Julian Reichelt kehrt als Bild-Chefredakteur zurück - künftig Doppelspitze mit Alexandra Würzbach

25.03.2021
 

Der Untersuchungsbericht des Compliance-Verfahrens bei Axel Springer liegt vor. "Auf Basis der vorliegenden Erkenntnisse" hat der Vorstand von Axel Springer beschlossen, dass Julian Reichelt seine Arbeit als Chefredakteur fortsetzen darf - künftig allerdings in einer Doppelspitze mit Alexandra Würzbach. Reichelt selbst gesteht einen Fehler ein.

Die am 12. März 2021 auf Wunsch von Julian Reichelt erfolgte Freistellung wird mit sofortiger Wirkung aufgehoben, teilt Axel Springer am Mittag mit.

Die Redaktionsleitung wird ab sofort als Doppelspitze neu aufgestellt: Alexandra Würzbach, 52, derzeit Chefredakteurin der Bild am Sonntag und Mitglied der Chefredaktion der Bild-Gruppe, wird gleichberechtigte Vorsitzende der Bild-Chefredaktionen. Julian Reichelt wird sich künftig auf die Schwerpunkte Bild Print und digital sowie Bild Live konzentrieren. Die Schwerpunkte von Alexandra Würzbach werden die Bild am Sonntag sowie das übergreifende Personal- und Redaktionsmanagement sein. Für die inhaltliche Ausrichtung aller Produkte der Bild-Gruppe sind Alexandra Würzbach und Julian Reichelt gemeinsam verantwortlich. Mehr über Alexandra Würzbach.

Zum Compliance-Verfahren teilt Springer mit: "Im Kern der Untersuchung standen die Vorwürfe des Machtmissbrauchs im Zusammenhang mit einvernehmlichen Beziehungen zu Mitarbeiterinnen sowie Drogenkonsum am Arbeitsplatz. Entgegen der in einigen Medien kolportierten Darstellung gab es keine Vorwürfe und auch im Untersuchungsverfahren keine Anhaltspunkte für sexuelle Belästigung oder Nötigung." Julian Reichelt habe die Vermischung von beruflichen und privaten Beziehungen eingeräumt, die oben genannten Vorwürfe jedoch bestritten und dies auch eidesstattlich versichert.

Weiter heißt es: "Der Vorstand ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es nicht gerechtfertigt wäre, Julian Reichelt aufgrund der in der Untersuchung festgestellten Fehler in der Amts- und Personalführung - die nicht strafrechtlicher Natur sind - von seinem Posten als Chefredakteur abzuberufen. In die Gesamtbewertung sind auch die enormen strategischen und strukturellen Veränderungsprozesse und die journalistische Leistung unter der Führung von Julian Reichelt eingegangen."

Tipp: Das Wichtigste aus den Medien - einmal am Tag: Jetzt den kressexpress bestellen.

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer, erklärt: "Um die Wahrheit herauszufinden, hatten wir zu unterscheiden zwischen Gerüchten, Hinweisen und Beweisen, dabei keine Vorverurteilung vorzunehmen, Privates und Berufliches grundsätzlich zu trennen und die von einigen betroffenen Hinweisgebern gewünschte Vertraulichkeit zu wahren. Wir sind nach gründlicher Abwägung zur Überzeugung gelangt, dass es richtig ist, dass Julian Reichelt nun in einer Doppelspitze mit Alexandra Würzbach seine Arbeit fortsetzen kann. Er hat Fehler gemacht. Nach allem, was im Zuge der Untersuchungen zum heutigen Tage bekannt geworden ist, halten wir eine Trennung aber für unangemessen. Danken möchten wir ausdrücklich denjenigen, die uns mit ihren Hinweisen geholfen haben."

Döpfner weiter: "Uns ist klar: Auch wenn es keinen rechtlichen Handlungsbedarf gibt, besteht Änderungsbedarf bei der Führungskultur in der Bild-Redaktion. Wir wollen und müssen aus dieser Erfahrung lernen und besser werden. Der Vorstand ist überzeugt, dass ein moderner unangepasster Boulevardjournalismus und eine zeitgemäße Führungskultur kein Widerspruch sind. Wir sind sehr froh, dass wir Alexandra Würzbach gewinnen konnten, um künftig gleichberechtigt neben Julian Reichelt die Bild-Chefredaktionen zu leiten."

Julian Reichelt selbst ist "erleichtert und froh", jetzt wieder in die Redaktion zurückzukehren, er gesteht aber auch Fehler ein: "Die Solidarität und der Zuspruch, die ich in den letzten Wochen erfahren habe, haben mich berührt und machen mich dankbar. Ich weiß, ich habe im Umgang mit Kolleginnen und Kollegen Fehler gemacht und kann und will das nicht schönreden. Was ich mir vor allem vorwerfe ist, dass ich Menschen, für die ich verantwortlich bin, verletzt habe. Das tut mir sehr leid. Rückwirkend kann ich das nicht mehr ändern, aber ich werde meine Chance jetzt nutzen und mich dafür einsetzen, gleichberechtigt mit Alexandra Würzbach und gemeinsam mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als ein Team eine neue Unternehmenskultur für Bild zu schaffen und vorzuleben."

Tipp: Wurden klare Linien gezogen? Warum Springer den problematischen Führungsstil viel zu lange toleriert hat. Jetzt im neuen kress pro.

Sie möchten exklusive Medienstorys, aktuelle Debatten und Top-Personalien lesen? Dann bestellen Sie bitte unseren kostenlosen kressexpress. Jetzt für den täglichen Newsletter anmelden.

Ihre Kommentare
Kopf
Weitere Beiträge zu diesem Thema
Inhalt konnte nicht geladen werden.