Dunkle Wolken über der SWMH

 

Nach Recherchen von kress pro liefen die Geschäfte der SWMH vor Corona überraschend schlecht. Außerdem drückt eine bedrohliche Schuldenlast den von Christian Wegner geführten Konzern. Immerhin: Die Süddeutsche Zeitung sorgt für Lichtblicke.

Aus dem verschwiegenen Reich der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) dringt nur selten etwas nach außen. Insofern hat es Neuigkeitswert, wenn der Konzern seine Bilanz für das Vor-Corona-Jahr 2019 über den Bundesanzeiger veröffentlichen muss. Darin meldet der Konzern, der sich in die drei Bereiche "Süddeutsche Zeitung" ("SZ"), Regionalmedien (u.  a. "Stuttgarter Zeitung") und Fachinformationen gliedert, überraschend schwache Zahlen. Der Umsatz gab trotz Zukäufen um 21,6 Millionen Euro auf rund 922,7 Millionen Euro nach (minus 2,3 Prozent). Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) halbierte sich gar von 90,8 Millionen Euro (2018) auf 48,7 Millionen Euro (2019). Das entspricht einer mageren Marge von 5,3 Prozent und liegt "deutlich unterhalb der Planungen", wie der Bericht im Bundesanzeiger vermerkt.

Die Frage, warum das Ergebnis so schwach ausfiel, wie auch alle anderen Fragen von kress pro (das neue Heft jetzt im Shop) mochte die SWMH nicht beantworten. Bei den Regionalmedien musste der Konzern nur leichte Rückgänge hinnehmen, heißt es im Bundesanzeiger. Bei der "SZ" dagegen und vor allem bei den Fachinformationen waren die Rückgänge empfindlich.

Nicht nur operativ stotterte der Motor, ein zweites Problem belastet den Konzern, seit man sich 2008 viel zu teuer die "Süddeutsche Zeitung" einverleibte: eine hohe Schuldenlast. Rund 210,7 Millionen Euro an Bankverbindlichkeiten bilanziert die SWMH 2019. Dazu kommen noch einmal 133,7 Millionen Euro an sonstigen Verbindlichkeiten (u.a. Gesellschafterdarlehen). Die Konzerneigenkapitalquote beträgt gerade noch 13,1 Prozent.

Die Gesellschafterstruktur der SWMH ist kompliziert. Die Medienunion der Verlegerfamilie Schaub (u.  a. "Rheinpfalz") und die Gruppe Württembergischer Verleger halten jeweils rund 47,5 Prozent der Anteile. Letztere Gruppe setzt sich aus mehr als drei Dutzend Anteilseignern zusammen, vorwiegend Verleger oder Verlagserben aus dem Südwesten. Gerade in diesen Kreisen werden die Sorgenfalten tiefer. Zuletzt habe die SWMH nur noch die Zinsen für das Gesellschafterdarlehen gezahlt, nicht mehr aber die vereinbarte Tilgung geleistet, erzählt einer. Ein anderer klagt, man habe seit dem Kauf der "SZ" keine Dividende mehr erhalten. Ein Investment sei die Beteiligung an der SWMH schon lange nicht mehr.

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Immerhin: Im Coronajahr 2020 verschärfte sich der Abwärtstrend nicht, sondern die Geschäfte liefen sogar "deutlich besser", behauptet man zumindest hinter den Kulissen. Vielerorts griffen demnach die Programme zur Kostensenkung. Die Fachinformationen und die Regionalmedien sollen angesichts des Krisenjahrs ganz passabel gelaufen sein. Ausgerechnet die "Süddeutsche", traditionell mit einer Ebitda-Marge von rund 10 Prozent das renditeschwächste Geschäft, sorgte dank des wachsenden Digitalvertriebs für einen Lichtblick.

Zudem arbeitete das Management im vergangenen Jahr unter Hochdruck daran, die Kosten weiter runterzudrehen und Verlustbringer loszuwerden. So wurde etwa im Bereich der Fachmedien der chronisch schwer defizitäre Titel "Werben und Verkaufen" an die Ebner Media Group abgestoßen, deren Eigner auch Gesellschafter des Konzerns ist.

Eigentlich hatte SWMH-Chef Christian Wegner im Herbst 2019 angekündigt, in den kommenden beiden Jahren mehr als 100 Millionen Euro zu investieren. Schon damals fragte man sich in Gesellschafterkreisen, woher das Geld für die Investitionen und die Erfüllung der "vollmundigen Versprechen" kommen soll. Die Frage bleibt aktuell.

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