Exklusiv: Wie es im Zoff zwischen Reichelt und Spiegel steht

 

Der wieder eingesetzte Bild-Chef Julian Reichelt ist juristisch gegen die Berichterstattung des Spiegel ("Vögeln, fördern, feuern") vorgegangen. Das Nachrichtenmagazin hat die Attacke zunächst abgewehrt. Warum sich sowohl Reichelt als auch der Spiegel bis jetzt ziemlich ungeschickt verhalten haben. Aus der aktuellen kress pro-Kolumne "Aus unseren Kreisen".

Wie steht's im Zoff Reichelt gegen Spiegel?

Noch unentschieden. Aber sicher ist schon jetzt, dass das nicht so bleiben wird. Der wieder eingesetzte "Bild"-Chef Julian Reichelt nämlich findet, dass die Berichterstattung des "Spiegel" über ihn eine unzulässige Form der Verdachtsberichterstattung darstellt, wie die "NZZ" schon Mitte März berichtete. Das Nachrichtenmagazin habe ihn nicht direkt mit den Vorwürfen über Affären am Arbeitsplatz und angeblichen Machtmissbrauch konfrontiert, ehe man unter dem schmissigen Titel "Vögeln, fördern, feuern" die Story veröffentlichte.

Inzwischen ist daher eine Abmahnung von Reichelt beim "Spiegel" eingegangen. Die Rechtsabteilung des Magazins allerdings hat die Attacke als unbegründet zurückgewiesen. Wenn Reichelt nicht kneift, läuft es jetzt also auf eine gerichtliche Auseinandersetzung zu, die der "Bild"-Chef allerdings als Privatperson führt und nicht im Namen des Unternehmens, wie Axel Springer auf Anfrage bestätigt.

Besonders schlau ist das Vorgehen Reichelts bisher nicht, denn viel gewinnen kann der "Bild"- Chef vor Gericht nicht. So weit bekannt, zweifelt er wesentliche Teile der Berichterstattung gar nicht an, im Gegenteil hat er sich ja sogar schon für sein Fehlverhalten reuevoll entschuldigt.

Für Fans des Presserechts könnte der Fall dennoch spannend werden. Denn für die Position Reichelts spricht, dass im Text tatsächlich eine Stellungnahme des "Bild"-Chefredakteurs fehlt. Der "Spiegel", so kann man intern erfahren, hielt es offenbar für ausreichend, Axel Springer mit den Anwürfen zu konfrontieren, nicht aber Reichelt selbst.

Nach der reinen Lehre hätte in diesem Fall wohl auch eine Stellungnahme von Reichelt selbst eingeholt werden müssen, weil man klarerweise nicht davon ausgehen darf, dass ein Unternehmen, das gegen seinen Angestellten ermittelt, auch dessen Position nach außen vertreten kann. Andererseits, so wird wohl der "Spiegel" argumentieren, durften die eigenen Redakteure annehmen, dass Axel Springer seinen Chefredakteur über die Anfrage in Kenntnis setzt.

Wenn man drüber nachdenkt, ist das Ganze schon reichlich kurios, denn im Grunde funktioniert die Argumentation Reichelts nur, wenn er belegen kann, dass die Unternehmenskommunikation von Springer Mist gebaut hat und ihn nicht einbezogen hat.

Allerdings müssen wir auch beim "Spiegel" in der Berichterstattung deutliche Abzüge in der B-Note vornehmen. Das titelgebende Zitat "Vögeln, fördern, feuern" über das Verhalten Reichelts nämlich ist nach unseren Recherchen in der "Bild"-Redaktion doch eher unbekannt, was die schmissige Überschrift als geradezu übertrieben boulevardesk entlarvt.

Der Beitrag ist in der kress pro-Kolumne "Aus unseren Kreisen" erschienen. Dort befasst sich Chefredakteur Markus Wiegand auch mit diesen Fragen: Wie geht es im Fall Reichelt bei Bild jetzt weiter? Wer hat bei Springer die Hosen an? Ist die FAZ besser als alle anderen Verlage? Was läuft eigentlich wirklich beim stern? Was leistet Facebook für Lokalmedien? Hat die FTD den Spiegel gekapert?

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kress pro - das Magazin für Führungskräfte in Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Markus Wiegand.

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