Exklusiv: Literaturkritiker Volker Weidermann kündigt beim Spiegel

12.05.2021
 

Erneuter Personalabgang beim Spiegel: Der renommierte Literaturkritiker Volker Weidermann verlässt nach kress.de-Informationen enttäuscht das Haus und wechselt zur Zeit. Er gilt als einer der profiliertesten Köpfe im Literaturbetrieb. Was er zum Abschied beim Spiegel bitter beklagt - und welchen Führungsjob er bei der Zeit bekommt.

Die Kündigung sei ihm leicht gefallen, schreibt Weidermann in einer Mail an alle Kolleginnen und Kollegen des Spiegel. "Ich habe in diesen sechs Jahren hier im Spiegel oft darüber gestaunt, wie schwer man sich einfache Dinge machen kann."

Bei der Zeit wird er ab 1. Oktober Feuilletonchef.

Weidermann, der bis 2019 auch Gastgeber des Literarischen Quartetts im ZDF war, kritisiert vor allem seinen "Bereich", das Kulturressort unter der aktuellen Leitung von Sebastian Hammelehle. Er spricht von "Beharrungswillen, Unmut, Kontrollwahn", die er dort kennengelernt habe.

"Das silbern-glänzende Grundgesetz im Atrium 'Sagen, was ist', Augsteins Gesetz – das ist ganz einfach nicht für mich geschrieben worden", so Weidermann. Er komme aus der Literatur und dort gelte: "Sagen, was nicht ist. Sagen, was sonst noch so sein könnte. Sagen, wie es besser wäre. Sagen, was niemand sonst sich zu sagen traut."

Im Haus löste die Mail zunächst großes Bedauern aus, wie es aus Redaktionskreisen hieß.

Im Februar hatte bereits der renommierte Publizist und ehemalige Feuilletonchef der FAZ, Nils Minkmar den Spiegel verlassen. Er ist seit 1. Mai als Autor für die Süddeutsche Zeitung tätig.

Zur Person: Volker Weidermann kam 2015 von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) zum Spiegel. Von 2001 an war er bei der FAS Kulturredakteur, ab 2003 Feuilletonleiter gemeinsam mit Claudius Seidl. 1998 bis 2001 arbeitete er bei der taz im Kulturressort. Von 2015 bis 2019 war Weidermann Gastgeber des neu aufgelegten Literarischen Quartetts im ZDF. Zudem ist er als Autor tätig, die Erzählung "Ostende. 1936: Sommer der Freundschaft" und seine Literaturgeschichte "Lichtjahre" (2008) zählen zu seinen bekanntesten Veröffentlichungen.

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