1600 Zuhörer bei Redaktionskonferenzen: Wie die "Zeit" Clubhouse nutzt

 

"Trend oder Hype?", fragen sich viele Medienhäuser: kress pro analysiert in einem aktuellen Case, welche Erfahrungen die "Zeit" und der "Playboy" mit ihren Experimenten bei der neuen App Clubhouse sammeln - und wie es mit den Erlösen aussieht.

"Clubhouse bereitet uns viel Freude und hat uns positiv überrascht", bilanziert Sebastian Horn im aktuellen kress pro-Case. "Die Audio-App ermöglicht ein interaktives Audioformat, das es so noch nicht gab", fügt der stellvertretende Chefredakteur von Zeit Online hinzu. Die Medienmacher in Hamburg haben mittlerweile reichlich Erfahrung mit dem neuen Audio-Angebot. Seit Januar gibt es werktäglich um 9.00 Uhr eine 30-minütige, öffentliche Redaktionskonferenz bei Clubhouse. In den ersten Runden waren bis zu 1.600 Menschen anwesend, inzwischen sind regelmäßig etwa 400 Personen zu Gast. In den Konferenzen stellt die jeweils verantwortliche Chefin vom Dienst kurz und knapp die wichtigsten Themen des Tages vor. Eine Moderatorin oder ein Moderator ruft anschließend Gäste auf und koordiniert deren Wortmeldungen - meist konkrete Fragen oder Themenideen. Einem neuen Creator auf Clubhouse empfiehlt Horn, mit einem klaren Konzept zu starten und gut zu moderieren: "Auch wenn die Unterhaltungen spontan und interaktiv sein sollen, kommt es doch auf eine gute Gesprächsführung an."

Die technische Abwicklung der digitalen Live-Konferenzen ist hingegen einfach. Es reicht ein iPhone, das nach erfolgreicher Installation der App und Einladung durch einen bereits registrierten Nutzer als Schaltzentrale dient. Über dieses Smartphone wird ein Profil im Audioportal angelegt und ein spezieller Diskussionsraum eröffnet. Grundsätzlich stehen drei Arten von Chatrooms zur Auswahl: öffentlich, privat oder geschlossen. In einem Clubhouse-Kalender können die Veranstalter ihre Gespräche ankündigen. Während Sprecherinnen und Sprecher jederzeit das Wort haben, ist das Publikum prinzipiell stummgeschaltet. Mit einem digitalen Handzeichen melden Gäste einen Beitrag an und erhalten dann von einem Moderator das Rederecht.

"Die Konferenzen werden nicht aufgezeichnet, sondern mit Mini-Protokollen dokumentiert", berichtet Sebastian Horn. "Daraus ist inzwischen rund ein halbes Dutzend Artikel entstanden, die es ohne die morgendlichen Clubhouse-Konferenzen nicht gegeben hätte", verrät der Vize-Chef. Derzeit nicht weiter verwunderlich drehen sich viele Diskussionen um die Coronakrise in all ihren Facetten. "Der Input durch die Community ist sehr wertvoll und nicht mit Geld aufzuwiegen", betont Horn die Bedeutung des täglichen Stimmungsbildes, das Zeit Online mit vergleichsweise geringem Aufwand aus erster Hand erhält.

Ein kontroverses Thema in den ersten Morgenkonferenzen war aber auch die Drop-in-Audio-App selbst: "Der Datenschutz bei Clubhouse ist alles andere als optimal", kritisiert der stellvertretende Chefredakteur und stellt klar: "In der Redaktion steht es den Kolleginnen und Kollegen frei, ob sie die App nutzen."Vorsicht ist angebracht: Mitte April stellten Cracker 1,3 Millionen gestohlene Clubhouse-Accountdaten ins Internet, so das Online-Magazin Cybernews. Für Kopfzerbrechen sorgt auch das Erlösmodel für Clubhouse-Kreative. "Unser Engagement ist rein redaktioneller Natur", winkt Sebastian Horn ab und will daher vorrangig journalistische Ideen vorantreiben, zum Beispiel Chats zu Schwerpunktrecherchen oder eine Site-Kritik mit externen Gästen.

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Wie US-Magazine Clubhouse monetarisieren, welche Erfahrungen Florian Boitin, Chefredakteur des Playboy und Geschäftsführer Kouneli Media, bei Clubhouse gesammelt hat und welche Tipps Boitin anderen Medienhäusern zum Einstieg bei Clubhouse gibt - lesen Sie im kompletten Clubhouse-Case im aktuellen kress pro.

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