"Verrecken Sie bitte, Spasti": RND-Chef Marco Fenske erstattet Strafanzeige nach Gewaltandrohung

03.05.2021
 

Die Organisation Reporter ohne Grenzen sprach zuletzt von einer noch nie dagewesenen Dimension der Gewalt gegen Medienschaffende in Deutschland. Auch Imre Grimm, Leiter des Gesellschaftsressorts bei Madsacks RND, bekam den Hass jetzt zu spüren. Er hatte einen Meinungsbeitrag zur #allesdichtmachen-Aktion geschrieben.

Marco Fenske, Chefredakteur des Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND) will Hass und Gewalt nicht hinnehmen. Er berichtet, dass sein Kollege Imre Grimm wegen eines Beitrags beschimpft worden sei - als "verficktes Nazi-Schwein", als "systemkonforme Hure", als "Versagerpussy", die "das Schlimmste verdient" - verbunden mit dem menschenverachtenden Ausspruch "Verrecken Sie bitte, Spasti".

Imre Grimm, Leiter des Gesellschaftsressorts, habe mehr als 400 E‑Mails nach seinem klar als Meinungsbeitrag gekennzeichneten Text "Stars gegen den Lockdown: Warum die Aktion 'Alles dichtmachen' eine Verhöhnung der Corona-Toten ist" erhalten - zwei Drittel von ihnen seien übel beleidigend und weit von dem entfernt, was man gemeinhin Diskurs oder Debatte nenne, so Fenske.

"Kontrovers haben wir innerhalb der Redaktion darüber diskutiert, ob wir die verstörenden Originaltöne veröffentlichen sollen - oder ob wir darauf verzichten, um denjenigen, die sich gern hinter Fakenamen wie 'Johnny Depp' verstecken, keine Bühne zu geben", schreibt Fenke und weiter: "Wir begrüßen es außerordentlich, wenn sich Leserinnen und Leser kritisch mit unserer Arbeit auseinandersetzen, andere Meinungen vertreten und mit Argumenten in den Dialog treten. Wir sind jedoch nicht bereit, das Überschreiten verbaler Grenzen zu akzeptieren - zumal dann nicht, wenn sie justiziabel sind."

Was Journalistinnen und Journalisten tagtäglich an Hass und Gewalt entgegenschlage, überschreite immer mehr das Maß des Erträglichen. Für Fenske wäre es ein Fehler, darüber hinwegzusehen.

Das Redaktions­Netzwerk Deutschland hat im oben zitierten Fall inzwischen Strafanzeige erstattet und werde dies grundsätzlich auch in Zukunft tun, wenn Redakteurinnen und Redakteure aufs Übelste beleidigt, verunglimpft oder gar bedroht werden, macht Chefredakteur Marco Fenske eine klare Ansage. "Wir werden uns nicht einschüchtern lassen von Hass, Beleidigungen und Gewaltandrohungen. Weil Journalismus wichtig ist."

Das Wichtigste aus den Medien - einmal am Tag: Jetzt den kressexpress bestellen

Hintergrund: In der weltweiten "Rangliste der Pressefreiheit" der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) ist Deutschland erstmals aus der Spitzengruppe herausgeflogen. Grund dafür sind die vielen verbalen und körperlichen Angriffe auf Journalisten bei Corona-Demonstrationen. "Hauptgrund dieser Bewertung ist, dass Gewalt gegen Medienschaffende in Deutschland im Jahr 2020 eine noch nie da gewesene Dimension erreicht hat", begründete die Organisation ihre Herabstufung.

Bereits vor einem Jahr ergab eine Studie, dass Anfeindungen und körperliche Angriffe aus dem rechtsextremen Raum auf Journalistinnen und Journalisten zunehmen; verbessert hat sich die Lage seither nicht. Erst vor wenigen Tagen bedrängten Corona-Leugner Journalisten vor dem Bundestag, die Polizei nahm vier Männer vorläufig fest.

Sie möchten exklusive Medienstorys, spannende Debatten und Top-Personalien lesen? Dann bestellen Sie bitte unseren kostenlosen kressexpress. Jetzt für den täglichen Newsletter anmelden.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.