Nach dem Protest der Tamedia-Journalistinnen: Externe Firma soll Sexismus-Vorwürfe untersuchen

29.03.2021
 

Tamedia reagiert auf den Protestbrief von 78 Journalistinnen: Das Schweizer Medienhaus lässt Sexismusvorwürfe untersuchen. Das kündigte der Tamedia-Chefredakteur Arthur Rutishauser an.

78 Journalistinnen der Tamedia-Gruppe beklagten in einem Brief an Chefredaktion und Geschäftsleitung, dass Frauen im Unternehmen ausgebremst, zurechtgewiesen und schlechter bezahlt würden als Männer (kress.de berichtete). Im Anhang des Schreibens werden seitenweise konkrete Beispiele dokumentiert, etwa sexistische Äußerungen und Beleidigungen. So fallen demnach Sätze wie: "Du bist hübsch. Du bringst es sicher noch zu was." Außerdem wird ein Mann zitiert, der sich äußerte, als ein Kind im Homeoffice der Kollegin zu hören war: "Bei Dir im Hintergrund schreit ein Kind, habe ich das mit Dir gezeugt?"

Der Kritik haben sich weitere Journalistinnen angeschlossen. Mehr als 100 Männer solidarisierten sich mit ihnen.

Tamedia-Chefredakteur Arthur Rutishauser, Tamedia-Chefredakteur sagte nun in der Sendung Medientalk des Schweizer Rundfunks SRF, dass keine Hinweise auf körperliche Übergriffe vorlägen. Aber "Wir haben offenbar Leute, die sich nicht so im Griff hatten in letzter Zeit, die irgendwelche sexistischen Sprüche machten". Das sei "absolut untolerierbar". Die Tamedia-Gruppe will eine externe Firma mit der Untersuchung beauftragen. "Die Firma soll untersuchen, was da genau vorgefallen ist, ob das gravierend ist und ob es eine Systematik hat", so Rutishauser. Welche Firma mit der Angelegenheit betraut wird, sei derzeit noch unklar - die Zusage fehle noch.

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Auch Verwaltungsratspräsident und TX-Group-CEO Pietro Supino zeigte sich betroffen von dem Protestbrief. "Wir haben das Schreiben sehr aufmerksam gelesen und nehmen es sehr ernst. Wir sind sehr betroffen über die im Brief beschriebenen Vorkommnisse, von denen wir nicht wussten", sagte er zu persoenlich.com.

Hintergrund: Tamedia wurde 1893 mit dem "Tages-Anzeiger" gegründet. Heute umfasst es ein großes Redaktionsnetzwerk mit einem Dutzend Zeitungen und Zeitschriften und 1800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es gehört zur Mediengruppe TX Group, die auch in anderen europäischen Ländern tätig ist.

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