Was Springer-Chef Mathias Döpfner in der Causa Julian Reichelt jetzt wichtig ist

09.03.2021
 

Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner hat sich an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewandt. Die Compliance-Untersuchung bei Bild sei noch nicht abgeschlossen. Julian Reichelt bestreite die Vorwürfe. Laut Spiegel hat sich Reichelt auch gegenüber seinem Team geäußert. Die Zeit will weitere Details zu der Untersuchung erfahren haben.

"Es ist für uns schwer, zu diesem Zeitpunkt im Detail Auskunft zu geben. Das können und dürfen wir bei einem laufenden Compliance- Verfahren auch nicht", schreiben Springer-Chef Mathias Döpfner und News-Vorstand Jan Bayer in der internen Mitteilung. Die Verantwortlichen versprechen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine zügige und zugleich sorgfältige Aufklärung. Und sie bestätigen, dass man externe Experten hinzugezogen habe, die den Vorwürfen nachgingen.

Am Montagnachmittag hatte der Spiegel geschrieben, dass sich Julian Reichelt, Chef der Bild-Zeitung, mit einer Untersuchung im eigenen Haus konfrontiert sieht (kress.de berichtete).

"Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Das bedeutet: Es liegt bislang kein Ergebnis vor, weder in die eine noch in die andere Richtung. Julian Reichelt bestreitet die Vorwürfe", informieren Döpfner und Bayer die Belegschaft. Und die Springer-Führungskräfte betonen: "Bitte glauben Sie uns, auch wir wollen so viel Transparenz wie möglich. Wir wollen, dass jeder ohne Angst auf mögliche Missstände und Fehlverhalten hinweisen kann. Wir werden aber keine Form der Vorverurteilung zulassen." Bei Axel Springer gelte: Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, egal welche Funktion und Stellung sie hätten, verdienten gleichermaßen Schutz und Fürsorge. "Für uns ist wichtig, dass wir bald Klarheit haben."

Laut Spiegel soll Julian Reichelt in einer morgendlichen Redaktionskonferenz gegenüber seinem Team bereits gesagt haben, dass der Vorwurf nicht stimmt. Das sei zum Glück in seinem Leben nicht der erste Tag, an dem er nicht wisse, wie er ausgeht, sagte Reichelt dem Spiegel zufolge. Deswegen gebe ihm das die nötige Gelassenheit, da mit erhobenem Kopf durchzugehen. Alles, was er in seinem Leben getan habe, habe er immer für diesen "Laden" getan und für die Leute dort, wird Reichelt weiter von den Spiegel-Autoren Isabell Hülsen, Alexander Kühn, Martin U. Müller und Anton Rainer zitiert.

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Auch Hannah Knuth und Holger Stark befassen sich in der kommenden Zeit-Ausgabe mit dem Thema Reichelt und Bild. Die Untersuchung habe die Boulevardzeitung aufgerüttelt; die Redaktion, beschäftige sich seit Tagen mit sich selbst und befinde sich in heller Aufregung.

Auslöser der Compliance-Untersuchung soll nach Zeit-Informationen die Meldung eines ehemaligen Autors des Axel-Springer-Verlags sein, der die Vorwürfe an die Führungsspitze herangetragen habe. Der Konzern habe daraufhin eine externe, im Strafrecht erfahrene Rechtsanwältin mit der Prüfung der Hinweise beauftragt, heißt es in der Zeit. In den vergangenen Wochen habe die Anwältin mehrere betroffene Frauen kontaktiert. Nicht jede von ihnen sei nach jetzigem Stand zu einer offiziellen Aussage bereit, berichtet Die Zeit.

Das Foto, das wir für diesen Artikel verwenden, stammt aus einem Axel-Springer-Podcast vom vergangenen Sommer. Damals sprach Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner mit Bild-Chefredakteur Julian Reichelt über die Kritikwelle, die der Zeitung entgegenschwappte. Es ging in dem Gespräch um Drosten, aber vor allem um die Person Julian Reichelt und auch um Unterstützung und Vertrauen bei Axel Springer.

Döpfner bezeichnete die zu kurze Frist, die die Bild dem Virologen Christian Drosten zur Beantwortung einer Recherche-Frage gegeben habe, als "dummen Fehler".

"Ich glaube, dass jede Kritik immer dazu führen sollte, Zweifel auszulösen", sagte Reichelt im Verlauf des Gesprächs zu Döpfner. Grundsätzlich, dass man sowieso, wenn man über so eine gewaltige Reichweite wie Bild verfüge, immer bis zu einem gewissen Grad an den eigenen Entscheidungen zweifeln müsse. Zweifeln im Sinne von Hinterfragen. "Wenn die Kritik zu massiv wird, sollte das einem in diesem Selbsthinterfragen bestärken", betonte Reichelt.

In dem Podcast kam auch die Kritik von Hauptaktionärin Friede Springer auf den Tisch, die zuvor in einer Runde mit Vorständen Bild-Berichte kritisiert hatte. "Wir haben das nicht dementiert, das ist in einem Haus der freien Meinungsäußerung absolut möglich", sagte Döpfner dazu - und weiter: "Bild ist hoch emotional und insofern darf und muss die Auseinandersetzung mit Bild auch emotional sein." Er habe mit Reichelt auch schon oft lebendige und lautstarke Auseinandersetzungen gehabt. "Aber ich glaube, das kann man auf Basis von grundsätzlicher und tief wurzelnder Unterstützung und Vertrauen auch gut aushalten und ich muss auch sagen, ich bin stolz darauf, dass wir in unserem Haus diese Kultur haben, dass das geht.

Zur Person: Julian Reichelt (40) ist Chefredakteur und Sprecher der Geschäftsführung von Bild. Seit 2002 und damit seit fast 20 Jahren ist Reichelt beim Konzern Axel Springer in unterschiedlichen Funktionen tätig.  Er arbeitete als Kriegsberichterstatter, wurde Chefreporter der Bild und stieg zum Online-Chef auf, bevor er 2017 Vorsitzender der Bild-Chefredaktionen wurde.

Lese-Tipp: Bereits vor mehr als drei Jahren wurde Bild-Chef Julian Reichelt mit einem Compliance-Vorwurf konfrontiert, der sich aber nicht erhärtete - berichtet kress pro.

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