Warum Clubhouse das letzte Puzzlestückchen im allgemeinen Audio-Trend ist

18.02.2021
 

In Corona-Zeiten erfährt Audio eine ganze neue Wertschätzung, sagt Sven Rühlicke, CEO und Mitgründer der Münchner Audio-Agentur Wake World, die jetzt Teil von Axel Springer ist. Für Rühlicke steht fest: "Die verstärkte Audionutzung wird bleiben, ebenso wie das Homeoffice." Wie er den Hype um die Social-Audio-App Clubhouse einschätzt.

"Vier Effekte haben aus meiner Sicht dazu beigetragen, dass Audio ganz besonders von der Stay-at-Home-Phase profitiert hat. Die Nutzer hatten erstens viel mehr Zeit zum Probieren und Testen neuer Hörangebote, Plattformen oder Voice-Anwendungen. Zweitens wurden Tagesabläufe kräftig durcheinandergewirbelt; wer nicht pendelt, kann auch morgens in Ruhe Podcasts kennenlernen. So sind nachhaltig neue Audio-Fans gewonnen worden. Hinzu kommt als dritter Punkt eine gewisse Video-Müdigkeit bei den Nutzer:innen. Man braucht nach einem Tag im Homeoffice Abwechslung und einen Medienbruch, um nicht weiter vor dem PC-Bildschirm zu sitzen", sagt Sven Rühlicke, CEO und Mitgründer der Münchner Full-Service-Audio-Agentur Wake Word im Interview mit Petra Schwegler im Blog der Medientage München.

Zu guter Letzt zahle die massiv gestiegene Qualität der Podcast-Inhalte auf das Wachstum im Audiobereich ein: "Wir erleben gerade die Zunahme von Storytelling auf hohem Niveau und mit entsprechendem Produktionsaufwand. Die Inhalte sind unterhaltsamer geworden. Es geht weg vom reinen Talk-Format hin zu Dokutainment. Wir erleben eine Professionalisierung und Ausdifferenzierung, wie wir sie bisher nur aus dem Bewegtbildbereich kennen", so der Chef von Wake Word, das mittlerweile zum Audio-Portfolio von Axel Springer gehört und Kunden wie Gabor Steingarts Media Pioneer hat.  

Der Voice- und Audio-Trend sei kein Zufall, betont Rühlicke. Die großen Digitalplayer hätten schon länger erkannt, dass die Nutzungsgrenzen im Bewegtbild bereits erreicht seien und befeuerten diese Entwicklung. "So stehen wir auch bei Feldern wie Voice Search erst am Anfang einer sehr spannenden Entwicklung. Diesen Trend sollte jeder bereits heute schon im Auge haben und die Weichen stellen, bevor wir im Mainstream ankommen. Die Claims werden im Hintergrund bereits abgesteckt." Für den Audio-Profi steht fest, dass die verstärkte Audionutzung genauso bleiben wird wie das Homeoffice.

Dann kommt Sven Rühlicke in dem im Blog der Medientage München erschienenen Interview auch auf die Social-Audio-App Clubhouse zu sprechen, die derzeit einen Hype erfährt. Für Rühlicke ist Clubhouse "das letzten Puzzlestückchen im allgemeinen Trend hin zu Audio". Die App schaffe Lagerfeueratmosphäre auf einer sozialen Plattform. Man treffe sich zum Livechat auf dem digitalen Marktplatz und könne ganz demokratisch Hörinhalte mitgestalten.

"Clubhouse mag ein Zeichen dieser Zeit der Zurückgezogenheit sein; die Leute wollen einfach mal wieder miteinander sprechen", erklärt Rühlicke. Der Wake Word-Chef rechnet allerdings damit, dass die Anwendung auf lange Sicht ein Übernahmekandidat ist und integriert wird. Facebook und Twitter arbeiteten schon an ähnlichen Angeboten, was den Druck auf die App erhöhe. "Wer weiß, vielleicht wird mit Clubhouse irgendwann bei Spotify live gechattet?", meint der ehemalige Digitalchef von Antenne Bayern. 

Tipp: Die Medientage München bieten mittlerweile auch einen Podcast an.

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