Politisch gewollt: Die Sponsoring-Offensive bei der ARD

19.03.2021
 

Bei den Öffentlich-Rechtlichen werden immer mehr Sendungen gesponsert, berichtet Kai-Hinrich Renner in der Berliner Zeitung. Im neuen NDR-Staatsvertrag sollen Sponsoring und Produktplatzierungen sogar explizit erlaubt werden. Die Privatsender laufen dagegen Sturm - und eine große ARD-Anstalt verweigert sich noch.

Werbefreier öffentlich-rechtlicher Rundfunk? Im Gegenteil: "Zuletzt wurden vonseiten der Politik die Anstalten geradezu ermuntert, ihre Werbeaktivitäten zu verstärken. So wolle man den Beitragszahler entlasten, heißt es, der andernfalls einen höheren Rundfunkbeitrag zahlen müsse", schreibt Kai-Hinrich Renner in seiner Medienmacher-Kolumne in der Berliner Zeitung. Neuerdings werde auch mit der ausgebliebenen Beitragserhöhung argumentiert, die die Anstalten zumindest teilweise durch höhere Werbeeinnahmen erzielen sollten.

Neuester Höhepunkt dieser Entwicklung ist nach Renners Ansicht der aktuelle Entwurf zum neuen NDR-Staatsvertrag, der derzeit verhandelt wird: In ihm werde in Paragraf 38 nicht nur wie bisher schon die Zulässigkeit von klassischer TV- und Radiowerbung, sondern auch die von Produktplatzierungen und Sponsoring festgeschrieben, das es bisher im NDR überhaupt nicht gegeben habe, so Renner in seiner Kolumne.

Eine wichtige Rolle dabei schreibt Renner dem aktuellen Bericht der Finanzkommission KEF zu: "Zuletzt fiel den Finanzkontrolleuren auf, dass die Anstalten mit Sponsoring weniger Geld einnehmen, als sie angeblich könnten. Die von der ARD für die laufende Beitragsperiode geschätzten Einnahmen aus dieser Werbeform in Höhe von 106 Millionen Euro wurden von der KEF auf 112 Millionen Euro korrigiert."

Das erhöhe den Druck auf die bisherigen "Sponsoring-Verweigerer" NDR und WDR. Während der NDR diesem Druck nun nachgebe, halte der WDR ihm stand. Zumindest noch: Man prüfe "den möglichen Einsatz" von Sponsoring, "konkrete Pläne" gäbe es "jedoch noch nicht", wird ein WDR-Sprecher von Renner zitiert. 

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Auch Anstalten, die bereits Sponsoring sendeten, soll die KEF in die Pflicht nehmen: In einer "Sonderuntersuchung" soll sie moniert haben, dass im Hörfunk und in Online mit Ausnahme von MDR und HR kein Sender "Einnahmen aus Sponsoring/Werbung im Zusammenhang mit der Wetterberichterstattung" erzielt Laut Renner hat der RBB umgehend reagiert - für die Wetterberichte auf RBB 88,8 und bei Antenne Brandenburg gebe es nun Sponsoring-Partner.

Gegen die vermehrten Werbeaktivitäten laufen die Privatsender Sturm. Ihr Verband Vaunet lehnt Sponsoring bei ARD und ZDF grundsätzlich ab. Auf Wunsch norddeutscher Privatsender sei nun der Sponsoring-Passus im neuen NDR-Staatsvertrag um diesen Satz ergänzt worden: "Umfang und Struktur" der neuen Werbeform legten "die Staatsvertragsländer" fest, weiß Renner in seiner Medienmacher-Kolumne in der Berliner Zeitung. Die Privatkanäle hofften, dass sich so das Sponsoring beim NDR, wenn schon nicht stoppen, so doch begrenzen lasse.

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