Dokumentarfilmer Marc Wiese wehrt sich juristisch gegen Zeit-Bericht

13.04.2021
 

Seit der Dokumentarfilm "Lovemobil" als Inszenierung aufflog, schlagen die Wellen in der Branche hoch. "Die Zeit" will einen neuen "Fall" ausgemacht haben. Doch bei "Die Unbeugsamen" liegt die Sachlage wohl anders als bei "Lovemobil". Der Regisseur, Marc Wiese, sieht seine Glaubwürdigkeit angegriffen und wehrt sich juristisch. 

Der Film "Die Unbeugsamen - Gefährdete Pressefreiheit auf den Philippinen" von Marc Wiese, den sich die Autorin Katja Nicodemus in der aktuellen "Zeit" vornahm, ist für den Grimme-Preis nominiert. Und er bleibt es auch. Das hat einen Grund, wie Michael Hanfeld in einem FAZ-Beitrag betont.

"Die Vorwürfe nämlich, welche die 'Zeit' dem renommierten Dokumentarfilmer Wiese macht, sollte man sich schon genauer ansehen. Der wesentlichste Einwand lautet, Wiese habe das Interview mit einem Auftragsmörder, der vor der Kamera zugibt, auf Anweisung des heutigen Präsidenten Rodrigo Duterte Menschen getötet zu haben, gar nicht selbst geführt. Das freilich hat Wiese auch nie behauptet. Er hat im Gegenteil darauf hingewiesen, dass er das Gespräch nicht selbst führte, sondern dies ein lokaler Producer übernahm, mit dem er zusammengearbeitet hat", macht FAZ-Redakteur Hanfeld deutlich. Im Film sei im Off-Kommentar zwar Wieses Stimme zu hören, damit sei aber nicht die Behauptung verbunden, dass er selbst der Interviewer vor Ort gewesen sei. "Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied. Der Produzent des Films habe dies so gewollt, der auftraggebende Südwestrundfunk sei, wie Wiese im Gespräch sagt, informiert gewesen", so Hanfeld weiter. Der SWR habe das der FAZ bestätigt.

Derweil hat der Anwalt von Marc Wiese nach Informationen der FAZ die "Zeit" zuerst um Unterlassung ersucht und am Montag beim Landgericht Berlin eine einstweilige Verfügung beantragt. Die "Zeit" wolle aber bei ihrer Lesart bleiben: In der Dokumentation "Die Unbeugsamen" von Marc Wiese werde "durch die Art und Weise der Darstellung des Interviews mit dem Auftragskiller der Eindruck erweckt, Marc Wiese habe das Interview persönlich geführt", berichtet Michael Hanfeld unter Verweis auf Anwälte der "Zeit".

"In Fällen wie diesem ist es unserer Erfahrung nach ratsam, Vorsicht walten zu lassen, insbesondere, wenn es um Vorwürfe geht, die einem Dokumentarfilmer wie Marc Wiese, der seit mehr als fünfundzwanzig Jahren im Geschäft und in den Krisengebieten der Welt unterwegs ist, dekoriert mit Preisen, das einzige Kapital zu entziehen suchen, das er hat: seine Glaubwürdigkeit", meint Hanfeld in seiner Einordnung.

Der Journalist René Martens, Vorsitzender der zuständigen Nominierungskommission des Grimme-Preises, kommentiert in dem Beitrag Ein Skandal, der keiner ist, der in der MDR-Kolumne "Altpapier" erschienen ist: "Die Zeit versucht in ihrer aktuellen Ausgabe, die Debatte um 'Lovemobil' auf einen weiteren Dokumentarfilm auszudehnen, und verlässt sich dabei auf einen nicht zwingend vertrauenserweckenden Informanten, der schon bei vielen anderen Institutionen abgeblitzt ist."

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