Ich entschuldige mich: Lovemobil-Regisseurin gibt Deutschen Dokumentarfilmpreis zurück

25.03.2021
 

Die Preisträgerin des Deutschen Dokumentarfilmpreises 2020, Elke Lehrenkrauss, gibt ihren Preis zurück. Die Regisseurin bereut schwerwiegende Fehler und entschuldigt sich.

Elke Lehrenkrauss zieht damit die Konsequenz aus den nicht gekennzeichneten Passagen in ihrem Film "Lovemobil, in denen sie Darstellerinnen und Darsteller eingesetzt hatte. Der NDR, der die Doku mitproduzierte hatte die Unstimmigheiten zuvor öffentlich gemacht. Lovemobil wurde vorerst aus der ARD Mediathek entfernt und für Wiederholungen gesperrt.

Lehrenkrauss teilte gegenüber dem SWR mit: "Hiermit gebe ich den Deutschen Dokumentarfilmpreis 2020 nebst der damit verbundenen Geldprämie zurück. Ich habe bei der Realisierung meines Films 'Lovemobil' schwerwiegende Fehler gemacht, die ich zutiefst bereue und deren Ausmaß mir gerade selbst erst klar wird. Die Teilnahme meines Films ohne entsprechende Kennzeichnung und Offenlegung seiner Machart stellt eine Wettbewerbsverzerrung dar. Mir ist klar, dass ich die entstandene Frustration und Enttäuschung bei Preisgebern, Juroren und Kollegen damit nicht rückgängig machen kann. Das bedauere ich sehr. Ich entschuldige mich in aller Form bei allen Beteiligten, sowie allen Zuschauer*innen. Die Rückgabe des Deutschen Dokumentarfilmpreises ist mein erster Schritt, aus diesem Fehler zu lernen und meiner Branche und dem Deutschen Dokumentarfilmpreis nicht weiter durch diesen Film zu schaden."

Die Leiterin des SWR Doku Festivals, Irene Klünder, zeigt sich "erleichtert" über die Rückgabe des Preises. "Elke Lehrenkrauss hat ihre Konsequenzen gezogen und sich entschuldigt. Das verdient Respekt und sollte ihr auch eine Zukunft ermöglichen. Zugleich ist dies eine Chance für den Dokumentarfilm, in dem offen die Transparenz und die Frage nach Authentizität diskutiert wird."

Da der Preis im Jahr 2020 geteilt wurde, steht nun das zurückgegebene hälftige Preisgeld von 10.000 Euro nach SWR-Angaben Feras Fayyad, dem Regisseur des anderen preisausgezeichneten Films "The Cave - Eine Klinik im Untergrund" zu.

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Hintergrund: Bereits am Dienstag hatte die zuständige Nominierungskommission die Nominierung von "Lovemobil" für den renommierten Grimme-Preis zurückgezogen (kress.de berichtete).

Nach NDR-Angaben soll der Film zwar auf Basis von langjährigen Recherchen der Autorin entstanden sein, zentrale Protagonistinnen des Films schilderten aber nicht ihre persönlichen Erfahrungen, "sondern spielen eine Rolle. Zahlreiche Situationen sind nachgestellt oder inszeniert".

Die Regisseurin hatte danach dpa bestätigt, an einzelnen Stellen die mit wirklichen Prostituierten recherchierten Begebenheiten mit Darstellerinnen nacherzählt zu haben, um die Frauen zu schützen, oder weil eine Filmaufnahme am Ende nicht möglich gewesen sei. "Im Film ist nichts ausgedacht, was es so nicht gibt. Wir haben es nur mit Darstellerinnen nacherzählt." Als Fehler bezeichnete sie, dass man den Film nicht entsprechend gekennzeichnet habe.

In "Lovemobil" geht es um das Leben von Prostituierten in Wohnmobilen am Rande von Bundesstraßen in Niedersachsen. Der Film kam im Frühjahr 2020 in die Kinos und lief auf Festivals. Das NDR Fernsehen zeigte ihn im Dezember.

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