in der Medienlandschaft der Trend zu Kooperationen, beim Vermarkten oder in Vertriebsfragen, zu verstärken. Sprechen denn jetzt mehr Verlagsbosse miteinander, die vorher kaum miteinander reden und verhandeln konnten?

Moritz von Laffert: Es ist offenkundig, dass die Befindlichkeiten langsam verschwinden. Verlagsmanager reden jetzt nicht mehr nur darüber, dass man kooperiert. Sondern man tut es endlich auch.

kress pro: Aktuelle Beispiele Burda und Klambt.

Moritz von Laffert: Ich glaube, es liegt auch daran, dass andere Managergenerationen am Zuge sind, die auf ihrer Ebene miteinander reden und gemeinsam agieren. Die Branche ist ja sehr klein und familiär. Inzwischen glaube ich: Man muss sich immer stärker von dem Gedanken lösen, man müsste ein Vollbetrieb sein, der alles selber machen sollte.

kress pro: Weniger opulenter Fürstenhof, mehr Schlankheit.

Moritz von Laffert: Das wäre schon wichtig. Daher spielen M&A-Aktivitäten mittlerweile eine größere Rolle. Früher wollte man alle Felder besetzen. Man hat es oft seinem Mitbewerber nicht gegönnt, ein spannendes Segment zu erobern, weil man sich selbst so extrem mit seiner eigenen Marke, seinem Blatt oder seinem Produkt identifizierte. Heute ist man wesentlich pragmatischer unterwegs. Und so wechseln auch renommierte Zeitschriften-Titel schneller mal den Verlag.

kress pro: Titel zu verkaufen, das kennen Sie ja selbst noch aus der eigenen Verlagstätigkeit – etwa beim Verkauf von Myself. Und auch Ihr früherer Springer-Titel Jolie ist nun schon länger in anderen Händen. Aber inwieweit dürfen aus Ihrer Sicht solche Annäherungen und Zwischengeschäfte der großen Häuser auch die vermeintlichen Kernbereiche – etwa den Anzeigenverkauf – berühren?

Moritz von Laffert: Bis vor Kurzem gab es ja sogar innerhalb von Konzernen konkurrierende Einheiten. Das ist endlich vorbei. Etwa bei Bertelsmann, wo an der Ad Alliance jetzt sogar Mitbewerber partizipieren können. Ich finde, man muss zu einem neuen Realismus kommen. Auch weil es anders nicht geht. Der Feind sitzt ja nicht im anderen Medienhaus.

kress pro: Sondern?

Moritz von Laffert: Der Feind ist insgesamt der rückläufige Markt. Und auch dafür kann man versuchen, Schuldige oder Auslöser zu suchen. Aber es nützt ja nicht: Die Lage ist so, wie sie ist. Und Deutschlands Medienhäuser müssen sich anpassen.

Ist jetzt für Medienunternehmen ein guter Moment, Zukäufe oder Verkäufe zu tätigen: Was würden Sie raten? Wie haben sich denn die Bewertungen, die auch Sie vornehmen, entwickelt und was muss man daraus für Strategien ableiten? Sind Google, Facebook, Amazon und die anderen US-Größen aktuell auf Shopping-Tour in Deutschland? Warum Medienunternehmen nicht mehr beliebig einkaufen und in Start-ups investieren - und warum Moritz von Laffert das Ausdehnen einer Medienmarke als "ganz steinigen Weg" betrachtet.

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kress pro - das Magazin für Führungskräfte in Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Markus Wiegand.

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