Medienprofis in der Jobkrise: Hilft eine Weiterbildung - und wenn ja, welche?

 

In kritischen Karriere-Phasen und bei erfolglosen Bewerbungen erscheint vielen Medienprofis eine Weiterbildung als rettender Ausweg. Doch solch eine finanzielle und zeitliche Investition ist kein Selbstzweck, sagt Mediencoach Attila Albert. Darauf sollten Sie bei Ihrer Entscheidung achten.

Wenn der Job stresst oder frustriert und die gelegentliche Bewerbung erfolglos bleibt, dann haben viele Medienprofis einen Gedanken: Eine Weiterbildung könnte doch der Ausweg sein! Würde das Zertifikat als Social-Media-Manager oder der MBA in Digital- und Medienmanagement nicht neue Chancen bringen? Der Kurs zum Scrum Master, in Design Thinking, Storytelling, Präsentationstechniken oder agiler Führung nicht den Lebenslauf schmücken, einen wenigstens ablenken oder neu motivieren?

Die Auswahl an Weiterbildungen - Anbietern, Formaten, Inhalten und Abschlüssen - ist praktisch unerschöpflich. Gleichzeitig sind sie kein Selbstzweck. Jede bindet finanzielle und zeitliche Ressourcen, die Ihnen dann zeitweise woanders fehlen werden. Zwar ist es völlig legitim, eine Weiterbildung auch nur aus allgemeinem Interesse zu beginnen, "damit wollte ich mich immer schon einmal beschäftigen". Wenn Ihre Investition aber einen Ertrag bringen soll, dann sollte sie keine Zufallsentscheidung sein oder kurzlebigen Trends folgen.

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Gelegentlich arbeite ich mit Coaching-Klienten, die aus unterschiedlichen Gründen seit Jahren keine Weiterbildung besucht haben. Im Normalfall aber durchläuft ein Medienprofi bereits fortlaufend eine Vielzahl beruflicher Weiterbildungen, etwas für das jeweils neue CMS oder veränderte Arbeitsabläufe. Jedes weitere Engagement sollte daher gut überlegt sein. Wichtigster Grundsatz: Klären Sie zuerst Ihr konkretes Ziel und entscheiden Sie danach, ob Sie dafür überhaupt eine Weiterbildung brauchen - und wenn ja, welche genau. Nicht umgekehrt, wie es oft geschieht: Eine eher zufällig entschiedene Weiterbildung in der Hoffnung, dadurch mehr Klarheit und allgemein "bessere Chancen" zu erhalten.

Jeder Weiterbildungsbedarf ist unterschiedlich und muss individuell geklärt werden. Aber drei besonders häufige Situationen sollen hier angesprochen werden.

Nach der Journalistenschule: Erst amortisieren

Viele Absolventen von Journalistenschulen werden mit dem Versprechen auf hohe Übernahmequoten gelockt. Nach der Ausbildung müssen sie oft feststellen: Es handelt sich nur um Verträge über sechs bis zwölf Monate. Dann wird bereits der nächste Jahrgang nachrücken. Mit Anfang bis Mitte 30 finden sie sich deshalb unerwartet auf Stellensuche oder als freie Mitarbeiter wieder. Der sorgfältig aufgebaute Karriereplan scheint bereits zu Beginn zu scheitern. In dieser Lage ist die Versuchung groß, fast ein wenig panisch "noch eine Ausbildung draufzusatteln", um seine Bewerbungschancen zu erhöhen.

Meine Empfehlung: Wegen der Auswahlkriterien für Volontariate haben diese Medienprofis fast immer bereits einen oder mehrere Abschlüsse, zudem durch Ausbildungskosten und Gehaltsverzicht schon viel investiert. Machen Sie nun Ihre Finanzen zur höchsten Priorität. Probieren Sie PR, Content Marketing oder Corporate Publishing als zusätzliche Optionen. Testen Sie unterschiedliche Arbeitgeber und Tätigkeitsfelder. Neue Weiterbildungen erst, wenn sich Ihre bisherigen Investitionen bezahlt gemacht haben. Keine Sorge, dass Sie sich den Rückweg in den Journalismus verbauen. Sie erweitern damit im Gegenteil Ihr Profil.

Tipp: Eine ausführliche Fallstudie zu dieser Situation - Unterbeschäftigung bei hoher formaler Qualifizierung - finden Sie in meinem Buch "Perfektionismus ist ein Arschloch".

Über 40 mit Altvertrag: Fehlenden Abschluss nachholen

Medienprofis zwischen Mitte und Ende 40 wurden häufig noch eingestellt, als das Abitur und eine erfolgreiche freie Mitarbeit (z. B. als Pauschalist) dafür genügten. Nun, viele Jahre später beim selben Arbeitgeber, sind sie nicht selten in Führungspositionen und verdienen gut. Aber ihre höchste formale Qualifikation ist weiterhin nur das Abitur. Ein Volontariat, wenn durchlaufen, stellt nur eine branchenspezifische betriebliche Weiterbildung dar, ebenso Kurse aller Art. Das ist heute zu wenig für viele Stellen, selbst bei internen Bewerbungen. Dazu fühlen sich diese Medienprofis oft selbst unterqualifiziert.

Meine Empfehlung: Ein formaler Abschluss (z. B. Bachelor) ist für Sie auch jetzt noch sehr sinnvoll. Mit ihm erfüllen Sie eine heute übliche Bedingung vieler Stellenausschreibungen und eröffnen sich zusätzliche Aufstiegs- und Wechseloptionen. Zudem stärken Sie Ihr methodisches und strategisches Denken als Ergänzung zu Ihren praktischen Erfahrungen. Verzetteln Sie sich nicht mit Kurztrainings, Workshops, Zertifikats- und Diplomkursen (CAS, DAS). Orientieren Sie sich auf ein praktisch angelegtes Studium, berufsbegleitend über drei bis vier Jahre. Verhandeln Sie mit Ihrem Arbeitgeber über Teilzeit und Kofinanzierung.

Arbeitssuchend über 50: Sehr gezielt auswählen

Eine herausfordernde Situation ist die oft völlig unerwartete Arbeitssuche mit Anfang bis Mitte 50. Gelegentlich nach einer Vertragsauflösung oder Entlassung, manchmal auch nach langer Selbstständigkeit, die nicht mehr getragen hat. In einer Lebensphase, in der man die Ergebnisse seiner beruflichen Bemühungen genießen wollte, soll man nun mit Bewerbern konkurrieren, die 20 Jahre jünger sind. Manchmal drängt hier die Arbeitsagentur zu einer Weiterbildung. Oft aber ist es der eigene Antrieb, "um den Anschluss wieder zu finden": Die berufliche Qualifikation und Verdienstmöglichkeiten auf den heutigen Stand zu bringen.

Meine Empfehlung: Eine kurze, sehr spezifische Weiterbildung kann hier, neben breiten Bewerbungen, sinnvoll sein. Prüfen Sie aber kritisch, ob der Abschluss tatsächlich Ihre beruflichen bzw. geschäftlichen Aussichten verbessert würde. In dieser Situation will man nicht noch zusätzlich Zeit für ein Zertifikat verlieren, das sich anschließend als nutzlos herausstellt. Inhaltlich eher technische Weiterbildungen (z. B. zum Social-Media- oder SEO-Manager), Prozess- oder Managementthemen führen in dieser Altersgruppe selten zu einer Anstellung, weil die Arbeitgeber dafür jüngere Kandidaten suchen. Sie können aber die Grundlage für die erste Selbstständigkeit bzw. ein neues Geschäftsmodell sein.

Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis bei beruflichen Veränderungen. Er hat mehr als 25 Jahre journalistisch gearbeitet, u.a. bei der Freien Presse, bei Axel Springer und Ringier. Begleitend studierte er BWL, Webentwicklung und absolvierte eine Coaching-Ausbildung in den USA. www.media-dynamics.org.

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