Kuscht der WDR vor Armin Laschet? Sender wehrt sich gegen harten Vorwurf im Spiegel

08.02.2021
 

Der Spiegel schreibt, dass der WDR einen Beitrag gelöscht hat, der für NRW-Ministerpräsident Armin Laschet heikel gewesen sein soll. Der WDR hält dagegen: Das sei falsch. Der Spiegel berichte unwahr und tendenziös.

"Der Spiegel berichtet in seiner aktuellen Ausgabe unwahr und tendenziös über den WDR. Unter anderem heißt es, der WDR habe 2019 einen Radiobeitrag über den Hambacher Forst gelöscht, weil dieser einen Mitschnitt enthielt, der für den NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet heikel gewesen sein sollte. Dem Sender wird außerdem eine mangelnde Distanz zur Landes­regierung vorgeworfen. Das ist falsch."

Mit dieser Stellungnahme ("So verhält es sich wirklich") verteidigt sich der WDR gegen den Artikel Ich brauch einen Vorwand im aktuellen Spiegel.

Der "Spiegel" hatte berichtet, dass der Radiobeitrag ein heimlich aufgenommenes Video thematisierte. Dieses dokumentiere Laschets Aussage, er habe 2018 "einen Vorwand" gebraucht, um das Braunkohlegebiet räumen zu lassen. Der fragliche Beitrag wurde im September 2019 ins Netz gestellt, nach wenigen Stunden aber wieder entfernt.

Der WDR teilte dazu mit, das Video sei im Netz zirkuliert und "an mehreren Stellen bekannt" gewesen. "Die angebliche Kernaussage - 'Ich brauche einen Vorwand' - habe "damals schon keinen Newswert mehr" besessen. Der WDR und andere hätten "längst berichtet, dass die Landesregierung einen Vorwand für die Räumung des Forstes gesucht hatte". Auch der NRW-Innenminister Reul habe bereits zuvor in einem Interview mit dem WDR-Magazin "Westpol" vom 30. August 2019 gesagt, dass es darum gegangen sei, "im Brandschutz eine Rechtsgrundlage zu haben".

Man habe also "keine Ausschnitte eines offenbar verdeckt mitgeschnitten Videos veröffentlichen" müssen, "um das noch zu beweisen": "Wenn man sich entscheidet, solches Material zu verwenden, braucht man einen triftigen Grund und den hatten wir nicht. Also hat die Fachredaktion den angebotenen Beitrag mit Verweis auf die journalistische Sorgfaltspflicht abgelehnt", so der WDR. Nach Darstellung des "Spiegel" habe der Justitiar des WDR die Veröffentlichung des Radiobeitrags seinerzeit für richtig befunden.

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Zu sehen ist auf dem Video nach Angaben des WDR, wie "mehrere Menschen" Laschet "bedrängen" und das "offensichtlich unbemerkt" mitschneiden. Es sei zu hören, wie sie den NRW-Ministerpräsidenten "über mehrere Minuten" wegen des Hambacher Forstes zur Rede stellten. Laschet sage "unter anderem: 'Ich brauche einen Vorwand, sonst kann man da nicht tätig werden. Ich wollte den Wald räumen.'" Außerdem sei die Aussage Laschets zu hören: "Ich beende es ja! Im Gegensatz zu SPD und Grünen rette ich diesen Wald. Sie werden es erleben, und ich steige aus der Kohle aus."

Der WDR will das Video weiterhin nicht zeigen: "Aus unseren Gründen hat sich nichts geändert. Außerdem gibt es keine Notwendigkeit, da das Video ohnehin in Teilen im Netz kursiert."

Stefan Brandenburg, Leiter Programmbereich Newsroom und Aktuelles im WDR, schreibt auf Twitter: Im Spiegel werde der Eindruck erweckt, der WDR kusche vor der Landesregierung. Das sei ein harter Vorwurf, die Wahrheit sehe anders aus. So habe der Beitragsautor tagelang mit der Fachredaktion über das Video diskutiert. Nach Ablehnung seines Beitrags habe er ihn anderen Redaktionen mit Zeitdruck angeboten, ohne vom vorigen Votum der zuständigen Redakteure zu berichten, so die Darstellung von Brandenburg. Das alles sei schon ein ziemlich eigenartiges Vorgehen gewesen. "Das hat mit politischer Einflußnahme nichts zu tun. Aber einiges mit journalistischen Maßstäben."

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