Ermutigende Zahlen: Spiegel kommt mit nur leichter Umsatz-Delle durchs Krisenjahr 2020

 

Aufatmen an der Ericusspitze: Zunächst hatte Thomas Hass, Vorsitzender der Geschäftsführung der Spiegel-Gruppe, für das Corona-Jahr 2020 mit einem Umsatzausfall von rund 20 Mio Euro gerechnet. Es kam weitaus weniger schlimm. Was die Kehrtwende verursachte.

Spiegel-Topmanager Thomas Hass hatte bei dem Hamburger Medienhaus einen harten Sparkurs eingelegt, der sich in der Bilanz nun bemerkbar machte. Außerdem trugen eine Erholung der Werbemärkte zum Jahresende hin sowie steigende Abo-Zahlen vor allem im Digitalen zu der Kehrtwende bei.

Wie Hass nun in einem Gespräch mit der dpa bekannt gab, lagen die Erlöse der Gruppe 2020 etwa 7 Millionen Euro unter der eigentlichen Jahresplanung und zugleich um rund 3 Prozent unter dem Umsatz des Vorjahres 2019. Der Gesamtumsatz des Medienhauses mit rund 1100 Beschäftigten lag 2019 bei 267,3 Millionen Euro. Genaue Zahlen zum Jahresabschluss und damit auch für den Gewinn werden für April und Mai erwartet.

"Im vierten Quartal haben wir eine Stabilisierung in der Vermarktung gesehen", sagte Hass der Nachrichtenagentur. "Der Bedarf und die Nachfrage nach unseren journalistischen Produkten waren groß." Und das, obwohl die Bereiche Bordexemplare und Bahnhofsbuchhandel weggefallen seien. 2020 habe sich der Verkauf des klassischen Magazins stabilisiert, in den Vorjahren sei das rückläufig gewesen. Es sei aber zu früh zu sagen, ob das ein langfristiger Trend ist. Und es habe eine sehr gute Entwicklung beim Digital-Abo-Angebot SPIEGEL+ gegeben.

Wie das Verlagshaus weiter bekannt gab, lag die verkaufte Auflage des wöchentlichen Nachrichtenmagazins lag im vierten Quartal 2020 nach Zahlen der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) bei 649.235 Exemplaren und damit um gut 6 Prozent unterhalb des Werts aus dem vierten Quartal 2019. Allerdings ist auffällig, dass es im Corona-Jahr einen großen Rückgang bei der Position der Bordexemplare an Flughäfen gab und im Gegensatz dazu die Zahl der Abonnenten um mehr als 5 Prozent wuchs.

Der Anteil der reinen digitalen Umsätze liege mittlerweile bei mehr als 30 Prozent bezogen auf den Gesamtumsatz, sagte Hass. In den vergangenen Jahren sei jährlich ein Anstieg um rund 5 Prozentpunkte verzeichnet worden. 2019 kamen mit 73,1 Millionen Euro annähernd 30 Prozent der Umsätze aus dem Digitalgeschäft mit Vermarktung und Vertrieb.

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Weiter investieren will die Spiegel-Gruppe in digitalen Journalismus. Stefan Ottlitz, Spiegel-Geschäftsführer, sagte über das Jahr 2020 im Vergleich zu 2019: "Nimmt man alle Steuereffekte wie zum Beispiel Mehrwertsteuersenkung für Digital-Abos raus, haben wir 6,5 Millionen Euro zusätzlichen Umsatz mit SPIEGEL+ gemacht." Zum Ausblick meinte er gegenüber der dpa: "Für 2021 nehmen wir uns 7 Millionen Euro vor."

Das Angebot SPIEGEL+ war 2018 gestartet. Im Herbst 2020 verzeichnete es laut Ottlitz 100.000 Vollzahler – der Verlag rechnet hier ausschließlich Abonnenten, die nur das digitale Angebot nutzen, im Monat ab 15 Euro zahlen und nicht in Kombination dazu ein Abo für das Nachrichtenmagazin haben. "Wir wollen bis in 2025 daraus 200.000 machen. Dann kriegen wir es hin, den Rückgang in den Standard-Anzeigenfeldern durch Wachstum in den Standard-Digitalabos aufzufangen", so Ottlitz.

Für 2021 ist zudem laut dpa ein Ausbau im Audiobereich geplant. "Wir werden versuchen, mit Audio-Zusatzabos auf ein weiteres und neues Nutzungsbedürfnis einzugehen", sagt Stefan Ottlitz. Es entstehe derzeit in der Verlagsgruppe ein digitales Angebot, das nur auf Sprache basiert. "Wir werden dort alle Texte aus dem Heft vorlesen lassen", sagte Ottlitz. Daneben seien weitere Funktionen und Angebote geplant, über die noch nicht geredet werden könne.

Hintergrund: Die Spiegel-Gruppe hatte im Frühjahr 2020 inmitten der Pandemie ihren Sparkurs von zunächst 10 Millionen Euro in einem ersten Schritt angekündigt. Dabei ging es zum Beispiel um die Kürzung von Marketing- und Beratungsbudgets oder den Stopp von Umbauten und Umzügen im Haus. Das Medienhaus will zudem in einem zweiten Schritt in den kommenden Jahren zusätzlich dauerhaft und in Etappen 10 Millionen Euro an Kosten senken. Zu dem Sparkurs zählt auch ein Vorruhestands- und Altersteilzeitmodell. Mehr als 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich nach Unternehmensangaben dazu entschlossen, das Modell zu wählen. Die Beschäftigten kommen aus den Bereichen Verlag, Dokumentation und Redaktion.

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