Bundesnotbremse: Wie forsch T-Online den Bild-Stil von Julian Reichelt attackiert

 

Die im Bundestag beschlossene sogenannte Bundesnotbremse mit einheitlichen Corona-Regelungen erhitzt die Gemüter. Und T-Online nutzt sie für einen Angriff auf "Deutschlands unvernünftigste Boulevardzeitung". Bei Bild zieht Chefredakteur Julian Reichelt mächtig vom Leder.

Wenn man die Wucht des aktuellen "Ein Geschenk für Extremisten"-Kommentars von Julian Reichelt liest, braucht man sich in der Frage, um sein Selbstbewusstsein nach der zwischenzeitlichen schweren Führungskrise bei der Bild und seine neue Rolle an der Seite der jüngst installierten Co-Chefredakteurin Alexandra Würzbach (kress.de berichtete), offenbar keine allzu großen Sorgen machen.

"An diesen Tag werden wir uns leider noch lange erinnern. Der 21. April wird in die Geschichte eingehen als der Tag, an dem die demokratisch gewählte Regierung eines freiheitsliebenden Landes beschlossen hat, dass sie die Bürger einsperren kann", ledert Reichelt hart gegen die Kanzlerin Angela Merkel und listet noch einmal vermeintliche Fehlleistungen in der bisherigen Corona-Politik auf.

Die sogenannte Bundesnotbremse bezeichnet er als "Brachialmaßnahme" und nimmt offenbar zumindest in Kauf, die öffentliche Stimmung dagegen mit zu beflügeln. "Wo Gesetze nicht klar und durchsetzbar sind, wächst Willkür. Wo Willkür wächst, wuchert Wut gegen den Staat. Ein größeres Geschenk als dieses Gesetz hätte man Extremisten in einem Wahljahr kaum machen können", schreibt Julian Reichelt.

Ganz andere Töne schlägt dagegen Annika Leister an, Politik-Redakteurin von T-Online, des Mediums, das sich an der Reichweiten-Front, aber auch bei dem Wunsch nach Meinungsstärke am Marktführer Bild.de misst. In ihrer ersten Kolume für den T-Online-Newsletter "Tagesanbruch" hat sie sich ebenfalls die Bundesnotbremse vorgenommen - und nutzt das Thema zu einem Angriff gegen Bild.

"Dieser außergewöhnliche Schritt, zum ersten Mal in einem Bundesgesetz verankert, führt gerade nicht zu Wut, Verunsicherung, Protest und Politikverdruss – im Gegensatz zu viel weniger gravierenden Maßnahmen in der Vergangenheit", schreibt Leister.

Das liege daran, so die Kolumnistin, dass sich die Diskussion um Corona-Maßnahmen endlich transparenter gestalte und damit kommunikativ aus den Hinterzimmern der Politik und der Redaktionsetagen löse. "Plötzlich sind Mutmaßungen über neue Beschlussvorlagen nicht mehr das größte Reizthema, das alle privaten Diskussionen bestimmt. Das kollektive Kopfschütteln ist beendet", schreibt Annika Leister.

"Das liegt daran, dass die Pandemiepolitik endlich dort diskutiert und gemacht wird, wo sie hingehört: im Bundestag. Das Land ist befreit von der Ministerpräsidentenkonferenz als dysfunktionale Schaltzentrale in dieser Krise. Endlich lenken nicht mehr Landesfürsten mit sehr regionalen Interessen candycrushspielend das Pandemiegeschehen."

Für die Bild, die sie namentlich nicht nennt, könnte dadurch ein wichtiges Informantennetz ruhig gestellt werden, deutet Annika Leister an - eine Breitseite!

"Endlich bestimmen nicht mehr allein halbgare Informationen und gezielte Durchstechereien von einer Handvoll Machtmenschen an Deutschlands unvernünftigste Boulevardzeitung die öffentliche Diskussion. Endlich ist Schluss mit Hinterzimmer", so der Tenor bei T-Online.

Hintergrund: Das Digitalmedium T-Online, das zur Ströer Gruppe gehört, erreicht im Internet und auf Public Video monatlich 47 Mio Nutzer in ganz Deutschland. Chefredakteur ist Florian Harms.

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