Freizeit Magazin Royale: Der große Auflagen-Bluff des Jan Böhmermann

07.05.2021
 

"Erstauflage 500.000 Stück - und dann mal gucken, wie sich das verkauft", hatte Satiriker Jan Böhmermann in seiner ZDF-Show das neue Freizeit Magazine Royale angepriesen. Böhmermann nimmt mit dem Magazin Medienhäuser wie Burda, Klambt, Bauer und Funke aufs Korn. Wie hoch die Auflage wirklich war und warum das bei weitem nicht reichte.

"Ja, ich meine wenn Zeitungen jetzt Fernsehen machen, dann kann Fernsehen doch auch Zeitung machen. Vielleicht kann das ZDF dann auch Mitglied werden im Bund Deutscher Zeitungsverleger", hatte Jan Böhmermann in seiner Satire-Show "ZDF Magazin Royale" am Freitag, 16. April 2021 gesagt. Und weiter: "'Freizeit Magazin Royale' liegt morgen am Kiosk, kein Witz, ist wirklich wahr."

Tatsächlich lag die Sonderausgabe am damaligen Samstag vielerorts im Supermarkt und im Kiosk aus, das Heft war von seiner Aufmachung her auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden gewesen von den Unterhaltungs-Zeitschriften. Freizeit Magazin Royale -"Deutschlands einzig wahres Klatsch-Magazin" dreht sich allerdings nicht um die üblichen Stars und Sternchen, sondern um Verlegerinnen und Verleger großer Medienhäuser, die hinter den umgangssprachlich auch als Regenbogenpresse bezeichneten Blättern stehen, darunter Yvonne Bauer und Hubert Burda. ZDF-Satiriker Jan Böhmermann will mit der Parodie samt offensichtlich falschen Gerüchten und überspitzten Falschnachrichten in knalligen Überschriften Arbeitsweisen in der Branche kritisieren.

Wie das ZDF jetzt auf kress.de-Nachfrage mitteilte, lag die erste Auflage von "Freizeit Magazin Royale" nicht bei einer halben Million, sondern bei 30.000 Exemplaren. Diese seien aber schnell ausverkauft gewesen. Böhmermann flankierte die Aktion über die Sozialen Medien, auch über den Twitter-Account seiner TV-Show. Zudem gibt es den Internetauftritt freizeitmagazinroyale.de. Dies habe zu 100.000 Online-Bestellungen geführt, so das ZDF. Daher sei nun eine zweite Auflage von 120.000 Exemplaren nachgedruckt worden. Die mit dem Freizeit Magazin Royale erzielten Erlöse will das ZDF für ein "gemeinnütziges Projekt zur Stärkung von Medienkompetenz in Print und Internet" spenden.

Zugleich betonen die Mainzer, dass die Herausgabe der auf eine Ausgabe beschränkten Begleitpublikation Freizeit Magazin Royale gemäß Medienstaatsvertrag unter redaktioneller Verantwortung und im Auftrag des ZDF durch die Unterhaltungsfernsehen Ehrenfeld UE GmbH in Köln erfolgt sei.

Was den Inhalt betrifft: "Aufgabe von Satire ist es, mittels Witz und Ironie aktuelle Themen aufzugreifen und den Diskurs über diese anzuregen: in diesem Fall wurde die Frage aufgegriffen, ob die 'Yellow Press' dem Journalismus zugeordnet werden kann und damit auch dessen Privilegien in Anspruch nehmen kann, heißt es beim ZDF.

Knalliger ist der Tonfall auf der YouTube-Seite von ZDF Magazin Royale: "Geschäfte machen mit Lügen und menschenfeindlichen Geschichten unter dem Deckmantel der Pressefreiheit? Das geht nur bei Magazinen mit 'Neue', 'Freizeit' oder 'Woche' im Namen. Hubert Burda Media, Medienholding Klambt, Funke Mediengruppe, Bauer Media Group und Co. erreichen mit Skandal-Schlagzeilen sagenhaftem Reichtum & schockierende Auflagezahlen. Doch welche süßen Geheimnisse verstecken Deutschlands Verlegerinnen und Verleger?"

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Böhmermann schreibt im Editorial des Magazins: "Sie sind schön, sie sind reich, sie sind mächtig - doch warum scheuen sie das Licht der Öffentlichkeit? Welche süßen Geheimnisse verstecken Deutschlands Verlegerinnen und Verleger? Todesangst? Hirnschlag? Qualitätsjournalismus? Steckt hinter dem düsteren Doppelspiel von Hubert Burda Media, Medienholding Klambt, Funke Mediengruppe oder Bauer Media Group eine unheilbare Geldsucht? Das neue FREIZEIT MAGAZIN ROYALE öffnet erstmals in der deutschen Pressegeschichte das Tor zur ganz privaten Welt von Deutschlands gierigsten Abschaumschlägerinnen."

Die Verlagshäuser haben auf die Aktion unterschiedlich reagiert. Ein Sprecher von Hubert Burda Media teilte auf dpa-Anfrage mit: "Komödianten genießen Narrenfreiheit. Die Geschichten eines Komödianten werden wir nicht kommentieren."

Die Bauer Media Group kommentierte das Ganze auf dpa-Nachfrage so: "Satire finden wir richtig und wichtig. Und als Publisher Nummer 1 werten wir es als ein positives Zeichen, wenn Verlage neue Zeitschriften auf den Markt bringen und kreative Magazin-Konzepte möglichst viele Menschen erreichen." Das Unternehmen betonte zugleich: "Allerdings finden wir es besorgniserregend, dass das ZDF offensichtlich die rechtlichen Grenzen seines Rundfunkauftrags verlassen hat, indem es mit Rundfunkgebühren eine neue Print-Zeitschrift publiziert."

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