Böhmermann nimmt Medienhäuser mit Magazin aufs Korn - wie die Verlage reagieren

19.04.2021
 

Jan Böhmermann hat es bei einer Satire-Aktion mit einem zum Verwechseln ähnlich aussehenden Magazin in die Kioskregale unter die Illustrierten zu Promis, Adel und Showbusiness geschafft. Böhmermanns "Freizeit Magazin Royale" dreht sich allerdings nicht um die üblichen Stars und Sternchen, sondern um Verlegerinnen und Verleger großer Medienhäuser. Was diese zu der Aktion sagen.

Wie dpa berichtet, lag die Sonderausgabe am Samstag vielerorts im Supermarkt und im Kiosk aus, das Heft sei von seiner Aufmachung her auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden gewesen von den Unterhaltungs-Zeitschriften. Freizeit Magazin Royale dreht sich allerdings nicht um die üblichen Stars und Sternchen, sondern um Verlegerinnen und Verleger großer Medienhäuser, die hinter den umgangssprachlich auch als Regenbogenpresse bezeichneten Blättern stehen, darunter Yvonne Bauer und Hubert Burda. ZDF-Satiriker Jan Böhmermann will mit der Parodie - "Deutschlands einzig wahrem Klatsch-Magazin" - samt offensichtlich falschen Gerüchten und überspitzten Falschnachrichten in knalligen Überschriften Arbeitsweisen in der Branche kritisieren.

Bei YouTube gibt es auf der Seite von "ZDF Magazin Royale" das Video zu der Böhmermann-Satire. Dort heißt es: "Geschäfte machen mit Lügen und menschenfeindlichen Geschichten unter dem Deckmantel der Pressefreiheit? Das geht nur bei Magazinen mit 'Neue', 'Freizeit' oder 'Woche' im Namen. Hubert Burda Media, Medienholding Klambt, Funke Mediengruppe, Bauer Media Group und Co. erreichen mit Skandal-Schlagzeilen sagenhaftem Reichtum & schockierende Auflagezahlen. Doch welche süßen Geheimnisse verstecken Deutschlands Verlegerinnen und Verleger?"

Böhmermann schreibt im Editorial des Magazins: "Sie sind schön, sie sind reich, sie sind mächtig - doch warum scheuen sie das Licht der Öffentlichkeit? Welche süßen Geheimnisse verstecken Deutschlands Verlegerinnen und Verleger? Todesangst? Hirnschlag? Qualitätsjournalismus? Steckt hinter dem düsteren Doppelspiel von Hubert Burda Media, Medienholding Klambt, Funke Mediengruppe oder Bauer Media Group eine unheilbare Geldsucht? Das neue FREIZEIT MAGAZIN ROYALE öffnet erstmals in der deutschen Pressegeschichte das Tor zur ganz privaten Welt von Deutschlands gierigsten Abschaumschlägerinnen.
Schön und skrupellos: Verlagserbin Yvonne Bauer -Tränen wegen Totgeburt
Oder ist ihr einfach nur bei der Spazierfahrt in einem pfirsichfarbenen Luxus-Cabrio eine Gewitterfliege ins Auge geflogen?
Sorge um Klambt-Patriarch Lars Joachim Rose - Krebs
Oder ist er Jungfrau oder Steinbock?
Angst um ihr Augenlicht! Funke-Aufsichtsrätin Julia Becker -
erblindet bis ans Lebensende
Oder liest sich die erfolgreiche Blondine einfach nur lieber nicht so genau durch, was die Zeitschriften ihrer Mediengruppe schreiben?

Wir ahnen die schockierenden Antworten auf diese traurigen Fragen!
Wenn Omas bittere Tränen weinen, steigt ihr Kontostand: Doch was fühlen die Macherinnen und Macher von Deutschlands beliebtesten Schund- und Schmuddelmagazinen, wenn wieder Todespost vom Rechtsanwalt auf sie wartet? Wie bunt ist das verborgene Privatleben der Stars der deutschen Regenbogenpresse wirklich? Kennen sie tatsächlich weder Anstand und Moral noch das Presse- und Persönlichkeitsrecht - oder ist der Teufel Alkohol an allem Schuld? Wachgeküsst aus dem Koma? Ja! Das FREIZEIT MAGAZIN ROYALE rettet das kleine Leben der hirntoten Printbranche! Hurra! Ein Wunder! Also: vielleicht. Denn: Schockierende Auflagenzahlen, sagenhafter Reichtum, heimliche Gerichtsaffären und das traurige Glück ihrer Erben - deutsche Verlagsdynastien sind für das FREIZEIT MAGAZIN ROYALE, was die funkelnde Glitzerwelt von Stars, Sternchen und Hochadel für deutsche Verlagsdynastien sind: entmenschlichte Berichterstattungsobjekte, über die man schreiben kann, was man will, solange es sich gut verkauft.
Hubert Burda muss sterben.
Wie wir alle."

Die Verlagshäuser haben auf die Aktion unterschiedlich reagiert. Ein Sprecher von Hubert Burda Media teilte am Sonntag auf dpa-Anfrage mit: "Komödianten genießen Narrenfreiheit. Die Geschichten eines Komödianten werden wir nicht kommentieren."

Die Bauer Media Group kommentierte das Ganze auf dpa-Nachfrage so: "Satire finden wir richtig und wichtig. Und als Publisher Nummer 1 werten wir es als ein positives Zeichen, wenn Verlage neue Zeitschriften auf den Markt bringen und kreative Magazin-Konzepte möglichst viele Menschen erreichen." Das Unternehmen betonte zugleich: "Allerdings finden wir es besorgniserregend, dass das ZDF offensichtlich die rechtlichen Grenzen seines Rundfunkauftrags verlassen hat, indem es mit Rundfunkgebühren eine neue Print-Zeitschrift publiziert."

Vom ZDF hieß es auf dpa-Anfrage: "Anlässlich der neuesten Ausgabe des 'ZDF Magazin Royale' zum Thema Boulevardjournalismus gibt es eine begleitende Printpublikation. Gemäß Medienstaatsvertrag erfolgt die Herausgabe der auf eine Ausgabe beschränkten Begleitpublikation unter redaktioneller Verantwortung und im Auftrag des ZDF durch die Unterhaltungsfernsehen Ehrenfeld UE GmbH in Köln." Die Firma produziert auch das TV-Format.

Hintergrund: Böhmermann hatte in seiner TV-Satireshow "ZDF Magazin Royale" im ZDF-Hauptprogramm am Freitagabend die Aktion angekündigt. Er flankierte sie am Wochenende weiter über die Sozialen Medien, auch über den Twitter-Account der TV-Show.

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