ARD-Chef Tom Buhrow guckt in die Zukunft - und sieht eine einzige, große öffentlich-rechtliche Mediathek

23.03.2021
 

Der Intendant des Westdeutschen Rundfunks, Tom Buhrow, skizziert in einem FAZ-Gastbeitrag, wo die ARD im Jahr 2030 stehen wird. Buhrow erwartet eine einzige große Mediathek des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland.

Der Intendant des Westdeutschen Rundfunks und ARD-Vorsitzende, Tom Buhrow, bezieht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Stellung zur gegenwärtigen rundfunkpolitischen Debatte über die Reform von ARD, ZDF und Deutschlandradio. Dabei entwirft er ein Konzept für die "ARD 2030". Dessen Leitsätze lauten: "Die ARD ist auf dem Weg zum non-linearen Content-Netzwerk." Und: "Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist 2030 eine Open Source im Netz für wertvolle und vertrauenswürdige Inhalte." Dafür müsse die Politik den gesetzlichen Rahmen der Sender flexibler gestalten.

Wolle man Kosten senken, müsse man den "Rundfunkbeitrag von Kosten bereinigen, die mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk nichts zu tun haben", sagt Buhrow. Bisher gehe es zum "Beispiel zu Lasten der Beitragszahler und -zahlerinnen, wenn finanziell schwächer Gestellte den Rundfunkbeitrag nicht aufbringen können. Ist das nicht eigentlich Aufgabe der Sozialkassen?" Auch die Landesmedienanstalten würden über den Rundfunkbeitrag finanziert.  Die beiden Beispiele kosteten die Beitragszahler zusammen 1,60 Euro im Monat.

Man solle die Debatte über eine Reform "nicht am Ist-Zustand auszurichten, sondern an einem Zukunftsbild. Also nicht zu fragen: "Was passt mir am gegenwärtigen System nicht?", sondern: "Was erwartet die Gesellschaft in Zukunft vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Wir starten dazu im Mai einen ARD-Zukunftsdialog, in dem wir die Bürgerinnen und Bürger selbst dazu fragen."

Die ARD werde 2030 "noch stärker vor Ort in den Regionen" sein und "kooperiert dort vermehrt mit Einrichtungen aus Wissenschaft, Kultur und Bildung sowie privaten Medienhäusern", schreibt Buhrow. Sie arbeite "weniger aus großen Landesfunkhäusern oder Studios, sondern mobil, aus kleinen Büros". Die Inhalte der ARD holten sich Nutzerinnen und Nutzer "aus einer einzigen, großen öffentlich-rechtlichen Mediathek". "Spartenkanäle im linearen Fernsehen", so Buhrow weiter, "sind 2030 größtenteils Geschichte und werden in dieser Mediathek aufgegangen sein".

Auch der Hörfunk sei im Wandel: "Etliche Audioangebote werden ins Netz wandern und die UKW-Welt verlassen." Für die UKW-Verbreitung  "werden Politik und Sender bis 2030 eine Ersatz-Lösung finden". Dafür müssten "klare Rahmenbedingungen für alle Marktteilnehmer verabredet werden". "UKW wäre dann nur noch eine Havarietechnik für Krisenfälle". "Durch die neue grenzenlose Technik", so Buhrow weiter, "müssten nicht Dutzende regionale Hörfunkwellen unterhalten werden. Weitgehende Kooperationen unter den Landessendern und mit dem Deutschlandradio wären möglich. Bisher ist dem ein gesetzlicher Riegel vorgeschoben."  Auch "für die Orchester, Big Bands und Chöre der ARD bedarf es einer Zukunftskonzeption", meint Buhrow und verweist auf das Modell einer Trägergesellschaft, wie es sie in Berlin mit  dem Deutschlandradio, rbb, dem Bund und dem Land Berlin gibt.

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