Dürfen wir von einem Leitmedium nicht mehr erwarten? G+J-Chefredakteure schreiben Leserbrief an die SZ

04.05.2021
 

Ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung über Gruner + Jahr hat die Chefredakteurinnen und Chefredakteure (u.a. Brigitte Huber) des Hamburger Medienhauses aufgebracht. Sie haben darauf in ungewöhnlicher Weise reagiert: mit einem Leserbrief.

Stein des Anstoßes ist der am 24. April 2021 in der Süddeutschen Zeitung erschienene Artikel Das Ende einer Ära. Autor Caspar Busse leitet dort seinen Text so ein: "Einst war Gruner + Jahr Deutschlands wichtigster Zeitschriftenverlag. Nach dem Abschied von Julia Jäkel könnte er nun bei den ungeliebten Kollegen von RTL verschwinden."

In Busses SZ-Text heißt es auch:

"'Was da kommt, wird nicht schön', glauben Vertraute, manche erwarten ein 'Blutbad'"

"Aber es wäre eine große Überraschung, wenn es nicht zum Zusammengehen kommen würde. 'Thomas Rabe will das und zieht das knallhart durch', sagt ein Insider."

"Und bei Gruner + Jahr beschweren sie sich im Hintergrund schon, das Geschäft würde absichtlich schlechtgeredet, damit die Fusion dann günstig für RTL abgewickelt werden kann."

"Nun könnte auch der berühmte Name Gruner + Jahr abgewickelt werden. 'Die Marke wird hinfällig', sagt ein Beteiligter."

Hintergrund ist die Ankündigung von Bertelsmann-Chef Thomas Rabe, dass die Töchter Mediengruppe RTL und G+J noch intensiver zusammenarbeiten werden. Dabei sei auch eine Zusammenlegung nicht ausgeschlossen.

Der Artikel in der SZ hat die Chefredakteurinnen und Chefredakteure von G+J aufgebracht. Sie haben darauf in ungewöhnlicher Weise reagiert: mit einem Leserbrief, der an diesem Dienstag in der Süddeutschen erschienen ist.

"Der Autor zeichnet wortreich ein durch und durch düsteres Bild der Zukunft von Gruner + Jahr und kann das nicht mit einer einzigen namentlich genannten Quelle untermauern, sieht man von dem Zitat aus der Presseaussendung einer Gewerkschaft ab. So sprechen in dem Artikel ein "Insider", ein "Beteiligter", "Vertraute" oder schlicht "viele im Unternehmen", schreiben Brigitte Huber und Florian Gless stellvertretend für alle G+J-Chefredakteure.

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"Dürfen wir von einem Leitmedium nicht ein wenig mehr erwarten als eine Ansammlung unüberprüfbarer und damit unwiderlegbarer Einzelstimmen - von 'Was da kommt, wird nicht schön' über ,'Blutbad' bis 'abgewickelt'?", fragen Huber und Gless.

Die G+J-Führungskräfte betonen: "Hätte die SZ bei uns nachgefragt, hätten wir nicht nur widersprochen - wir hätten ein gänzlich anderes Bild vermittelt: von der bei uns spürbaren Aufbruchstimmung und dem großen Potenzial, das wir in einer Bündelung der Angebote von G+J und RTL erkennen."

Zum Ende des Leserbriefes machen Huber und Gless der SZ noch einen Vorschlag: "Ihr Artikel hätte dann so heißen können: 'Beginn einer Ära'" - und ein Agebot: "Wir jedenfalls wären zu Gesprächen gern bereit."

Hintergrund: Brigitte Huber ist Chefredakteurin der Magazine Brigitte, Gala, Barbara und Guido und Florian Gless führt zusammen mit Anna-Beeke Gretemeier den stern.

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