Köpfe-Interview mit Stephanie Richter: Was deutsche Medienhäuser bei der Datenanalyse von Amazon lernen müssen

 

Digitales Werben wie an der Börse: Stephanie Richter, CEO von Adspert, setzt selbstlernende Algorithmen ein, um auf Plattformen wie Amazon, Google und Binge möglichst perfekte Ads zu platzieren. Von den Techniken, wie man passgenau Kundeninteressen trifft, sollten sich Verlage und Vermarkter schnellstens viel abschauen.

kress.de: Frau Richter, dass sich Amazon in der weltweiten Pandemie geschickt verhalten hat und als großer Gewinner gilt, wird nicht bezweifelt. Was macht das Unternehmen so viel besser?

Stephanie Richter: Amazons Motto "Alles beginnt beim Kunden!" zeigt bereits, dass sich das Unternehmen schon sehr früh auf die Bereiche Kundenservice und Verlässlichkeit spezialisiert hat. Und das ist meiner Meinung nach auch der ausschlaggebende Faktor für den großen Erfolg während der Corona-Pandemie. Denn geht etwas schief, wird der Kunde im Zweifel über den Verkäufer gestellt. Hinzu kommt die seit 2002 unheimlich große Produktvielfalt. Die Kombination aus der hohen Abwicklungs- und Versandgeschwindigkeit und der Möglichkeit, dass Drittanbieter ihre Produkte über Amazon verkaufen können, ist beinahe unschlagbar. Kein Wunder also, dass sich Amazon zum größten digitalen Warenhaus der westlichen Welt entwickelt hat.

kress.de: Sie haben sich auf die Optimierung von digitalen Anzeigenkampagnen spezialisiert. Welcher Kerngedanke ist für Sie der Schlüssel zu mehr Erfolg?

Stephanie Richter: Wir bei Adspert setzen Ad-Kampagnen bei den auktionsbasierten Plattformen Amazon, Google und Bing gewinnmaximierend und profitoptimiert um. Wir sorgen im Zuge dessen für Zeitersparnis bei der Erstellung der Advertising-Kampagnen und für Profitmaximierung. Adspert hat sich auf den mathematische Aspekt bei den Ad-Kampagnen spezialisiert. Es gibt viele unterschiedliche Targeting-Möglichkeiten einer Anzeige – wer, wann, wo, zu welcher Uhrzeit, etc. Hier gilt es, die richtige Kombination aus dieser Vielzahl an Möglichkeiten zu berechnen. Das kann man schon fast mit Schachspielen vergleichen.

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kress.de: Was können deutsche Digitalwerber von den Strategien von Amazon lernen?

Stephanie Richter: Allen voran ganz klar das Hervorheben des Kundennutzens. Das beginnt dabei, dass der Online-Shop einen entsprechenden Mehrwert bieten muss, das eigene Angebot auf die Anforderungen des Kunden zugeschnitten werden sollte und natürlich die reibungslose Customer Journey entlang der verschiedenen Touchpoints. Hier empfiehlt es sich, alle relevanten Daten im Unternehmen für Analysen einzusetzen.

"Online-Marketing ist wie der Börsenhandel, es werden auktionsbasiert Aktien bzw. Keywords gehandelt. An der Börse geht nichts mehr ohne KI. Der Mensch gibt lediglich die Rahmenbedingungen vor."

kress.de: Gerade beim automatisierten Umgang mit Datenvolumina hinken viele deutsche Unternehmen, gerade auch Medienhäuser, noch sehr hinterher. Mit welchen Argumenten machen Sie Media-Partnern und Vermarktern ihren KI-getriebenen Ansatz schmackhaft?

Stephanie Richter: Ich nutze dafür gerne die Analogie zur Börse, vielleicht auch weil das unser Hintergrund ist. Adspert hat viele Jahre automatischen Börsenhandel betrieben. Online-Marketing ist wie der Börsenhandel, es werden auktionsbasiert Aktien bzw. Keywords gehandelt. An der Börse geht nichts mehr ohne KI. Der Mensch gibt lediglich die Rahmenbedingungen vor.

kress.de: Welches Potenzial sehen Sie in der Datenanalyse für deutsche Medienhäuser und wo müssen Sie dringend etwa zu internationalen Mitbewerbern aufholen?

Stephanie Richter: Der große Fokus von Adspert auf die Optimierung von Amazon Advertising hat uns schnell nach China blicken lassen, denn: Rund 30 Prozent (Ergebnis einer Analyse von Marketplace Pulse) der Drittanbieter, die in Europa verkaufen, sind chinesische Unternehmen und on top sehr experimentierfreudig. Hier werden den gesamten Tag Daten analysiert und schnelle Experimente gestartet. Das sollten wir hier in Deutschland auch mehr machen.

kress.de: Viele Branchen müssen sich aus dem Corona-Schock und der Erstarrung erst wieder frei machen: Was sind für Sie die wichtigsten Wachstums- und damit auch Investitionsthemen in diesem Jahr?

Stephanie Richter: Da hat sich meiner Meinung nach – Corona hin oder her – nichts geändert: Es ist und bleibt nach wie vor die Digitalisierung. Viele Unternehmen wissen das, haben sich aber nicht konsequent um die Umsetzung gekümmert. Das startet bei der digitalen Personalakte, reicht bis hin zur IP-Telefonie auf dem Laptop und hört bei Aufgabenmanagementsystemen auf. Ein zusätzlicher Fokus liegt auch auf den Mitarbeitern. Dadurch, dass aktuell der Großteil der Belegschaft remote arbeitet, wird die Einbettung des sozialen Austausches untereinander zu einer großen Herausforderung in diesem Jahr.

"Ich habe frühzeitig das Netzwerken für mich entdeckt und somit auch die Möglichkeit, von den Erfahrungen anderer zu profitieren."

kress.de: Wenn Sie auf Ihren eigenen Werdegang zurückblicken: Welche Erfahrungen, möglicherweise sogar welche Vorgesetzte oder Mentoren, haben Sie am stärksten geprägt?

Stephanie Richter: Ich habe schon während des Studiums meine erste Firma mitgegründet und mir dadurch vieles im täglichen Business selbst beigebracht. Zudem habe ich frühzeitig das Netzwerken für mich entdeckt und somit auch die Möglichkeit, von den Erfahrungen anderer zu profitieren.

kress.de: Woher stammt Ihr ausgeprägtes Gründergen und was braucht man, um ein Geschäft wie das Ihre aufzubauen?

Stephanie Richter: Dazu kann ich drei Tipps geben: Zum einen das schnelle Überwinden von Niederlagen. Keine Gründung läuft reibungslos, früher oder später kommen Herausforderungen – kleine oder große. Da heißt es: Augen zu und durch! Im Zuge dessen ist natürlich auch eine optimistische Lebenseinstellung notwendig sowie Mut und einen steten Blick nach vorne.

kress.de: Die Herausforderungen nicht nur der zurückliegenden Wochen und Monate waren kräftezehrend: Wie sorgen Sie privat für Ausgleich, wo tanken Sie die Batterien wieder auf?

Stephanie Richter: Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ich habe mir beispielsweise eine mobile Sauna gekauft, die ich sehr regelmäßig nutze. Vor kurzem habe ich zudem eine Stadtrallye-App entdeckt, über die ich am Wochenende Berlin erkunde. Hier habe ich bereits einige überraschende Ecken gefunden, die mir sonst nicht aufgefallen wären. Dazu kommt natürlich on top die Bewegung an der frischen Luft.

kress.de: Was bringt Sie auf die besten Ideen?

Stephanie Richter: Ganz klar: Der Austausch mit Anderen zu business- und branchenrelevanten Themen. Diese Gespräche sind eine wahre Inspirationsquelle.

kress.de: Sie führen ein kressköpfe-Profil. Wie wichtig ist das Netzwerken für Sie?

Stephanie Richter: Netzwerken ist für mich absolut essentiell. Ein Beispiel: Bei einem CEO-Dinner in der Medienbranche habe ich einen jungen Gründer kennenlernt, der mich mit seiner Idee begeisterte. Aus dem Gespräch ist so ein Mentorship entstanden. Wir tauschen uns nun in regelmäßigem Abstand aus und ich kann ihm viel von meiner Erfahrung weitergeben. Im Gegenzug profitiere ich von seinen Nachfragen und natürlich vom Austausch an sich. Deshalb ist gutes Netzwerken für mich auch ein Geben und Nehmen.

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