Revolte beim Spiegel: Mitarbeiter gehen wegen Umgang mit Barbara Hans auf die Barrikaden

28.01.2021
 

Rund ein Viertel der Spiegel-Mitarbeiter hat einen Brief unterschrieben, mit dem sie sich an die Chefredaktion und Geschäftsführung des Nachrichtenmagazins wenden. Darin kritisieren sie die Unternehmenskultur, aber vor allem den Umgang mit Chefredakteurin Barbara Hans. Was bei dem Brief auffällt.

"Eine Woche ist es her, dass in anderen Medien von offenkundig vorhandenen Schwierigkeiten in der SPIEGEL-Chefredaktion berichtet wurde – in einer Art und Weise, die manche von uns an Mobbing erinnerten und bei der eine in der Redaktion geachtete Chefredakteurin, die jahrelang ausgezeichnete inhaltliche und strategische Arbeit geleistet hat, mit teils ehrabschneidenden Darstellungen überzogen wurde. Das hat uns erschüttert, entsetzt, traurig und wütend gemacht", heißt es in dem Brief, der kress.de vorliegt.

Das Schreiben ist adressiert an die Chefredakteure Steffen Klusmann und Clemens Höges, die Geschäftsführung um Thomas Hass und Stefan Ottlitz - sowie Chefredakteurin Barbara Hans.

136 von mehr als 530 Mitarbeitern, die das aktuelle Impressum auflistet, haben den Brief unterschrieben. Darunter sind auffällig wenig prominente Autoren und Führungskräfte.

Die Spiegel-Leuten kritisieren die Weitergabe von Interna nach außen, den Umgang mit Chefredakteurin Barbara Hans und das "dröhnenden Schweigen nach innen und außen", das anschließend vonseiten der Chefredaktion und des Verlags gefolgt sei. "Die Kultur des Umgangs miteinander, die so in den vergangenen Tagen öffentlich wurde, halten wir für fatal: menschlich, kommunikativ und strategisch."

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Viele von ihnen seien angesprochen worden, was denn da mal wieder beim Spiegel los sei. Wie denn der aufklärerische Anspruch der Marke und der Umgang mit der einzigen Frau im CR-Trio zusammenpassen würde. Und ob der Spiegel ernsthaft die Darstellung und Deutung unkommentiert stehen lassen wolle, dass die Elternzeit von Barbara Auslöser für die aktuelle Krise sei. Warum das Haus gefühlt alle zwei Jahre einen Prozess der Selbstzerfleischung benötige, um strategische Diskussionen und Veränderungen herbeizuführen. "Fragen, die wir uns auch stellen. Und bei denen auch mitschwingt, was das denn für ein Arbeitgeber und für ein Verlag sind, die den zerstörerischen Umgang mit einer ihrer besten Führungskräfte einfach so passieren lassen", so die deutlichen Worte aus der Spiegel-Crew.

Sie fordern eine neue Kultur des Umgangs miteinander. Nicht irgendwann, sondern jetzt. "Mit einer längst überfälligen öffentlichen Ehrenerklärung für Barbara, mit einem fairen Umgang untereinander auch bei Differenzen, mit strukturellen Lösungen, bei denen sich die gesamte Redaktion mitgenommen fühlt und nicht bei einer Gruppe das Gefühl entsteht, in der Chefredaktion nicht mehr vertreten zu sein."

Die Unterzeichner des Briefs wünschen sich eine Lösung mit Barbara Hans, die als Chefredakteurin in der Redaktion großen Rückhalt habe. "Sollte das – aus welchen Gründen auch immer – nicht möglich sein, erwarten wir von Euch schnelle und konkrete Erklärungen dazu, wie es weitergehen soll", so die klare Ansage an die Chef-Etage. "Wir brauchen einen Plan – und es ist Euer Job, sich darum zu kümmern und in der Zwischenzeit Schaden für alle Beteiligten und für den Spiegel abzuwenden."

Beim Spiegel heißt es auf Nachfrage von kress.de, man sei in Gesprächen mit Barbara Hans und bitte gemeinsam um Verständnis, "dass wir uns nicht äußern", so eine Unternehmenssprecherin.

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