Medienstaatssekretärin Heike Raab: Keine Fusion von ARD und ZDF

25.03.2021
 

Die Medienstaatssekretärin von Rheinland-Pfalz, Heike Raab (SPD), geht im FAZ-Interview auf die Vision für eine "ARD 2030" des WDR-Intendanten Tom Buhrow ein. Einer Fusion von ARD und ZDF erteilt Raab eine Absage. Trotzdem müsse der öffentlich-rechtliche Rundfunk seine Distributionswege verändern - Netflix und Amazon machten es vor.

Die Medienstaatssekretärin Heike Raab antwortet auf Tom Buhrows Vision für eine "ARD 2030": Sie "freut sich, dass auch in der ARD die Flexibilisierung des Auftrags begrüßt wird. Wir hatten dies - wie auch eine gemeinsame öffentlich-rechtliche Plattform - bereits 2019 in unseren Eckpunkten aufgenommen", sagt Raab im Interview mit der FAZ.

"In einer digitalen Mediengesellschaft müssen ARD, ZDF und Deutschlandradio mehr sein als nur Fernseh- und Radiosender. Was wir brauchen, ist Content mit öffentlich-rechtlichem Profil, der Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung klug miteinander verbindet, und eine bessere Vernetzung der Angebote. Wir müssen weg von einer durch die Brille der linearen Verbreitung vorgeprägten Sichtweise mit starren gesetzlichen Festlegungen bis hin zu den Namen der einzelnen Programme", betont die Medienstaatssekretärin von Rheinland-Pfalz.

Als Beispiel für mehr Flexibilität nennt Raab die Plattform "funk". Heute nutzten siebzig Prozent der Vierzehn- bis Neunundzwanzigjährigen die inzwischen deutlich mehr als hundert Formate bei "funk". Mit dem im Mai 2019 in Kraft getretenen 22. Rundfunkänderungsstaatsvertrag haben die Rundfunkanstalten laut Raab noch einmal mehr Möglichkeiten erhalten, ihre Angebote im Netz zeitgemäß fortzuentwickeln und diese besser untereinander und mit Kultur- und Bildungseinrichtungen zu vernetzen.

Künftig sollen nur noch die Hauptprogramme festgeschrieben werden. Die Entscheidung über die Spartenkanäle, wie One oder ZDFinfo, soll in der Verantwortung der  Sendergruppen liegen. "Die Hauptprogramme werden weiterhin linear und nonlinear genutzt, die Spartenangebote dagegen zunehmend über die Mediatheken. Mit dem neuen Telemedienauftrag haben die Anstalten hier bereits mehr Freiräume. Das führt auch dazu, dass die Bürgerinnen und Bürger diese Plattformen stärker nutzen. Deshalb ist geplant, nur noch einen Teil der Programme konkret zu beauftragen", erklärt Raab in der FAZ. Die öffentlich-rechtlichen Angebote sollen sich demnach zunehmend auf einer Plattform befinden, die das zeitunabhängige Abrufen von Inhalten, das mobile Streamen, aber auch die Nutzung auf dem Fernseher ermögliche. Eine größere Flexibilität bedeute, künftig nicht nur auf die lineare Verbreitung zu setzen, sondern alle Distributionswege in den Blick zu nehmen.

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Raab führt weiter an, dass sich Ministerpräsidentin Malu Dreyer, als Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder, und sie als Koordinatorin der Rundfunkkommission, schon seit langem für eine einheitliche öffentlich-rechtliche Plattform aussprechen würden: Die Verlinkung der ARD- und ZDF-Mediathek könne nur ein erster Schritt in diese Richtung sein. Das sei weder ein gemeinsames Netzwerk noch eine einheitliche Plattform. Die globalen Streaminganbieter konzentrierten ihre Angebote in einer einzigen App, während die öffentlich-rechtlichen Sender ihre Programme über Dutzende Apps verstreuten. Die Nutzer suchten aber vor allem nach bestimmten Inhalten oder Namen von Serien oder Filmen und nicht nach Sendergruppen. Deshalb müsse der öffentlich-rechtliche Rundfunk seine Distributionswege verändern, wird Heike Raab in der FAZ deutlich.

Einer Fusion der Sendergruppen erteilt sie eine Absage: "Die Inhalte, die ARD, ZDF und Deutschlandradio produzieren - sicher auch in einer stärkeren Kooperation -, sollen online einheitlich präsentiert und für die Nutzer damit leichter zu finden sein. Auch Netflix oder Amazon bieten ein unterschiedliches Portfolio, aber es ist alles auf einen Zugriff, auf einer App zu finden."

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