Georg Koflers Freude am radikalen Umlernen

 

"Bitte fragen Sie nicht nach dem Ruhestand", sagt Georg Kofler im Interview mit kress pro. Warum der frühere TV- und Pay-TV-Manager so ein Lebensgefühl und eine Energie hat, als hätte er gerade bei ProSieben begonnen. Und warum sich Kofler mit seinem neuen Medien-Unternehmen Social Chain am Anfang eines "großen Innovationszyklus" sieht.

kress pro: Viele Ihrer Medienmacher-Kollegen behaupten ja gern, dass man manche Zielgruppen höchstens noch über Streaming-Angebote oder Social-Media-basierte Medienmarken erreicht, die kein klassisches Fernsehen mehr nutzen.

Georg Kofler: Die Menschen verändern sich ja nicht, nur weil es neue Medien gibt. Sie bleiben geprägt durch grundlegende, archetypische Bedürfnisse - nach Unterhaltung, nach Austausch, nach dem Kennenlernen von neuen Ideen und anderen Menschen. Daher kann man niemals pauschal sagen: Ein Medium wird jetzt gar nicht mehr gebraucht. Was ich aber feststellen kann: Es hat sich erstens noch nie so viel so schnell und so radikal in der Mediennutzung verändert. Zweitens: Noch nie war der Unterschied in der Mediennutzung zwischen den Generationen so groß.

kress pro: Wie meinen Sie das konkret?

Kofler: Die unter 30-Jährigen schauen tatsächlich sehr viel weniger Fernsehen und verbringen - ja nachdem welche Studie man heranzieht - 70 bis 80 Prozent ihrer Mediennutzung auf Social Media. So eine gravierende Veränderung der Mediennutzung hat es noch nie gegeben. Zweiter Befund: Die Inhalte, die die unter 30-Jährigen, und solche, die die über 50-Jährigen interessieren, lagen noch nie so weit auseinander.

kress pro: Was bedeutet das für Ihr Geschäft?

Kofler: Die Stars der Social-Media-Nutzer sind den über 50-Jährigen nicht bekannt. Und die Prominenten aus dem herkömmlichen Fernsehen sind den unter 20-Jährigen häufig so gut wie unbekannt. Deswegen bin ich wieder in dieses Business zurückgekehrt: Weil Social Media eine neue Generation von Medien und Mediennutzern hervorbringt. Aber eben auch eine neue Generation von Medienmachern.

kress pro: Was verlangt die Spaltung des Publikums Ihnen konkret ab?

Kofler: Es geht um eine neue Tonalität, eine neue Sprache. Und natürlich neue Formate aller Art. Der erste große Innovationszyklus im TV-Bereich war ja das Kabel- und Satellitenfernsehen. Zu den öffentlich-rechtlichen Monopolsendern kamen damals ein Dutzend, später über hundert neue Sender hinzu. Nun erleben wir den nächsten großen Innovationszyklus mit den Social-Media-Plattformen, die in viel kürzerer Zeit eine Masse an neuen Medien geschaffen haben. Wir haben immer noch Massenmedien. Aber wir haben jetzt auch eine Masse an Medien. Jeder kann, wenn er genügend Energie und Kreativität hat, seinen eigenen Sender machen. Es ist eine Radikaldemokratisierung der Medien.

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kress pro: Aber was reizte Sie wirklich noch mal am radikalen Umlernen?

Kofler: Die unternehmerische Chance, in zwei Innovationszyklen parallel zu investieren: Social Media und Social Commerce. Und damit neue Medien, neue Produkte, neue Marken und neue Vertriebswege zu schaffen und zu kombinieren. Besonders fasziniert bin ich von der Interaktivität und Internationalität dieser Entwicklung.

kress pro: Wie sehr wäre es denn heute für Sie eine Qual, noch einmal ProSieben-Geschäftsführer zu sein, wenn man Sie jetzt gefragt hätte: Kriegt man die Zersplitterung der Zielgruppen nicht mehr unter einen Hut?

Kofler: Ich sehe da weniger eine Qual, sondern große Chancen. Bisher haben neue Medien noch nie die alten Massenmedien umgebracht. Sie fordern die alten Medien heraus, sich klarer zu positionieren und sich auf ihre Stärken zu fokussieren. ProSieben hat immer noch eine tolle Startvoraussetzung: Der Sender hat weiterhin ein Millionenpublikum. Das müssen sich andere, neue Medien erst mal erarbeiten. Und sie haben eine Marke - die rote Sieben, die ich vor 30 Jahren eingeführt habe und auf die ich immer noch stolz bin. Ich würde - rein hypothetisch gesprochen - die Führungsposition bei einem Sender wie ProSieben als eine Herausforderung, aber auch als eine tolle Chance betrachten. Man kann unter der Marke ProSieben die bestehenden Reichweiten nutzen, um neues Geschäft zu machen. Man darf das auch in einer veränderten Medienwelt nicht als Last empfinden.

kress pro: Sie haben Ihr Unternehmen, die Social Chain AG, ja mal als Ihr "neues ProSieben" bezeichnet. Woher nehmen Sie das Selbstbewusstsein dafür?

Kofler: Damit habe ich eher mein aktuelles unternehmerisches Lebensgefühl umschrieben. Ich hatte immer schon davon geträumt, dass ich mit ProSieben nicht nur Reichweiten verkaufe - an Nestlé, Procter & Gamble und andere werbungtreibende Unternehmen. Ich wollte zusätzlich immer schon eigene Marken schaffen, Direct-to-consumer-Brands. Deswegen hat mich damals Teleshopping fasziniert, weil es das erste Mal die Möglichkeit bot, im Fernsehen Produkte direkt an Endkunden zu verkaufen. Man hält ein Angebot in die Kamera - und dann rufen Tausend Leute an! Das hat mich sofort begeistert.

kress pro: Die Anfänge wurden oft belächelt.

Kofler: Damals hatten alle Kollegen und Mitbewerber mir einzureden versucht: Georg, das wird in Deutschland überhaupt nicht laufen. So was machen doch nur die fernsehsüchtigen Amerikaner! Die Skepsis war zunächst groß. Mit ProSieben konnte ich die Synergien leider nie richtig umsetzen, denn beim damaligen Börsengang haben mir die Investmentbanken gesagt: Herr Kofler, beim Teleshopping gibt es noch zu viel rechtliche Risiken. In der Tat gab es damals noch erhebliche rundfunkrechtliche Probleme mit der Einordnung von Teleshopping. Ich hätte also einen kräftigen Discount bei der Bewertung von ProSieben akzeptieren müssen. Also haben wir die Beteiligung von ProSieben an H.O.T. ausgegliedert, und H.O.T. hat dann seine eigenständige Entwicklung genommen.

kress pro: Ihre damaligen ProSieben-Pläne mussten Sie aufgeben. Jetzt also die innere eigene Genugtuung?

Kofler: Meine Faszination fürs Verkaufen ist nie abgekühlt: Die Kombination aus eigenen Medienreichweiten und der Entwicklung und dem Vertrieb von Eigenmarken gefällt mir einfach, weil unterschiedliche Kreativitätspotenziale zusammenarbeiten müssen. Social Media und Social Commerce bieten dafür die perfekte Plattform. Wenn ich von der Social Chain AG als mein "neues ProSieben" spreche, dann ist das in mehrfacher Hinsicht gemeint.

Wieviel Umsatz macht die Social Chain Group und wie ist die Wachstumsprognose? Wie stark hat Ihnen der durch die Corona-Beschränkungen noch mal intensivierte Digitalboom bislang in die Karten gespielt? Wie groß ist die Kriegskasse, die Sie sich als Miteigner der Social Chain AG jährlich für Investitionen in attraktive Geschäftsideen und "Höhle der Löwen"-Start-ups zurechtlegen? Warum machen Sie bei der "Höhle der Löwen" als Investor mit? Was hat sie an der Vox-Sendung fasziniert?

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