Köpfe-Interview mit Berater Olaf Peter Schleichert: Warum Medienhäuser beim digitalen Wandel das Tempo erhöhen müssen

 

Die Digitalberatung OMMAX hat zuletzt eine Magnetwirkung auf Top-Talente entwickelt - auch aus Beratungskonzernen wie Deloitte. Der neue Berlin-Chef Olaf Peter Schleichert verrät im kressköpfe-Interview, warum er gewechselt ist - und wie er Medienunternehmen beim digitalen Wandel auf Zack bringen möchte.

kress.de: Herr Schleichert, wie unlängst bekannt wurde, haben Sie mit dem neuen Jahr einen neuen Posten bei der Digitalberatung OMMAX angetreten. Warum dieser Schritt?

Olaf Peter Schleichert: Dieser Schritt bedeutet für mich eine Steigerung meiner beruflichen Bewegungsfreiheit. Bei OMMAX werde ich weiterhin als Berater Unternehmen in ihrer digitalen Transformation begleiten. Doch der entscheidende Unterschied ist für mich, dass dies bei OMMAX in einer ganz anderen Geschwindigkeit möglich ist.

kress.de: Sie kommen von einer der Big-Four-Unternehmensberatungen<ins></ins> und haben dort vor allem im KI-Bereich ganze Unternehmensbereiche mit aufgebaut: Was hat Sie an einer – mit Verlaub – dann doch etwas kleineren Adresse gereizt?

Olaf Peter Schleichert: OMMAX zeichnet sich nicht nur durch ein hohes Maß an Agilität und Dynamik, sondern auch durch die exzellente Digitalexpertise des jungen Teams aus. Alle drei Faktoren spielen für mich im Arbeitsumfeld eine entscheidende Rolle. OMMAX’ besonders dynamisches, digitales Umfeld ist beruflich für mich ein Schritt in die richtige Richtung. 

kress.de: Wie zu hören ist, sollen zuletzt einige Ihrer früheren Kollegen, aber auch neue Mitarbeiter von großen internationalen Unternehmensberatungen zu OMMAX gewechselt sein. Was braut sich da zusammen?

Olaf Peter Schleichert: OMMAX weist ein professionelles, strategisches und kontinuierliches Wachstum vor, das in der Tat einige Expertinnen und Experten der Big Player überzeugte. Dies wird sich perspektivisch sicherlich weiter fortsetzen, womit OMMAX einzigartig bleibt und gleichzeitig wachsen wird. 

"Für den Mittelstand ist KI ein enorm wichtiger Punkt, um sich auch zukünftig international wettbewerbsfähig aufstellen zu können."

kress.de: Lange Zeit wirkte es so, als wären komplexe Daten-Analyse- oder Business-Intelligence- sowie KI-Projekte nur etwas für Großkonzerne. Ändert sich das Ihrer Einschätzung nun?

Olaf Peter Schleichert: Das hat sich bereits geändert. Für den Mittelstand – egal, ob große oder kleinere Firmen – ist dies ein enorm wichtiger Punkt, um sich auch zukünftig international wettbewerbsfähig aufstellen zu können. Und in der deutschen Industrie spielt nun mal der Mittelstand die ganz entscheidende Rolle – immerhin ist ein Großteil der Firmen dort beheimatet. Unternehmen haben erkannt, dass sie nachziehen müssen, wenn sie auch in Zukunft noch Weltmarktführer mit ihren Produkten bleiben möchten. Die digitale Transformation ist längst im Gange – dennoch gibt es noch einiges an Potential nach oben.

"Um den umfänglichen Datenschatz eines Unternehmens zu heben, braucht es ein Umdenken, was den Firmen aktuell ins Haus steht."

kress.de: Welchen Stellenwert bekommen derlei komplexe digitale Herausforderungen, die ja oft weit über die bisherigen Hauslösungen etwa für E-Commerce oder Kunden-Verwaltung hinausgehen, auch im deutschen Mittelstand?

Olaf Peter Schleichert: Die Digitalisierung hat einen ganz essentiellen Stellenwert für Firmen jeglicher Größen eingenommen. Es genügt nicht, nur ein oder zwei Tools anzufassen, man muss das gesamte Ökosystem der Datenlandschaft betrachten und mit Applikationen agieren, die weitreichender sind und über das hinausgehen, was Firmen bisher ausgeschöpft haben. Dabei haben sowohl kleine und mittelständische Unternehmen als auch Corporates aber vergleichsweise noch besonders hohen Nachholbedarf, was die digitale Transformation betrifft. Es reicht schlichtweg nicht aus, nur zehn Prozent des Unternehmens zu optimieren, denn im internationalen Wettbewerb sind nur diejenigen Firmen gut aufgestellt, die das gesamte Spektrum im Blick behalten. Um den umfänglichen Datenschatz eines Unternehmens zu heben, braucht es ein Umdenken, was den Firmen aktuell ins Haus steht.

"Die Leserschaft in den Fokus zu nehmen, um sie weiter an die eigenen Medien zu binden, sollte das Ziel sein, wenn sich Verlage transformieren."

kress.de: Welches Potenzial sehen Sie für deutsche Medienhäuser und wo müssen sie dringend etwa zu internationalen Mitbewerbern aufholen?

Olaf Peter Schleichert: Generell könnten die diversen Online-Formate sicherlich noch dynamischer und zielgerichteter gestaltet sein. Es gibt bereits einige gute Beispiele von Medienhäusern, die ihre eigene Transformation bereits mit großen Schritten vorantreiben und (digitale) Formate entwickelt haben, die für ihre Zielgruppen maßgeschneidert sind. Die Leserschaft in den Fokus zu nehmen, um sie weiter an die eigenen Medien zu binden, sollte das Ziel sein, wenn sich Verlage transformieren.

kress.de: Viele Branchen müssen sich aus dem Corona-Schock und der Erstarrung erst wieder frei machen: Was sind für Sie die wichtigsten Wachstums- und damit auch Investitionsthemen in diesem Jahr?

Olaf Peter Schleichert: Das ist ganz klar das digitale Geschäft und die digitalen Wertflüsse, die Deutschland zwar schon in Teilen angegangen ist, aber noch weit stärker ausgebaut werden müssen. Dafür braucht es auch die nötige Infrastruktur, also beispielsweise ein funktionierendes und für jeden zugängliches Breitbandnetz – das korreliert stark mit dem Ziel zur digitalen Transformation. Auf industrieller Ebene beschäftigt uns die Digitalisierung auf breiter Fläche. Dabei spielt vor allem das Stichwort der Datendemokratisierung eine wichtige Rolle. Wir meinen damit, dass erst die Zusammensetzung der verschiedenen Informationen, die aus Daten gezogen werden können, einen Mehrwert bringt. Jeder hat dann bestenfalls Zugriff darauf und kann – sofern es im rechtlichen Datenschutzrahmen geschieht – etwas eigenes dazu beitragen und ein Digital Asset nach dem anderen realisieren. Damit stellen Firmen nicht nur den so wichtigen Wettbewerbsvorteil sicher, sondern können auch die industrielle Lücke langfristig schließen.
Auch in der Forschung sollten wir die Geschehnisse und Erkenntnisse der letzten Monate für innovative Ideen nutzen. Denn die Kommunikation der Menschen untereinander wird zunehmend digital – Tendenz steigend. Auch hier können Daten helfen. In den USA beispielsweise nutzt man diese bereits, um Erkenntnisgewinne über die Verhaltensmuster von Menschen zu erzielen. 

kress.de: Wenn Sie auf Ihren eigenen Werdegang zurückblicken: Welche Erfahrungen, möglicherweise sogar welche Vorgesetzte oder Mentoren, haben Sie am stärksten geprägt?

Olaf Peter Schleichert: Vor etwa 15 Jahren durfte ich ein Projekt bei Airbus in Toulouse begleiten, das einige Monate dauerte. Dieses sehr multikulturelle, anspruchsvolle und neue Umfeld hat im Rückblick sicherlich einen Teil dazu beigetragen, mich an den Beraterjob zu binden. Schon damals hat mich das Thema Daten-Verständnis und deren Interpretation beschäftigt und fasziniert. 

kress.de: Die Herausforderungen nicht nur der zurückliegenden Wochen und Monate waren kräftezehrend: Wie sorgen Sie privat für Ausgleich, wo tanken Sie die Batterien wieder auf?

Olaf Peter Schleichert: Am besten tanke ich Energie in meinem Haus in Potsdam wieder auf. Die gemeinsame Zeit mit meiner Familie hilft sehr.

kress.de: Was bringt Sie auf die besten Ideen?

Olaf Peter Schleichert: Mich bringen lange Spaziergänge im Wald oder am See auf die besten Ideen. In der Natur kann ich meinen Gedanken und meiner Kreativität freien Lauf lassen.

kress.de: Sie führen ein kressköpfe-Profil. Wie wichtig ist das Netzwerken für Sie?

Olaf Peter Schleichert: Netzwerken hat einen sehr hohen Stellenwert für mich, denn es sind ja immer die Menschen, die das eigene Umfeld und die Gesellschaft an sich prägen. Ist man in der richtigen Intensität mit den passenden Menschen im Austausch, kann das sehr ergiebig und zielführend sein.

"Ich vermisse Gespräche in der Kaffeeküche oder beim gemeinsamen Lunch, die in virtueller Form einfach nicht vergleichbar sind."

kress.de: Wie sehr vermissen Sie die informellen Begegnungen auf Terminen, Kongressen und beim Klatsch in der Kaffeeküche?

Olaf Peter Schleichert: Ich vermisse diese Begegnungen, wie die meisten anderen Menschen, sehr. Bei allen digitalen Möglichkeiten, ist ein physischer Austausch in vielen Situationen doch nicht wegzudenken. Ich denke da an Gespräche in der Kaffeeküche oder beim gemeinsamen Lunch, die in virtueller Form einfach nicht vergleichbar sind. Das wünsche ich mir dann doch auch zeitnah zurück. 

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