ProQuote Medien kritisiert die krasse Männer-Dominanz bei Regionalzeitungen

 

Zu viele Männer in den Führungsetagen von Regionalzeitungen in Deutschland: Dies kritisiert der Verein ProQuote Medien scharf. Eine aktuelle Studie kommt zu alarmierenden Ergebnissen.

Regionalzeitung präsentierten sich im Jahr 2021 "erschreckend häufig mit rein männlichen Führungsteams", sagte die Vereinsvorsitzende Edith Heitkämper am Donnerstag zur dpa. Das zeuge "von einem nicht sonderlich ausgeprägten Bewusstsein für gleichberechtigte Machtverteilung. Diese Benachteiligung von Frauen ist nicht mehr zeitgemäß und muss sich ändern".

Aktuell hat die Organisation ProQuote Medien mit Sitz im Hamburg, die sich seit ihrer Gründung im Jahr 2012 dafür einsetzt, dass mehr Frauen in Führungspositionen im Journalismus kommen, eine neue Analyse vor gestellt. Im Kern fasst sie die Ergebnisse von 16 strukturierte Interviews mit Regionalzeitungsjournalistinnen aus ganz Deutschland zusammen.

"Der Stillstand bei den Regionalmedien hat uns so erschreckt, dass wir dachten, wir müssen eine qualitative Studie machen. Wir wollten verstehen, warum da so eine Starre herrscht", sagt Studienleiterin Anna von Garmissen. Verkrustete Strukturen, Männerbünde oder Unvereinbarkeit von Privat- und Berufsleben, dazu sexistische Erfahrungen sowohl in den Redaktionen wie bei Lokalterminen. Das sind Erfahrungen, die Journalistinnen aus Regionalzeitungen in der neuen Studie von ProQuote Medien schildern, die heute der Öffentlichkeit via Livestream vorgestellt wurde.

In der anschließenden, teils digital teils vor Ort in einem Hamburger Studio geführten und von der NDR-Moderatorin Inka Schneider geleiteten Diskussion, bestätigten alle Chefredakteur*innen die Ergebnisse der Studie: Wenngleich sie auch alle darauf bestanden, dass es in ihren jeweiligen Redaktionen schon viel besser aussehe, da sie schon eine ganze Weile alles dafür täten, um noch mehr Frauen in Führung zu bringen.

Moritz Döbler, Chefredakteur der Rheinischen Post, bedankte sich deshalb auch für "den Druck", den ProQuote ausübt, denn er helfe dabei, die Redaktion und das Blatt "der Lebenswirklichkeit der Leser*innen" auch im Geschlechterverhältnis anzupassen.

Nina Könemann, stellvertretende Chefredakteurin des Mindener Tageblattes hob hervor, dass sie inzwischen "alle möglichen Arbeitszeitmodelle" im Angebot hätten, die es Männern wie Frauen ermöglichten Familie und Beruf zu vereinbaren. Auch Michael Garthe, Chefredakteur der Rheinpfalz, berichtete, dass er sich sicher sei, dass sie in den nächsten Jahren "große Schritte" vorankommen" und "bis 2025 die 40 Prozent erreichen" werden. Doch teils scheiterten solche Bemühungen auch daran, dass es "keine Bewerbungen" von Frauen gebe.

Das ist ein Satz, den die ProQuote-Vorsitzende Edith Heitkämper "nicht mehr hören kann": Die Ausrede, es habe sich keine Frau gefunden, "gilt nicht mehr", so Heitkämper: "Wir müssen uns fragen: Wie können wir die Stellen verändern, damit die Führung diverser und mit mehr Frauen besetzt wird?"

Eine Vorgehensweise, die in anderen Häusern offenbar schon bekannt ist. Swantje Dake, Chefredakteurin Digitales von der Stuttgarter Zeitung erklärte, dass sie inzwischen die Arbeitsplätze den Bewerber*innen "ganz individuell anpassen" - und dabei auch nicht mehr nur auf das Geschlecht achten, sondern auch in anderen Aspekten für Diversität sorgten. Ein weiterer Schritt dahin, die Redaktionen der Lebenswirklichkeit der Menschen anzupassen.

Hintergrund: Laut der neuen Studie "Männerdomäne Regionalpresse: Wo bleiben die Führungsfrauen?" liegt der Frauenmachtanteil in den Chefredaktionen der Lokal- und Regionalzeitungen bei rund zehn Prozent - und damit niedriger als in jeder anderen Mediengattung. Wieso schaffen es gerade in der Regionalpresse nur so wenige Frauen an die Spitze? ProQuote Medien hat 16 Interviews mit Regionalzeitungsjournalistinnen aus ganz Deutschland geführt und in einer qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Auf Grundlage der gesammelten Erkenntnisse wurde ein Katalog mit Verbesserungsvorschlägen für die Redaktionen entwickelt. Alle Inhalte gibt es hier nachzulesen.

Anna von Garmissen, Studienleiterin bei ProQuoteMedien und frühere Journalist-Chefredakteurin, ist auch als freie Autorin für kress.de und kress pro tätig.

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